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Da war auch der Weg kein Hindernis: Die Brühe floss vom Maisfeld hinunter in ein angrenzendes Waldstück. Foto: nh
Da war auch der Weg kein Hindernis: Die Brühe floss vom Maisfeld hinunter in ein angrenzendes Waldstück. Foto: nh

„Gülleflut“ entsetzt Naturschützer

kre Schwindebeck. Schützenwerte Hummelarten wollte Thomas Mitschke aufspüren stattdessen machte der Vorsitzende der Nabu-Kreisgruppe Lüneburg eine im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel stinkende Entdeckung. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Schwindequelle hatte ein Landwirt zwei Maisfelder mit Gülle oder so Mitschke mit dem Endsubstrat aus einer Biogasanlage gedüngt. Und das reichlich. Denn die Brühe hatte sich sturzbachartig von den Maisfeldern über die angrenzenden Waldwege in ein als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenes Waldgebiet ergossen. Auch auf die Feuchtwiesen des seitlich verlaufenden Schwindebachs sei die ,,Suppe“ gelaufen. Mitschke zückte seinen Fotoapparat, dokumentierte das Desaster und schaltete die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises und die Landwirtschaftskammer ein.

Stefan Bartscht, Fachdienstleiter bei der Unteren Naturschutzbehörde, bestätigt auf LZ-Anfrage den Vorfall. „Das FFH-Gebiet ist von der Gülle offenbar nicht betroffen, wohl aber das Landschaftschutzgebiet“, sagt er. Jetzt werde geprüft, ob es verbotenerweise zu einer Grundwasser-Veunreinigung durch den Gülle-Eintrag gekommen sei.

Über den Hergang des ,,Gülle-Unfalls“ gibt es unterschiedliche Interpretationen: Mitschke unterstellt dem betroffenen Landwirt aufgrund der vorhandenen ,,Spuren“ wenigstens eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber Fauna und Flora: „Da zwei Felder ,behandelt wurden, hätte der Landwirt spätestens beim ersten Feld die Schäden bemerken und seine Arbeiten einstellen müssen“, glaubt der Nabu-Kreisvorsitzende. Und weiter: ,,Dilletantisch wurde dann vermutlich mit einem Radlader versucht, die Straße, beziehungsweise die Wegränder hinunter zum FFH-Gebiet, zu bereinigen, beziehungweise mit einem Erdwall die Flutmassen einzudämmen.“ Einsetzender Regen jedenfalls könne nicht die Ursache für den Güllestrom gewesen sein. ,,Die Arbeiten hätten doch jederzeit eingestellt werden können, auch weist das Areal keine alten Spuren von Überschwemmungen auf“, sagt der Naturschützer verärgert.

Mitarbeiter von Stefan Bartscht haben mit dem Landwirt gesprochen. „Plötzlicher Starkregen“ habe dazu geführt, dass die Gülle von den Feldern geflossen sei, gab er gegenüber der Behörde zu Protokoll. Eine Version, die Bartscht nicht von vorneherein als Ausrede abtun will aufgund ,,erkennbarer Rinnsale“ im Boden. Trotzdem ermittelt die Untere Naturschutzbehörde weiter: „War wirklich höhere Gewalt durch das Unwetter die Ursache oder doch ein Fehlverhalten des Landwirtes?“, das sei jetzt die Frage, sagt Bartscht.

Diese Frage beschäftigt auch die Landwirtschaftskammer, „denn eines ist klar“, sagt An­dreas Corleis, Leiter Prüfdienste bei der Landwirtschaftskammer in Oldenburg. „Das, was dort passiert ist, entspricht nicht der guten fachlichen Praxis der Düngemittelverordnung.“ In der heißt es nämlich: „Düngemittel sind im Rahmen guter fachlicher Praxis zeitlich und mengenmäßig so auszubringen, dass die Nährstoffe von den Pflanzen weitestgehend ausgenutzt werden können und Nährstoffverluste bei der Bewirtschaftung sowie damit verbundene Einträge in die Gewässer weitestgehend vermieden werden … Ein direkter Eintrag von Düngern in die Oberflächengewässer ist zu vermeiden.“

Auf die Frage, ob der Landwirt nun mit einem Bußgeld rechnen muss, antwortet Corleis vorsichtig: „Dafür sehe ich zunächt keinen Ansatz!“ Was freilich nicht heißen muss, dass das im Verlauf der weiteren Ermittlungen so bleiben muss. ,,Wir werden den Landwirt befragen.“ Denn auch Corleis interessieren angesichts der Bilder von der ,,Gülleflut“ vor allem die Antworten auf folgende Fragen: Wurde zu viel Gülle aufgebracht, das Gefälle falsch berechnet oder war tatsächlich höhere Gewalt im Spiel?

Umweltschützer Thomas Mitschke hat sein Urteil schon gefällt. ,,Der Landwirt hat in diesem sensiblen Landschaftsschutzgebiet grob fahrlässig und vorsätzlich gehandelt.“ Die ,,dicke Suppe“, die sich über die Feldränder hinweg in die Natur ergoss, sei Beweis genug.

2 Kommentare

  1. …“Dilletantisch“ handelte hier nicht nur der Bauer…..

  2. Moin Herr Mitschke und LZ

    Wie wärs denn mal gewesen wenn man den Landwirt befragt bevor man solch einen Bericht in die Zeitung setzt ?

    Ich wohne selbst in der Gegend und kann bezeugen das es am diesen Tag ca. 10 mm in 15 Minuten geregnet hat ( also Starkregen)….und ich glaube nicht das man mit dem Radlader Spuren verwischen wollte sondern das schlimmste verhindern wollte..

    Aber mit diesen Bericht zieht man nur nicht den Landwirt sondern auch die ganze Landwirtschaft durch die scheiße.