Aktuell
Home | Lokales | Bedingt einsatzbereit
Die Lüneburger Feuerwehr rückt aus zum Einsatz, sie ist schnell, aber die Acht-Minuten-Regel ist nicht in jedem Fall einzuhalten. Foto: t&w
Die Lüneburger Feuerwehr rückt aus zum Einsatz, sie ist schnell, aber die Acht-Minuten-Regel ist nicht in jedem Fall einzuhalten. Foto: t&w

Bedingt einsatzbereit

ca Lüneburg. Der Landesrechnungshof hat ein Problem entdeckt, das Feuerwehren seit langem umtreibt: Sie sind nur bedingt einsatzbereit. Die Hildesheimer Behörde hat sich 187 Ortswehren zwischen Elbe und Harz angeschaut und kommt zu dem Schluss, dass nur 21 von 187 mit ausreichender Stärke und Ausrüstung ausrücken können. Das bedeutet, binnen vier Minuten preschen die ersten Kräfte los, um in spätestens vier Minuten am Einsatzort zu sein. Der Vizepräsident des Rechnungshofes, Fritz Müller, wollte gestern nicht verraten, ob auch Brandbekämpfer aus Stadt und Kreis unter den Prüfungskandidaten waren. Vermutlich nicht, denn Kreisbrandmeister Torsten Hensel ist kein Fall aus der Region bekannt.

Doch natürlich haben auch die Helfer zwischen Amt Neuhaus und Amelinghausen es nicht leicht, immer und zu jeder Tageszeit genug Freiwillige auf die Beine zu bringen. „Wir haben darauf in der Vergangenheit reagiert und taktische Einheiten gebildet“, sagt Hensel. Schon seit Jahren rückt auf dem Land nicht nur eine Wehr aus, es werden Helfer aus mehreren Orten gerufen, um bei Bränden und Verkehrsunfällen anderen beizustehen: „Da kommen dann zwei, drei oder vier Ortswehren.“ Zumeist schaffe man die Ausrückzeit von acht Minuten.

Denn das Problem liegt auf der Hand: Auf den Dörfern gibt es wenig Arbeit, die Menschen müssen also beispielsweise nach Lüneburg oder Hamburg, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das heißt, tagsüber bekommen die Brandbekämpfer zu wenig Personal in die Stiefel. Mühe habe man, genug Männer und Frauen rauszuschicken, die Atemschutz tragen können. In manchen Wehren sei dazu nur noch jeder Dritte in der Lage schlecht, wenn es brennt und die Helfer in die Gebäude müssen.

Knappheit treffe nicht nur strukturschwache Gebiete wie das Amt Neuhaus, berichet Hensel. Auch in Schlaforten wie Vögelsen regiert der Mangel: „Da haben wir eine geringe Stärke.“ Mancher sei zugezogen, arbeite in der Metropole und engagiere sich daher nicht, mutmaßt Hensel über Ursachen. Durch Werbeaktionen versuchten die Brandbekämpfer gegenzusteuern: „Wir sprechen Leute in Neubaugebieten an.“ Der eine oder andere finde dann den Weg zu den großen roten Autos.

Auch Hensel weiß, es ist ein Ehrenamt, das es in sich hat: Trainingsabende am Gerät, dazu Übungen, Wochenend-Lehrgänge in der Zentrale in Scharnebeck. Wer in die Führungsebene möchte, der muss ab und an eine Woche investieren, um an der Landesfeuerwehrschule in Celle das nötige Know-how zu erwerben. Daher wolle man dem Nachwuchs entgegenkommen, wer aus der Jugendfeuerwehr zu den Aktiven wechsle, verfüge über Grundwissen und brauche bei manchen Dingen weniger Schulung.

Für Lüneburg sagt Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft, dass man für viele Einsätze gut gerüstet sei. Hauptamtliche Kräfte, die über den Tag verteilt in den Werkstätten arbeiten, säßen im Fall der Fälle in einer Achter-Besetzung schnell auf einem Fahrzeug. Gebe es Zugalarm, dann geht es um zwei Dutzend Helfer, könne man genügend Ehrenamtliche mobilisieren. Ob die allerdings in acht Minuten beispielsweise im Hafen ankommen, sei fraglich. Aber das hänge mit Weg und Verkehrsaufkommen zusammen. In den Abendstunden greift die Feuerwehr für den sogenannten ersten Angriff auf die Mitglieder zurück, die neben der Wache wohnen. Zusätzlich werden über Funkschleifen weitere Kräfte alarmiert. Je nach Ereignis kann das die gesamte Wehr sein.

Beim Landesrechnungshof sagt Vize-Chef Müller, seine Behörde wolle auf Herausforderungen aufmerksam machen, die der Feuerwehr aufgrund von Überalterung der Gesellschaft drohen: „Dafür wollen wir ein Bewusstsein schaffen und wachrütteln. Wir machen hier kein Ranking.“ Als er von den Verhältnissen in Stadt und Kreis hörte, sagte er gestern, offenbar habe man hier manche Schwierigkeit erkannt.