Mittwoch , 28. September 2016
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Bewegung im Untergrund

ca Lüneburg. Die Senkungen an der Frommestraße stellen die Abwassergesellschaft AGL vor Herausforderungen, irgendwann könnten Leitungen brechen oder, und das ist langfristig das größere Problem, das Gefälle verschwindet. Dann kann das Wasser nicht mehr in Richtung Ilmenau und Kläranlage fließen. Also überlegen AGL-Chef Lars Strehse und sein Kollege Klaus Niemann, er ist für die Kanalisation verantwortlich, wie sie reagieren. Denkbar sind mehrere Varianten, zwei davon: Die Abwasserleitungen werden verlegt, oder Fachleute setzen Pumpen in die Erde, die Regen- und Schmutzwasser abführen. Möglicherweise müsste dann ein Becken in die Erde gesetzt werden, um nach starkem Regen Wassermassen aufnehmen zu können, die Pumpen könnten überfordert seien.

Alles Zukunftsmusik. Doch es geht nicht nur um die Frommestraße, in der Tiefe liegen zwei 90-Zentimeter-Hauptleitungen für Misch- und Regenwasser. Sie nehmen das Wasser auf aus den Vierteln, die nach Reppenstedt hin liegen. Zwar ist noch nicht klar, wie die Fachleute die Schwierigkeiten meistern wollen. Doch das AGL-Duo plant den großen Wurf: Erst wollen beide eine Machbarkeitsstudie aufgelegen, dann soll der „Generalentwässerungsplan“ überarbeitet werden. Er stammt von Beginn der 80er-Jahre. Seitdem habe sich einiges verändert, sagt Strehse. So werde heute viel stärker darauf geachtet, dass Regenwasser versickert, auch habe die Schmutzwassermenge abgenommen der Spartaste auf dem Klo und Öko-Waschmaschinen sei Dank. Daher sind die Rohre ausreichend dimensioniert, Abwasserrohre sind mangels Masse eher zu dick.

Es geht dann darum, anhand von Plänen und tatsächlicher Bebauung sowie möglichen weiteren Baugebieten oder Betrieben zu prognostizieren, wie sich Abwassermengen entwickeln. Diese Vorhersagen sollen für das Stadtgebiet getroffen werden, um Lösungen zu finden, die über die nächsten Jahre praktikabel sind.

Die Senkungsschäden an der Frommestraße sind zumindest in der Tiefe geringer ausgefallen, als befürchtet. Bislang gibt es nur relativ geringe Versackungen, sogenannte Unterbögen. Darin steht Abwasser und seine Fracht. Doch bislang konnten die AGL-Techniker diese „Verstopfungen“ lösen, zum Beispiel durch Spülungen. Es könne sei, dass kleine Eingriffe nötig sind, wenn kurzfristig Schäden auftauchen, sagt Niemann. Um die zu bemerken, lassen die Fachleute alle halbe Jahr Kameras in die Schächte hinab: „Bislang haben wir an dieser Stelle Glück.“

Klar sei, in den „nächsten ein, zwei Jahren müssen wir handeln“. Das kann einen großen Batzen an Kosten bedeuten, doch wie dick der sein könnte, ist unklar. Das gilt auch für die Frage, ob in der Folge die Abwassergebühren steigen. Strehse lobt die Vorgänger Günther Hauschildt und Joachim Hackradt. Die beiden ehemaligen AGL-Geschäftsführer hätten darauf geachtet, das Abwassersystem immer zu pflegen. Die Weitsicht zahle sich aus. Stünden jetzt größere Investionen an, könnten die, wenn es gut läuft, aus dem regulären Etat bestritten werden.