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Seit zwischen Bremen undHohnstorf ein Streit um die ,,Eiswette entbrannt ist, ist Hohnstorfs Bürgermeister ein gefragter Interview-Partner. Foto: kork
Seit zwischen Bremen undHohnstorf ein Streit um die ,,Eiswette entbrannt ist, ist Hohnstorfs Bürgermeister ein gefragter Interview-Partner. Foto: kork

Tauwetter im Eiswetten-Streit

kre Hohnstorf. Langsam herrscht wieder Tauwetter im Eiswetten-Streit zwischen Hohnstorf und Bremen: „Ich habe mit den Bremern telefoniert“, sagt Hohnstorfs Bürgermeister André Feit und fasst das Gespräch mit seinem ureigenen norddeutschen Charme zusammen: „Es war ganz nett. Vielleicht werden wir uns auch einmal gegenseitig besuchen…!“

Anlass für das frostige Klima zwischen der kleinen Elbgemeinde und den Hanseaten an der Weser war das Einschreiben einer Bremer Patentanwalts-Kanzlei, die den Bremer ,,Verein Eiswette von 1829″ vertritt. „Die Mutter aller Eiswetten“, wie der Anwalt vor wenigen Tagen gegenüber der LZ erläuterte. Die Hanseaten fordern die Hohnstorfer auf, einen Lizenzvertrag zu unterzeichnen, da sie sich die „Eiswette“ als Wortmarke patentrechtlich haben schützen lassen. „Nie und nimmer“ war Feits erste Reaktion (LZ berichtete) und das löste einen wahren medialen Ansturm aus.

Fernsehteams von SAT 1, NDR Hörfunk und auch die Bild-Zeitung alle wollen wissen, wie es weitergeht im Eiswettenstreit. „Da kann ich noch gar nicht viel dazu sagen“, beantwortet Feit auch die Nachfrage der LZ. „Wir wollen den Vorfall noch immer anwaltlich prüfen lassen.“ Denn auch wenn sich der Hohnstorfer Bürgermeister am Telefon nett und freundschaftlich mit Dr. Patrick Wendisch, dem aktuellen Präsidenten der Bremer Eiswette, unterhalten hat „so ohne Weiteres unterschreiben werden wir diesen Lizenzvertrag nicht“. Ob ein eventueller Rechtsstreit dann vom Kommunalen Schadensausgleich das ist quasi die Versicherung der Kommunen getragen wird, oder ob die Gemeinde Hohnstorf selbst die Anwaltskosten tragen muss, ,,wird man gegebenenfalls sehen“, sagt Feit ,,wir sind noch dabei, das prüfen zu lassen.“

Fest steht für den Bürgermeister allerdings: Sollte die Gemeinde tatsächlich einen Anwalt benötigen, ,,dann muss das auch ein Patent-Anwalt sein.“ Das würde für Chancengleichheit auf beiden Seiten sorgen. Schließlich werden auch die Bremer von einer Patentanwalts-Kanzlei vertreten.

Für Jens Kaidas, ehemaliger Hohnstorfer Bürgermeister und der „Erfinder der Hohnstorfer Eiswette“ ist das Verhalten der Bremer ohnehin „eine Frechheit.“ Er moniert: „Man kann doch nicht eine Veranstaltung wie unsere 15 Jahre laufen lassen und dann plötzlich einen Lizenzvertrag vorlegen, nur weil man sich zwischenzeitlich den Begriff ,Eiswette hat schützen lassen.“

Für Kaidas und seinen Amtsnachfolger ein ziemlicher Blödsinn: „Mir ist nicht bekannt, dass die Münchner den Begriff ,Oktoberfest haben schützen lassen“, gibt Feit zu bedenken, genauso wenig das Wort „Volksfest“. „Und was ist mit dem Christkindl-Markt? Warum wurde das nicht als Wortmarke patentrechtlich geschützt?“ Nicht, dass man den Hohnstorfer Kommunalpolitiker jetzt falsch versteht. Er möchte den Münchnern und den Nürnbergern keinesfalls ein Versäumnis vorwerfen, sondern die Bremer mit der Auflistung dieser Beispiele zu mehr Gelassenheit ermuntern.

Dass der Begriff „Eiswette“ in Hohnstorf bereits ein Begriff war, lange bevor die Bremer diesen Begriff schützen ließen, „spielt rechtlich gesehen keine Rolle“, erklärt der Bremer Patentanwalt Günter Eisenführ, der von 1993 bis 1996 selbst Präsident der Bremer Eiswette war, noch immer dem Präsidium angehört und den Verein rechtlich vertritt. Es gehe jetzt schließlich darum, sicherzustellen, dass mit dem Begriff ,,Eiswette“ kein Schindluder getrieben werde, keine ,“zweifelhaften“ Produkte und Veranstaltungen mit dem Namen ,“Eiswette“ beworben werden.

Da ist die Idee von An­dré Feit, sich gegenseitig einzuladen, vielleicht nicht die schlechteste, um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Und die Frage nach dem nächsten oder übernächsten Überraschungsgast in Hohnstorf wäre dann auch schon geklärt…