Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Gastronomen schlagen Alarm
Auch der der Schafstall Südergellersen am Hambörn ist im Schwarzbuch des Dehoga aufgeführt  zu Unrecht, wie Bürgermeister Andreas Bahlburg findet. Foto: t&w
Auch der der Schafstall Südergellersen am Hambörn ist im Schwarzbuch des Dehoga aufgeführt  zu Unrecht, wie Bürgermeister Andreas Bahlburg findet. Foto: t&w

Gastronomen schlagen Alarm

pet Lüneburg. Was haben das Vereinsheim des SC Blau-Weiß Papenburg, das Feuerwehrhaus Munster, das Heimathaus Brögbern in Lingen, die Westendorfer Partydiele und verschiedene Schafställe in Südergellersen gemeinsam? Ganz einfach: Sie alle und fast 200 weitere Lokalitäten im Land sind im ,,Schwarzbuch gastronomischer Veranstaltungen“ aufgeführt, das der Landesverband Niedersachsen im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) jetzt vorgelegt hat. Die Aufforderung an die Politik: ,,Für Fairness zu sorgen zwischen gewerblichen Gastronomen, die sich an zahlreiche gesetzliche Vorgaben halten müssen und Spontan- und Gelegenheitsgastronomen, die dies häufig nicht tun“.

Im Schwarzbuch aufgeführt sind aus dem Landkreis Lüneburg auch Lokalitäten aus der Samtgemeinde Gellersen: das Sportlerheim des TSV Gellersen, die Aula der Grundschule Kirchgellersen, der Saal der Kirchengemeinde sowie Schafställe in Südergellersen. Allgemein sind auch ,,Feuerwehrhäuser in und um Lüneburg“ aufgeführt, wo ,,nicht nur Schulungen, sondern auch viele andere Feierlichkeiten“ stattfinden.

Private Veranstaltungen, die aber auch von der Öffentlichkeit besucht werden, plagen die Verantwortlichen der Dehoga und viele Gastronomen. Niedersachsens Dehoga-Präsident Hermann Kröger erklärt: ,,Weder die Politik noch die Bevölkerung machen sich Gedanken darüber, wie viele dieser Veranstaltungen es tatsächlich gibt und wie sie sich gegenseitig Konkurrenz machen  und dabei das berufsmäßig betriebene Gastgewerbe kontinuierlich in Existenznot bringen“.

Kröger weiter: ,,Wir wollen erreichen, dass die berufsmäßig betriebene Gastronomie einerseits und die Spontan- und Gelegenheitsgastronomie andererseits mit genau denselben Maßstäben bewertet werden. In der Praxis, so Kröger, bedeute das, dass die gastronomischen Aktivitäten ,,auf öffentlich zugänglichen Veranstaltungen wie zum Beispiel einem Osterfeuer oder den Fußball-WM-Übertragungen im Vereinsstadion oder auch Scheunen-Partys den gleichen Auflagen und Kontrollen unterliegen müssen, wie in der berufsmäßigen Gastronomie“.

Das sieht auch Martin Zackariat so, Vorsitzender des Kreisverbands Lüneburg im Dehoga. Was die Gastronomen störe, sei, dass viele Kosten und Vorschriften, die sie haben und an die sie sich halten müssen, die ,,Graugastronomie“ eben nicht betreffen. Hygienevorschriften, Personalkosten und Sozialabgaben oder auch die Unterhaltungskosten für Gebäude. Profi-Gastronomen müssten das und vieles mehr selbst tragen und erwirtschaften. In der Graugastronomie sei das anders  Beispiel: Bei Dorfgemeinschaftshäusern, die für private Feiern angemietet werden, sorge irgendwann die Gemeinde für nötige Instandhaltungs- oder Modernisierungsmaßnahmen. Das sei eine ,,Quersubventionierung“, so Zackariat.

Die aus dem Bereich der Samtgemeinde Gellersen genannten Lokalitäten liegen in unterschiedlicher Verantwortung: Gemeinden, Vereine, Kirche und Samtgemeinde sind zuständig. Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers geht davon aus, dass die Vergabe bei privaten Veranstaltungen ,,eher restriktiv gehandhabt“ wird. ,,Natürlich bedaure ich auch den Rückgang der Gastronomie in den Gemeinden. Davon sind auch wir betroffen.“ Allerdings, so Röttgers, sehe er dafür nicht nur die Graugastronomie als Ursache. ,,Das hat auch andere Gründe, etwa Schwierigkeiten beim Übergang auf die nächste Generation, Investionsrückstände beim baulichen Zustand und der energetischen Sanierung und natürlich auch hohe Betriebskosten.“

Der Südergellerser Schafstall Am Hambörn wird von der Gemeinde über einen Pächter vermietet. Bürgermeister An-dreas Bahlburg betont, dass der Schafstall nicht für kommerzielle Veranstaltungen abgegeben werde. Vermietet werde meist an Schulklassen für deren Feiern, für Betriebsausflüge, Kindergeburtstage oder auch als Ziel für Fahrradtouren.“

Martin Zackariat weiß, dass er und seine Kollegen gegen den großen Anteil der Graugastronomie nur wenig ausrichten können: ,,Die Graugastronomie ist Thema, seit es Gastronomie gibt. Wir wollten das Thema einmal wieder anstoßen. Natürlich wissen wir, dass wir da wenig machen können.“ Das Schwarzbuch, so Zackariat, sei auch eine ,,Verzweiflungstat.“