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Karina Vandersee-Müller (r.) und ihre Partnerin Laura begeistern die Zuschauer beim 19. Country-Fest in Radbruch mit ihren Stunts zu Pferde. Foto: t&w
Karina Vandersee-Müller (r.) und ihre Partnerin Laura begeistern die Zuschauer beim 19. Country-Fest in Radbruch mit ihren Stunts zu Pferde. Foto: t&w

Der Wilde Westen liegt in Radbruch

sel Radbruch. Im Wahnsinnstempo galoppiert Karina Vandersee-Müller auf ihrem Pferd an den Zuschauern vorbei. Nur wenige Zentimeter trennen die Reiterin vom Absperrband, hinter dem das Publikum unwillkürlich auf Abstand geht. „Yippieh“, ruft das Cowgirl der Menge zu, lässt sich fallen und hängt jetzt an der Innenflanke des Pferdes. Bei konstant rasantem Tempo. Viel Mut und Vertrauen gehören zu diesen spektakulären Übungen der „Comanches“, aber auch eine enorme Körperbeherrschung.

„Amerikanisches Trickreiten, das sind die Showeinlagen beim Rodeo. Das machen vorwiegend Frauen, die auch mal zeigen wollen, was sie können“, hatte die Stuntreiterin aus Meckenburg vor der Show beim 19. Countryfest in Radbruch erklärt. Und hinzugefügt: „Vielleicht treten Sie ein wenig zurück. Der Boden ist extrem trocken und rutschig.“

Tatsächlich werden die Pferde von Karina und Partnerin Laura weit aus den Kurven getragen, aber Anna Katharina, Sarah, Mia (alle 10) und Henriette (7) stört das nicht wirklich. Sie quietschen, wenn die Vierbeiner dicht an ihnen vorbeipeitschen, aber Angst haben sie nicht. „Wir reiten ja selbst“, erklären sie. „Und außerdem gucken wir uns die Show jedes Jahr an. Das ist toll“, erzählt das muntere Quartett begeistert.

Viele kleine und große Besucher gehören seit Jahren zum „Stammpublikum“ der Radbrucher Pfingstsause, die Hans-Jürgen Hinrichsen und sein Team vom Country-Club Wild West seit 1996 organisieren. Auch beim Goldsieben treffen sich mit Fenja (9), Joëlle (9), Luis (6), Marei (5), Lara (8) und Elisa (9) „erfahrene Schürfer“. Viele der Kinder kommen jedes Jahr, freuen sich aufs Pony-reiten der Barförder Ponyranch Elbstrand, auf das Bungee-Trampolin und die spektakulären Showeinlagen.

Währenddessen lassen sich die erwachsenen Gäste nicht lange zum Line-Dance bitten. Die Schrittfolgen sind relativ einfach auch Neueinsteiger können sich schnell in die „Line“ hineintanzen. Auf der Bühne sind Bands, die bereits seit langem nach Radbruch zum Countryfest kommen wie Die Melker, Die Riverside Gang, Reunion, The International Line oder die Trashvillians, die am Sonntagnachmittag die musikalische Regie übernahmen und am Abend von Open Road abgelöst wurden.

Zwischendurch schickten die Verantwortlichen immer wieder skeptische Blicke gen Himmel, der sich mitunter mit Gewitterwolken verdunkelte. Das Wetter, vor allem die Schwüle, hatte weniger Zuschauer als sonst zum Fest kommen lassen. „Aber das macht nichts. Die Stimmung ist trotzdem super“, bilanzierte Susanne Sinn vom Country-Club Wild West. Am Sonnabend konnten bereits 120 Oldtimer-Trecker bestaunt werden.

Traditionell tummeln sich viele Hingucker im Publikum, bärtige Männer in schwarzem Leder, herausgeputzte Damen in ihrem Sonntagsstaat. Ins Auge fielen vor allem Sigrid Hammann und Peter Mildner in ihrer selbst geschneiderten „old style“-Kleidung, die man in den USA in der Mitte des 19. Jahrhunderts trug, wenn es etwas zu feiern gab. Das Paar kommt schon lange nach Radbruch, meist mit einem ganzen Pulk Gleichgesinnter und ähnlich Gekleideter, „aber denen ist es heute zu heiß“, verrieten sie und zogen langsam weiter.