Donnerstag , 29. September 2016
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Die Tage des Radbrucher Bahnhofsgebäudes sind gezählt, der Abbruch steht bevor. Dann wird auch die Lücke in der Lärmschutzwand geschlossen. Foto: dth
Die Tage des Radbrucher Bahnhofsgebäudes sind gezählt, der Abbruch steht bevor. Dann wird auch die Lücke in der Lärmschutzwand geschlossen. Foto: dth

Stellwerk ade

dth Radbruch. Während alte Bahnhofsgebäude wie in Hitz­acker oder Lemgrabe unter den Auktionshammer kommen, kreist im Radbrucher Bahngebäude demnächst lediglich der Abbruchhammer. Nachdem im vergangenen Jahr das Bardowicker Stellwerk dem Erdboden gleich gemacht wurde, wird nun das Stellwerk in Radbruch dran glauben müssen. Eine Nachnutzung stand für das Radbrucher Bahnhofsgebäude aus Sicht der Deutschen Bahn nicht zur Debatte.

„Der Bahnsteig in Fahrtrichtung Lüneburg soll verlängert werden. Da ist das Gebäude im Weg und muss abgerissen werden“, sagt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis auf LZ-Nachfrage. Mit den weiteren Bauarbeiten müssen Anwohner wiederholt Nerven beweisen. Denn zur Sicherheit der Arbeiter im Gleis werden zeitweise wieder die sogenannten Rottenwarnanlagen ertönen, um vor herannahenden Zügen zu warnen.

Der Abbruch des Stellwerks Radbruch zählt zu den abschließenden Arbeiten zur Inbetriebnahme des neuen dritten Gleises auf dem rund 27 Kilometer langen Abschnitt zwischen Stelle und Lüneburg. Mit dem Bau des dritten Gleises wurde auch die Steuerungstechnik auf der Strecke modernisiert. DB-Sprecher Meyer-Lovis sagt: „Die Aufgabe des Stellwerks Radbruch wird künftig auf elektronischem Weg vom Stellwerk in Hannover übernommen.“ Das steuert den Verkehr auf verschiedenen Streckenabschnitten in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Hamburg. Die Durchsagen aus den Lautsprechern kommen dafür aus Lübeck.

Radbruchs Bürgermeister Achim Gründel sagt zu dem bevorstehenden Abriss: „Wir sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir bedauern, dass wir vor Ort keinen Fahrdienstleiter mehr haben und mit dem Abbruch auch die dortige Gaststätte verloren geht, die früher ein beliebter Treffpunkt für Radbrucher war.“ Aber: „Fröhlich sind wir aus Gemeindesicht trotzdem, denn unser Bahnhof wird damit zukunftsfähig gemacht. Durch den längeren Bahnsteig können später längere Züge in Radbruch halten.“ Auch die Zuwegung vom Park+Ride-Platz zum Bahnsteig könne günstiger gestaltet werden. Positiv sei zudem, dass die Gemeinde unter anderem den Platz für den Fahrradunterstand zurückerhalte sowie neue öffentliche Stellplätze für Pkw im Umfeld des bisherigen Bahnshofsgebäudes entstünden.

Laut Bahn-Sprecher Meyer-Lovis läuft im Juli zunächst das „Entkernen des Gebäudes von Hand“. Der Komplett-Abriss erfolgt laut Zeitplan in der Nacht von Sonntag, 3. August, auf Montag, 4. August, von 1.20 Uhr bis 5 Uhr morgens. In den Tagen darauf wird Schutt abgefahren. Zudem wird dann die noch lückenhafte Lärmschutzwand an jener Stelle vervollständigt.

Für weitere zwischenzeitliche Arbeiten im Gleis werden laut Bahn die automatischen Rottenwarnsignale geschaltet über die Wochenenden 4. bis 7. Juli sowie vom 25. bis 28. Juli. Wegen der Bauarbeiten werden zeitweise, meistens nachts, einzelne Gleise zwischen Bardowick und Winsen für den Zugverkehr gesperrt. Es ist daher mit weiteren Verspätungen im Bahnverkehr zu rechnen.