Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Rechts: Die Bauherren und Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring schauen sich die Brückenreste an der Altenbrückertorstraße an.
Links: Eine alte Karte zeigt unten den alten Verlauf des Lösegrabens, darüber den alten Stadtgraben. Foto: ca
Rechts: Die Bauherren und Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring schauen sich die Brückenreste an der Altenbrückertorstraße an. Links: Eine alte Karte zeigt unten den alten Verlauf des Lösegrabens, darüber den alten Stadtgraben. Foto: ca

Brücke statt Blindgänger

ca Lüneburg. Es muss nicht immer eine explosive Hinterlassenschaft sein, die Fachleute im Boden finden, wenn sie ein Areal nach Blindgängern absuchen. An der Altenbrückertorstraße entdeckten die Fachleute ein Stück Stadtgeschichte: Überreste einer Brücke. Ziegel, Felssteine und Holzpflöcke sind Zeugen einer Zeit, die wir heute nicht mehr sehen und uns schwer vorstellen können. Denn bis ins 19. Jahrhundert nahmen Wasserläufe andere Wege als die, die wir kennen. Auch der Lösegraben.

Der verlief in etwa dort, wo sich nun ein Gutteil des Bahndamms zwischen Bahnhof und Kloster Lüne entlang zieht. Was wir als Lösegraben kennen, ist der alte Stadtgraben, ein Teil der Befestigung. Er wurde später mit einem Wehr versehen und genutzt, um Hochwassern die Gefahr zu nehmen, von denen Lüneburg gebeutelt worden war. Als sich 1841 an der Il­menaubrücke Eisschollen verkanteten, staute sich das Wasser zurück und überschwemmte das Gebiet zwischen Ilmenau und Papenstraße.

Der alte Lösegraben ging parallel zum Stadtgraben. Und so gab es in Höhe des Altenbrückerdamms eine Brücke über den Wasserlauf. Deren Fundamente schaute sich Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring gestern gemeinsam mit Manfred Schulte und Günter Quardon an. Die Bauherren errichten an der Ecke zwei Neubauten, einer ist bereits fertig, für den anderen muss der Untergrund untersucht werden.

Ring hat in den Aufzeichnungen des Stadtchronisten Volger für das Jahr 1867 einen Passus zu der Querung gefunden: „Im Herbste wurde die Lösegrabenbrücke vor dem Altenbrücker Tore so verbreitert, daß an beiden Seiten ein Fußweg mit Sandsteinplatten belegt werden konnte.“

In Folge des Baus der Eisenbahnlinie Dömitz  Lüneburg  Buchholz 1872 musste die Brücke wieder abgerissen werden. Denn in diesem Jahr wurde der Graben verfüllt, um den Schienen einen Weg zu geben.

Erstaunt waren die Bauexperten und Ring, wie gut die Fundamente und Hölzer im Boden erhalten sind. Das liege auch daran, dass die Vorfahren den Bau gut mit Lehm abgedeckt hatten: „Ein Schutz, da ist alles knochentrocken.“

Auswirkungen auf den Bau habe der Fund nicht, sagte Bauherr Manfred Schulte, da erst Vorbereitungen für das Projekt laufen.