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Müllermeister Eckhard Meyer (l.) und Bernd Wald, Vorsitzender des Windmühlenvereins Bardowick, freuen sich auf viele Besucher am Pfingstmontag. Dann wollen sie ihren Gästen Mühle und Müller-Handwerk näherbringen. Foto: t&w
Müllermeister Eckhard Meyer (l.) und Bernd Wald, Vorsitzender des Windmühlenvereins Bardowick, freuen sich auf viele Besucher am Pfingstmontag. Dann wollen sie ihren Gästen Mühle und Müller-Handwerk näherbringen. Foto: t&w

Jetzt gehts wieder rund

dth Bardowick. „Ole Moel, dreih di wedder!“ ruft Müllermeister Manfred Meyer seiner Mühle zu. Sohn Eckhard gibt den väterlichen Befehl über eine Mechanik weiter an das 23,5 Meter mächtige Flügelkreuz des Windkraftwerkes. Begleitet von einem Trommelwirbel auf der Paradetrommel von Bernd Klepper aus dem Bardowicker Spielmannszug geht die Windmühle nach 42 flügellosen Jahren wieder an den Wind so geschehen im November 1994.

Jetzt, rund zwei Jahrzehnte später, hat die Bardowicker Mühle, die insgesamt schon 201 Jahre alt ist, also auch ein kleines Betriebsjubiläum zu feiern. Gleichzeitig mit dem 20-jährigen Bestehen des Windmühlenvereins Bardowick, der das bürgerschaftliche Engagement gebündelt hat, um der Mühle zu neuem Leben zu verhelfen. Gemeinsam feiern die beiden Institutionen des Domfleckens den 20. Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag, 9. Juni, von 11 bis 17 Uhr.

Erstmals reckte Bardowicks Gallerieholländer seine Flügel im Jahr 1813 in den Himmel. Die Konzession für den Mühlenbetrieb erhält Begründer Johann Friedrich Meyer im Jahr darauf, 1814.

Nach dem Zweiten Weltkrieg befindet sich die Mühle in einem maroden Zustand. Eigentümer Georg Meyer junior legt sich schließlich mit dem Landkreis Lüneburg an. Zwar ist die Mühle im Inneren auf elektrischen Antrieb umgerüstet worden, aber um das Bauwerk zu sichern, sieht er sich gezwungen, Flügelkreuz, Kappe und Windrose zu entfernen. Der Landkreis droht, die Mühle gegebenenfalls gänzlich zu beseitigen, um zu verhindern, dass „in dieser reizvollen Landschaft ein Fremdkörper entsteht“. Doch sie bleibt.

Erst in den Jahren 1991/92 rückt die Wiederherstellung des historischen Antlitzes des Bardowicker Wahrzeichens wieder in greifbare Nähe: Manfred Meyer entwickelt gemeinsam mit der Gemeinde Bardowick ein Sanierungsprogramm, das außerdem zum Ziel hat, die Windgängigkeit zur Erzeugung elektrischen Stroms zu nutzen. Doch als das Projekt zu scheitern droht, schlägt die Stunde des Mühlenvereins. Im Februar 1994 wird er aus der Taufe gehoben. Vorsitzender Heinz Thiemann schart innerhalb von zweieinhalb Monaten mehr als 200 Unterstützer um sich, die sich für den Erhalt des alten und neuen Bardowicker Wahrzeichens einsetzen.

Der Windmühlenverein sorgt unter anderem für einen wichtigen finanziellen Beitrag. Dazu gehört es, die jährlichen Kosten für die Versicherung der Mühle aufzubringen. Seinerzeit waren jährlich rund 12000 D-Mark fällig, die sich Betreiber Manfred Meyer und der Förderverein teilten.

„Diese Vereinbarung besteht bis heute“, sagt Bernd Wald (70), aktueller Vorsitzender des „Windmühlenvereins Bardowick e.V. Verein für Heimatkunde“. Wald sagt: „Wenn der Verein nicht gewesen wäre, gäbe es die Mühle in der heutigen Form wahrscheinlich nicht.“ Für die Übernahme von Folgekosten erhielt der Verein Nutzungsrechte an der Mühle, etwa für historische Führungen bis hin zu einem Vorkaufsrecht.

Allerdings dürfte Müllermeister Eckhard Meyer, der den Betrieb nunmehr in vierter Familiengeneration führt, mit dem Klammerbeutel gepudert sein, sollte er auf die Idee kommen, die Mühle zu verkaufen. Im Gegenteil: Zuletzt hat der Bardowicker die Mühle sowie den Naturkost- und Futtermittel-Laden um ein Mühlen-Café als weiteres Standbein erweitert. Ohne dabei das alte Handwerk des Müllers aus den Augen zu verlieren, in dem er sogar ausbildet. Eckhard Meyer sagt: „Und auch beim Mühlenfest möchte ich die Gelegenheit nutzen, das alte Handwerk des Müllers vielen Interessierten näher zu bringen.“

Den Auftakt zum Bardowicker Mühlenfest am Montag, 9. Juni, macht um 10.30 Uhr Pastor Willi Mann mit einem speziellen Pfingstgottesdienst um 10.30 Uhr in der Lagerhalle der Mühle (Mühlenstraße 36/38). Ab 11 Uhr gibt es rund um den Gallerieholländer einen Mit-Mach-Zirkus, Ponyreiten und ein Karussell für Kinder sowie Mühlenführungen. Für das leibliche Wohl sorgen das Mühlen-Café und der Bardowicker Mühlenverein.

Oldtimer vor Artlenburger Mühle

Am Pfingstmontag öffnet auch die Artlenburger Mühle wieder ihre Tore. Fachgerechte Führungen von Müllermeister Brügmann sind ein Muss für alle, die sich für alte Technik interessieren. Zudem gibt es in der Mühle frisch gebackenen Kuchen und Kaffee mit Preisen wie zu D-Mark-Zeiten. Alle Einnahmen werden zu 100 Prozent zum Erhalt des Galerieholländers sowie für die Restaurierung des alten Mühlen-Lkw, Baujahr 1960, verwendet. Um die Mühle herum organisiert der Lüneburger Oldtimerclub sein jährliches Oldtimertreffen für alle Fahrzeuge bis Baujahr 1989. Ein großes Familienfest für Jung und Alt, die dort bestaunen können, wie einfach Technik früher funktioniert hat und auch heute noch funktioniert. Eine Alternative zu den Windmühlen ist die Wassermühle Heiligenthal: Die Anlage mit Turbine zur Stromerzeugung kann besichtigt werden, zudem gibt es Bewirtung und Live-Musik.