Mittwoch , 28. September 2016
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Wer Kunst schaffen will, darf nicht zimperlich sein: Mit der Kettensäge hat Andrea Erdmann aus einem Pappelstamm die gut zweieinhalb Tonnen schwere Forelle gefertigt. Vereinskamerad Botho v. Ziegner ist von der Vielseitigkeit der zweiten Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins begeistert. Foto: kre
Wer Kunst schaffen will, darf nicht zimperlich sein: Mit der Kettensäge hat Andrea Erdmann aus einem Pappelstamm die gut zweieinhalb Tonnen schwere Forelle gefertigt. Vereinskamerad Botho v. Ziegner ist von der Vielseitigkeit der zweiten Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins begeistert. Foto: kre

Eine Pappel wird zur Forelle

kre Mechtersen/Reinstorf. Was kann man alles aus einer gefällten Pappel machen? Zum Beispiel ganz profan Brennholz. Oder Streichhölzer. Auch für Musikinstrumente oder Dachschindeln soll sich Pappelholz bestens eignen. Andrea Erdmann aber hatte mit einem Pappelstamm noch Besseres vor und hauchte dem gefällten Wald­riesen ein neues ein künstlerisches Leben ein. Sie ließ die Pappel zu einer mächtigen, hölzernen Forelle mutieren, die nun der Blickfang auf dem Turniergelände des Reit- und Fahrvereins (RFV) Vögelsen-Mechtersen ist.

Andrea Erdmann ist die zweite Vorsitzende des RFV. Pferde sind ihre Leidenschaft, die Kunst ihr Hobby. Das Gestalten hat der 55-jährigen Reins­torferin schon immer Spaß gemacht. ,,Zuerst mit Marzipan in der Konditorei meiner Eltern“, berichtet die Pferdezüchterin lachend wohlwissend, dass ihre Sachertorten im Freundes- und Reiterkreis noch immer einen erstklassigen Ruf besitzen. Auch wenn sie die Konditorei längst verkauft hat. Dem Marzipan folgten Ton-Arbeiten und von da an war es nur noch ein kleiner Schritt bis zur Schnitzkunst. Wobei Schnitzkunst etwas verniedlichend klingt. Denn die Arbeitsgeräte der vielseitig begabten Reinstorferin sind Motorsägen: Echte Männergeräte schwer, laut, leistungsstark. Und in ungeübten Händen alles andere als ungefährlich. Doch die Reinstorferin hantiert so geschickt mit der Motorsäge, als habe sie nie etwas anderes gemacht. Dabei wurde ihre Lust aufs Schnitzen vergleichsweise spät geweckt bei einem Besuch bei Freunden in Österreich. Als sie kurze Zeit später dann auch noch in Kentucky/USA als Zuschauerin eine Reiter-Weltmeisterschaft besuchte und feststellte, dass dort die meisten der Hindernisse ganz rustikal nur mit der Motorsäge bearbeitet werden, war ihr endgültig klar: ,,Das will ich auch machen!“ Zurück in Deutschland hat sich Andrea Erdmann dann gleich für einen Kursus angemeldet. Der große Unterschied zwischen Schnitzen und Modellieren ist: Beim Modellieren mit Ton baut man auf, beim Schnitzen nimmt man weg“, bringt es die 55-Jährige auf den Punkt. Und was einmal weggesägt worden ist, ist weg. ,,Dann muss man sich halt etwas einfallen lassen“, sagt die zweite Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins lachend ,,im schlimmsten Fall wird das Modell eben kleiner.“

Wichtig sei der dreidimensionale Blick. Der Künstler müsse schon beim Anblick des Werkstücks erkennen, was er daraus machen will. Für Nicht-Schnitzer war die Pappel wohl nur ein großer, dicker Stamm. Andrea Erdmann aber hat gleich erkannt, dass vor ihr die „Forelle“ liegt. Sie sagt es frei nach Michelangelo: ,,Das ist einfach. Man muss nur alles wegschneiden, was kein Fisch ist…“

50 bis 60 Stunden habe sie an dem Stamm gearbeitet, Stück für Stück aus dem Holz die Forelle geformt. Weitere zehn Stunden benötigte die Künstlerin dann, um das Kunstwerk anzumalen mit Acryllack. Dass die gut zweieinhalb Tonnen wiegende Skulptur von vorne ein bisschen an ein Walfischmaul erinnert, nimmt die Reinstorferin gelassen hin: „Das habe ich ganz bewusst so gemacht. Ich finde, so schaut sie freundlicher aus.“

Der Riesenfisch ist aber nicht das erste und einzige Kunstwerk von Andrea Erdmann auf dem Turnierplatz: Einige Meter von der Forelle entfernt ruhen auch einige überdimensionale Eicheln. Geschnitzt natürlich mit der Kettensäge. Doch längst hat die Pferdeliebhaberin eine neue künstlerische Herausforderung gefunden: „Ich probiere mich gerade in der Steinbildhauerei“, sagt sie. Ganz klassisch, mit Hammer und Meißel. Wer Andrea Erdmann kennt weiß: Auch diese Arbeiten werden ihr gelingen …