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Das dritte Gleis, wie hier bei Radbruch, soll demnächst offiziell in Betrieb gehen. Als Alternative zur Y-Trasse ist auch ein viergleisiger Ausbau geprüft worden. Foto: dth
Das dritte Gleis, wie hier bei Radbruch, soll demnächst offiziell in Betrieb gehen. Als Alternative zur Y-Trasse ist auch ein viergleisiger Ausbau geprüft worden. Foto: dth

Was kommt nach Gleis drei?

dth Brackel/Lüneburg. Das alte Schreckgespenst kehrt in neuem Gewand wieder. Zu Tausenden waren die Heidjer Ende der 1990er-Jahre auf die Straße gegangen, um sich gegen die Y-Trasse zu wehren, einer geplanten ICE-Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke quer durch die Lüneburger Heide, deren Verlauf einem Y ähnelt. Zwischenzeitlich war es ruhiger um das umstrittene Bahnprojekt geworden. Es wurde sogar eine damalige Forderung der Y-Trassen-Gegner erfüllt: Der Bau des dritten Gleises zwischen Stelle und Lüneburg. Doch jetzt rührt die Deutsche Bahn (DB) wieder zunehmend die Werbetrommel für die Y-Trasse diesmal zur Bewältigung des Güterverkehrs aus dem Hamburger Hafen, aber auch aus Bremen.

Aus Sicht der Bahner soll das Milliarden-Projekt unbedingt den Weg in den neuen Bundesverkehrswegeplan 2015 finden. Dabei hat der Konzern aus dem Widerstand vergangener Jahre gelernt, wirbt in der Region um Akzeptanz. Und stellt dabei verschiedene Alternativ-Varianten zur Diskussion. Bei einem Pressegespräch im Vorfeld einer Infoveranstaltung in Brackel (Landkreis Harburg) wurde am Dienstagabend deutlich, welche Variante eher Makulatur sein dürfte und welche Ausbaupläne die Bahn noch im Köcher hat.

Festhalle Brackel, die rund 80 Plätze in den Zuhörerreihen sind noch leer. Später nehmen dort rund 60 Mandatsträger aus Kommunen, Städten und vom Landkreis Platz. Simone Ilgner, Leiterin Koordination und Steuerung Großprojekte im Regionalbereich Nord bei „DB Netze“, wird den Kommunalpolitikern die Y-Trasse und ihre Alternativen vorstellen. Sie war schon in den Kreisen Celle, Heidekreis und Uelzen, ist jetzt in Harburg und demnächst in Lüneburg, um den Kommunalpolitikern zu erklären, warum die Y-Trasse „unverzichtbar“ ist.

„Wir haben zunächst eine Informationsphase. Dann wird es eine Dialogphase, organisiert vom Land, geben, damit der Bund spätestens im Herbst 2015 weiß, wie er mit der Y-Trasse und den Alternativen umgehen soll“, erklärt sie vorher im Pressegespräch. Michael Baufeld, DB-Sprecher Großprojekte, sagt: „Wir werden nicht die Variante finden, bei der alle sagen werden: Das ist die Trasse, die wir uns immer gewünscht haben.“ Aber das Verfahren soll transparent sein, der Dialog Einfluss auf die Entscheidung haben.

Die Machbarkeitsstudie für die Varianten liegt bereits seit November 2013 vor, im Februar ging die Bahn damit an die Öffentlichkeit. Für Aufsehen sorgte auch die Variante „Ausbau der Bestandsstrecken“ von Maschen über Lüneburg und Uelzen bis Celle. Das hieße nach dem Bau des dritten Gleises in den vergangenen Jahren zwischen Stelle und Lüneburg jetzt über ein viertes Gleis nachzudenken. Eine Variante, die die DB vor allem auf Wunsch des Bundes in die Untersuchung mit aufgenommen habe, so Baufeld.

Zwar betonten Ilgner und Baufeld immer wieder, dass die DB unter den Varianten keinen Favoriten habe. Doch andererseits betonten sie besonders die Nachteile eines Ausbaus der Bestandsstrecke. Ilgner auf LZ-Nachfrage: „Mit einem vierten Gleis müsste ein Teil der Autobahn 39 zwischen Lüneburg und Bardowick verlegt werden.“ Denn ein potenzielles viertes Gleis würde wohl an der Bahnstrecke von Lüneburg in Fahrtrichtung Hamburg auf der rechten Seite verlegt werden müssen, heißt es. Zudem wären zum Umbau der Oberleitungen umfangreiche Sperrungen auch des Lüneburger Bahnhofes notwendig. Und alle Umleitungsstrecken müssten baufrei gehalten werden. Baufeld: „Auch das ist sehr, sehr schwierig.“ Bei einer der Varianten mit Neubaustrecken gebe es diese Schwierigkeiten nicht …

Ein Y plus fünf

Das ursprüngliche Y: Nach Zehntausenden Einwendungen wurde 2000/2001 das Raumordnungsverfahren für die Y-Trasse abgeschlossen. Die Neubaustrecke verliefe demnach von Lauenbrück im Norden über Visselhövede bis Isernhagen im Süden mit dem Ausbau der bestehenden Strecke von Visselhövede in Richtung Westen nach Langwedel. Geschätzte Kosten; 2,7 Milliarden Euro.

Variante Schienengüterverkehrs-Y: zweigleisige Neubaustrecke von Maschen bis Soltau mit Umfahrung Soltaus und von dort bis Celle sowie Ausbau der Strecke Soltau-Langwedel (2,5 Mrd. Euro).

Variante Ausbau Bestand: Ausbau der Strecken Celle-Uelzen von zwei auf drei Gleise, Uelzen-Lüneburg von zwei auf vier und Lüneburg-Ashausen von drei auf vier Gleise (2,5 Mrd. Euro).

Variante reduzierter Ausbau Bestand: Ausbau vor allem auf den Abschnitten Uelzen-Lüneburg und Lüneburg-Uelzen (Voraussetzung: Ausbau der Strecke über Uelzen-Stendal, um den sogenannten Ost-Korridor zu erreichen; 1,4 Mrd. Euro).

Variante Ashausen-Unterlüß: Neubaustrecke vermutlich auch durch die Samtgemeinde Amelinghausen, zudem Anschluss an Uelzen zur Anbindung an „Amerikalinie“ (2 Mrd. Euro).

Variante Ashausen-Suderburg: ähnlich der vorherigen Variante, mögliche Anbindung an Amerikalinie.

Zusatzoption Ausbaustrecke Langwedel-Uelzen: Der Ausbau der sogenannten Amerikalinie könnte nach dem Baukastenprinzip zusätzlich zu anderen Varianten vorgenommen werden, um weiteren Güterverkehr aus Bremen aufzunehmen (1,4 Mrd. Euro).