Dienstag , 27. September 2016
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Halt finden, war ein Thema beim Hospizprojekt. Dafür begannen die Igelschüler wie (v.r.) Leandra, Charlotte und Malte mit dem Züchten einer Bohnenpflanze. Foto: t&w
Halt finden, war ein Thema beim Hospizprojekt. Dafür begannen die Igelschüler wie (v.r.) Leandra, Charlotte und Malte mit dem Züchten einer Bohnenpflanze. Foto: t&w

Das umgetopfte Leben

mm Lüneburg. Charlotte, zehn Jahre alt, strohblondes Haar, strahlendes Gesicht, hält einen kleinen, runden Blumentopf in der Hand. Darin hat sie eine Bohne geplanzt. Vorher musste sie den Setzling, aus dem mal eine rankende Pflanze werden soll, noch umtopfen. „Die Pflanze soll einen neuen Halt bekommen“, erklärt Charlotte. Den braucht es manchmal auch im Leben. Denn nach Schicksalsschlägen wie dem Verlust eines geliebten Menschen kann mancher das Gefühl haben, ihm werde der Boden unter den Füßen weggezogen. Wie man mit Trauer, Tod und Krankheiten umgeht, das lernten Charlotte und ihre Mitschüler aus der Klasse 4a der Igelschule nun in einer besonderen Zusammenarbeit.

Die Schüler nahmen teil an „Hospiz macht Schule“, einem Projekt der Bundeshospizakademie, das erstmals in Lüneburg umgesetzt wurde. Begleiterinnnen vom „Freundeskreis Hospiz Lüneburg  Der ambulante Dienst“ kamen dazu für fünf Tage in die Grundschule an der Dahlenburger Landstraße.

„Kinder gehen anders mit dem Tod um als Erwachsene“, sagt Margot Eichenberg, sie ist eine der Ehrenamtlichen. Oft sei es auch eine Bürde für Eltern, ihren Kindern einen schmerzlichen Verlust zu vermitteln. Wie erklärt man schon, dass jemand plötzlich nicht mehr da ist und warum?

„Kinder haben Ängste, die können verstärkt werden, wenn sie mit dem Tod konfrontiert werden“, erklärt Eichenberg. Kinder müssten lernen, dass Tod etwas Endgültiges ist. Da zeigte ihnen der Film „Willi wills wissen  Wie ist das mit dem Tod?“  ein schwieriges Thema. Für ihre Aufgabe wurden die Begleiterinnen geschult, jeden Tag behandelten sie mit den Schülern andere Aspekte.

Es ging dabei auch um Krankheit und Leid. Dazu konnten die Viertklässler ihre Fragen an Dr. Dirk Onken senior stellen. „Kann man das Tourette-Syndrom heilen?“, wollte zum Beispiel Charlotte wissen. Dass das nicht geht, erklärte ihr der Mediziner so: „Es gibt Mittel, die können die Krankheit lindern. Das ist wie mit einer Brille, die muss man aufbehalten, sonst sieht man nichts mehr.“ Charlotte hatte einen Film gesehen, die Protagonistin litt unter der Krankheit. „Am Ende wusste ich aber nicht, ob das Mädchen geheilt wird“, erzählt sie.

Doch die Kinder stellten nicht nur Fragen, sie sollten auch selbst Antworten geben. Was könnte einem Schwerkranken gut tun, war eine Frage  „Zeit mit ihm verbingen“ die Antwort der Kinder. Während des Projektes beobachtete Begleiterin Margot Eichenberg eine Entwicklung bei den jungen Schülern: „Sie haben sich immer mehr getraut, ihre Gedanken zu äußern.“ Nun müssen sich nur noch ihre Bohnenpflanzen entfalten.