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Ihren Söhnen Jan und Kai (r.) gönnt Dr. Petra Görgens nur gelegentlich mal eine Portion Cornflakes, wegen des hohen Zuckeranteils. Wenn, dann sollte es dazu aber immer auch Milch, Obst und andere Flocken geben, empfiehlt die Ernährungswissenschaftlerin.
Ihren Söhnen Jan und Kai (r.) gönnt Dr. Petra Görgens nur gelegentlich mal eine Portion Cornflakes, wegen des hohen Zuckeranteils. Wenn, dann sollte es dazu aber immer auch Milch, Obst und andere Flocken geben, empfiehlt die Ernährungswissenschaftlerin.

Geburtstags-Knuspern der kleinen Dickmacher

us/sin Lüneburg. Die einen lieben sie pur, andere nur mit Milch, viele wiederum am liebsten in lockerer Mischung mit anderen Zutaten: Cornflakes. Seit Generationen gehören sie in vielen Familien auch in Deutschland auf den morgendlichen Frühstückstisch, nachdem sie in den Zwanziger Jahren den Sprung aus den USA über England auf den Kontinent geschafft hatten. Erfunden wurden sie von den Brüdern John Harvey und Will Keith Kellog. Vor 120 Jahren, am 31. Mai 1894, ließ John Harvey sich das Rezept für die Herstellung von Weizen-Cornflakes patentieren.

Ursprünglich hatte der Mediziner John Harvey Kellog die aus gekochtem und anschließend gepresstem und getrocknetem Weizen hergestellten Flocken als vegetarische Kost für die Patienten seines Sanatoriums vorgesehen. Nur mit einer Prise Salz sollte das diätische Nahrungsmittel verzehrt werden. Er war überzeugt, dass viele Krankheiten von Magen und Darm ausgingen, hervorgerufen durch falsche Ernährung und falsche Lebensweise, unter anderem ausgelöst durch das Ausleben von Sexualität.

Ein kommerzieller Erfolg wurden die Cornflakes erst, nachdem Will Keith Kellog den Cornflakes reichlich Zucker zusetzte und sich damit den Zorn seines Bruders zuzog. Fortan gingen beide getrennte Wege, es heißt, sie hätten danach kein Wort mehr miteinander gesprochen.

Kritisch geht auch Dr. Petra Görgens mit den knusprig-süßen Flocken um. „Sie gehören in dieselbe Kategorie wie Süßes oder Chips“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin, die in Lüneburg die örtliche Gruppe des Berufsverbands der Oecotrophologen in Deutschland leitet. „Ich würde sie meinen Kindern nicht empfehlen.“

Vor allem: Cornflakes sollten nicht pur, sondern möglichst mit Obst und beispielsweise Haferflocken gemischt und mit Milch verzehrt werden, empfiehlt die Oecotrophologin. Wichtig sei es, ausreichend Ballaststoffe zu sich zu nehmen, denn sie regen die Verdauung an. „Getreide hat mehr als Obst“, sagt Dr. Görgens. Ohnehin sollte Obst in Maßen genossen werden, da es neben wichtigen Vitaminen auch Zucker enthalte. „Deshalb sollte man unbedingt auch ausreichend Gemüse und Salat essen.“

Für ein optimales Frühstück empfiehlt die Ernährungswissenschaftlerin eine Scheibe Brot oder ein Müsli, dazu ein Glas Milch oder eine Scheibe Käse oder einen Joghurt sowie Obst oder Gemüse, beispielsweise Gurken, Fenchel oder Tomaten, sowie Wasser oder Tee, „Säfte am besten nur verdünnt.“

„Empfehlungen sind aber nicht immer ganz einfach, denn nicht jeder kann morgens schon gut frühstücken“, sagt sie. Kinder, die oft nicht so gute Frühstücker seien, kämen auch schon mal mit einem Glas Milch oder Kakao klar, „denn auch Milch macht satt“. Spätestens zum Schulfrühstück aber sollten sie dann das empfohlene vitaminreiche Frühstück nachholen.

Und was ist mit Schoko- oder Müsli-Riegeln? „Fällt alles unter die Kategorie Süßes“, sagt sie. Aber: „Auch ein Riegel darf mal in der Brotdose dabei sein, doch dann muss das andere auch gegessen werden.“

Wichtige Regel sei: „Es muss schmecken!“ Kinder könnten zwar verstehen, was gesund bedeute, aber sie würden nicht immer auch danach handeln können. „Deshalb ist es wichtig, dass Eltern gesundes Essen vorleben.“ Außerdem würden Kinder mit den Sinnen essen, auch sollten die Portionen mundgerecht sein. „Ein frisch aufgeschnittener Apfel wird viel eher gegessen als einer, der in der Obstschale liegt.“

Damit auch die spätere Ernährung abwechslungsreich ist, sollte man Kindern zwischendurch gelegentlich auch die Lebensmittel zum Kennenlernen anbieten, die sie eigentlich nicht so gern essen. „Später tun sie sich schwerer, Neues auszuprobieren.“