Mittwoch , 28. September 2016
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Landwirt Volker Kruse lässt für seinen Milchviehbetrieb im Radbrucher Ortsteil Rottorf eine sogenannte Kleinst-Biogasanlage mit 75kW elektrischer Leistung errichten. Die Behälter sind allerdings genauso groß wie bei einer 500 kW-Anlage. Foto: dth
Landwirt Volker Kruse lässt für seinen Milchviehbetrieb im Radbrucher Ortsteil Rottorf eine sogenannte Kleinst-Biogasanlage mit 75kW elektrischer Leistung errichten. Die Behälter sind allerdings genauso groß wie bei einer 500 kW-Anlage. Foto: dth

Kleinst-Biogasanlage in Radbruch im Bau

dth Radbruch. Für Volker Kruse ist jetzt Halbzeit beim Bau seiner besonderen Biogas-Anlage, die mal als erste Kleinst-Biogasanlage im Landkreis Lüneburg geplant war. Auseinandersetzungen mit Nachbarn, die zusätzliche Lärm- und Geruchsbelastungen fürchteten, zögerten aber die Planungen hinaus, andere Landwirte überholten ihn. Trotz des Ärgers hielt der 45-jährige Radbrucher an dem Projekt fest. Auch weil der Bau der Biogasanlage einst eine Auflage des Landkreises Lüneburg war im Zusammenhang mit der damaligen Genehmigung seines großen Kuhstalls. In der Anlage soll und will Kruse die auf dem Hof anfallende Gülle sowie Mist weiter verwerten. Vor rund drei Wochen war Baustart, im Juli soll die Kleinst-Biogasanlage bereits in Betrieb gehen.

Das „Kleinst“ bezieht sich übrigens nicht auf die Größe der betonierten Behälter der Biogas-Anlage, sondern auf die elektrische Leistung des noch zu errichtenden Blockheizkraftwerkes: 75 Kilowatt. Kruse: „Die Behälter sind aber ähnlich groß wie bei einer 500-kW-Anlage.“

Der Fermenter, mit einem Fassungsvermögen von 1900 Kubikmetern, hat einen Durchmesser von 19 Metern. Das Endlager ist für 5500 Kubikmeter ausgelegt und misst 33 Meter im Durchmesser. Dafür fällt die Anlage mit einem Investitionsvolumen von rund einer dreiviertel Million wesentlich günstiger aus. Kruse: „Das ist auch eher eine ideologische Anlage als eine Gelddruckmaschine.“ Die Biogas-Anlage soll laut Kruse zu 100 Prozent aus Gülle und Mist des eigenen Milchviehbetriebs gespeist werden. Fast stolz verweist er da-rauf, dass kein Mais eingesetzt werden soll.

Zuletzt berichtete die LZ 2012 über Kruses Pläne, als er seine von 480 auf 75 Kilowatt abgespeckte Anlagen-Variante dem Bauausschuss der Gemeinde Radbruch vorstellte. Dass manche Nachbarn ohnehin ein Problem mit dem Milchviehbetrieb in der Radbrucher Straße Am Hausbach haben, wurde schon damals deutlich. Um auf die Nachbarn weiter einzugehen, hat Kruse mit Unterstützung der Gemeinde eine separate Hofzufahrt eingerichtet auf der von der Wohnstraße abgewandten Seite, um den Lärm des Lieferverkehrs zu reduzieren. Und er plant nach eigenen Angaben weitere Maßnahmen. So soll der zur Wohnstraße hin offene Kuhstall mit Lichtplatten verblendet werden damit die Nachbarn mehr Ruhe haben, die Kühe, mit Nachwuchs rund 560 an der Zahl, aber nicht im Dunkeln stehen müssen.

Außerdem soll der Havariewall nicht nur drei Meter statt dreißig Zentimeter in der Höhe messen, sondern soll nun auch mit rund 120 Metern fast doppelt so lang werden wie ursprünglich geplant.

Nach verschiedenen Einsprüchen von Anwohnern gegen die Anlage laufe derzeit noch die Klage eines Nachbarn gegen die Baugenehmigung durch den Landkreis vom August 2013. Kruse: „Das Risiko gehe ich aber ein.“ Der im Blockheizkraftwerk produzierte Strom soll vor Ort ins Netz eingespeist werden. Möglichst noch vor dem 1. August, sagt Kruse, solange noch die Einspeisevergütung aus dem Erneuerbare Energiengesetz (EEG) 2012 gilt, mit 24 Cent pro Kilowattstunde abzüglich Wartungskosten, Abschreibungen und Unterhaltungskosten für die große Kleinst-Biogasanlage.

One comment

  1. Es wäre durchaus wünschenswert gewesen, wenn sie die „bösen“ Nachbarn auch zu diesem Projekt befragt hätten, bevor sie diese so abwertend aufführen. Wie würde es ihnen, liebe Leser, gefallen, nur ca 10 Meter vor der eigenen Terrasse einen offenen Kälberstall (die Anzahl der Tiere entnehmen Sie bitte dem Bericht) mit allen Gerüchen und Geräuschen rund um die Uhr zu haben? Und eine zunächst vorhandene Zufahrt zur Biogasanlage nur 5 Meter davon entfernt, auf der mitnichten nur der Produzent seine Abfälle mit Großfahrzeugen anfahren und verwerten wollte? Ich würde mir dringend einen weiteren Bericht aus Sicht der Anlieger erbitten, wenn schon so berichtet wird.
    Hinweis: ich bin kein Anlieger, kenne als regelmäßiger Besucher des Ortsteils von RADBRUCH in der ROTTORFER Straße aber die Problematik vor Ort aus regelmäßiger eigener Anschauung und “ Geruchs- und Hörprobe“. Die Grundstücke der Nachbarn werden dadurch geradezu wertlos und unverkäuflich. Andernorts hätte es eine Biogasanlage so nah an weiterer Wohnbebauung nicht gegeben!