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Helene Brunhöber trainiert auf dem Gehpark mit Unterstützung von Ergotherapeutin Ilka Meyer und Karin Lindemann, Leiterin Physiotherapie im Lüneburger Klinikum. Foto: t&w
Helene Brunhöber trainiert auf dem Gehpark mit Unterstützung von Ergotherapeutin Ilka Meyer und Karin Lindemann, Leiterin Physiotherapie im Lüneburger Klinikum. Foto: t&w

So bleiben alte Patienten mobil

as Lüneburg. Langsam geht Helene Brunhöber auf einen Rollator gestützt über einen Gehpark mit unterschiedlicher Pflasterung. Bei einem leichten Anstieg tut sich die 89-jährige Patientin schwer. Karin Lindemann, Leiterin der Physiotherapie im Lüneburger Klinikum, rät zu einer kurzen Pause und macht mit Helene Brunhöber eine Atemübung. Dann setzt die Patientin, die vor zehn Tagen mit einem Beckenbruch ins Klinikum kam, ihren Weg fort und trainiert das Gehen. Der Parcours gehört unter anderem zum Konzept der neuen Station für Geriatrie am Klinikum Lüneburg, die jetzt offiziell eingeweiht wurde. Ältere Patienten sollen hier durch eine geriatrische Frührehabilitation wieder so mobil gemacht werden, dass sie nach dem Krankenhausaufenthalt in ein möglichst selbstständiges Leben zurückkehren können.

Das Angebot richtet sich an Patienten ab 70 Jahren, die an mehreren Begleiterkrankungen leiden und verschiedene Medikamente nehmen müssen, sowie an alle Patienten ab 80, bei denen eine Selbstständigkeit bis zum Klinikaufenthalt vorhanden war. ,,Wenn diese zu einer Akutbehandlung zum Beispiel nach einem Sturz mit Knochenbruch ins Klinikum kommen, können die Operation und Narkose belastend sein“, erläutert Prof. Dr. Christian Maaser, Chefarzt der neuen Klinik für Geriatrie. Die Folge kann ein Mobilitätsverlust sein, in der Vergangenheit bedeutete das oft den anschließenden Umzug in ein Pflegeheim. Um dies zu verhindern, werden Patienten möglichst schnell auf die geriatrische Station verlegt. Prof. Dr. Maaser: ,,Hier werden sie von einem interdisziplinären Team aus speziell ausgebildeten Ärzten, Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Neuropsychologen und Ernährungsberatern betreut.“

Bevor Helene Brunhöber auf die neue Station verlegt wurde, konnte sie nicht das Bett verlassen. Um sie schnell wieder auf die Beine zu bringen, setzte eine aktivierende Pflege an. Silke Meyer, Stationsleitung, erläutert: ,,Die Patientin lernte, sich alleine zu waschen und anzuziehen.“ Außerdem werde versucht, zu mobilisieren. ,,Das heißt, dass der Patient das Essen nicht im Bett einnimmt, sondern angezogen am Tisch sitzt.“ Für eine angenehme Atmosphäre sorgen die neu gestalteten Zweibettzimmer mit Essecke, die genug Raum bieten, um sich mit Rollator zu bewegen. Die Badezimmer sind barrierefrei und geräumig, damit Pflegekräfte unterstützend helfen können.

Um Folgeerkrankungen wie Lungenentzündungen zu vermeiden und den Kreislauf zu stabilisieren, setzt die Physiotherapie gleich nach der Operation mit Atemtherapie und Kreislauftraining ein. Außerdem stehen zum Beispiel Übungen zur Kräftigung der Beine und des Beckenbereichs an. Ziel sei es, den Patienten Schritt für Schritt wieder zu aktivieren und fit zu machen, so Karin Lindemann. Dabei lernt der Patient auch, sicher Hilfsmittel wie Gehstützen oder ­Rollator einzusetzen. ,,Im Rahmen einer Gruppentherapie wird Musik und Gesang angeboten, um da­rüber die Teilnehmer in Kontakt zu bringen.“

Ein weiterer Part der geriatrischen Frührehabilitation ist die Ergotherapie. ,,Zu Beginn wird ermittelt, wie es mit der Mobilität des Patienten steht und was getan werden kann, damit er im Alltag wieder gut zurecht kommt“, sagt Ilka Meyer. Dazu gehört neben dem Training im Gehpark auch, Fähigkeiten zu schulen, um sich wieder selbst zu versorgen oder bestimmte Arbeiten zum Beispiel im Garten machen zu können. Auf der Station gibt es unter anderem eine Küche zum Üben alltäglicher Haushaltstätigkeiten.

Der Aufenthalt auf der Station dauert laut Prof. Dr. Maaser 14 bis 21 Tage, in denen der Patient auf die Rückkehr ins vertraute Zuhause vorbereitet wird. ,,Sollte das nicht unmittelbar möglich sein, hilft der Sozialdienst in unserem Haus bei der Vermittlung in eine geeignete Reha-Einrichtung.“ Die Akzeptanz des Angebots sei bereits sehr hoch, so der Chefarzt, langfristig müsse eventuell überlegt werden, ob weitere Betten dazu kommen könnten. Für den Ausbau und die Neugestaltung der Station hat das Klinikum 500000 Euro investiert.