Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Mit besorgter Miene betrachtet Landwirt Hubertus Meyer seine Kartoffelpflanzen: 15 Hektar Fläche des Barskampers sind von der Kraut- und Knollenfäule befallen, die Blätter und Stängel absterben lässt und Ernte-Ausfälle zur Folge haben kann. Foto: t&w
Mit besorgter Miene betrachtet Landwirt Hubertus Meyer seine Kartoffelpflanzen: 15 Hektar Fläche des Barskampers sind von der Kraut- und Knollenfäule befallen, die Blätter und Stängel absterben lässt und Ernte-Ausfälle zur Folge haben kann. Foto: t&w

Es welkt auf den Kartoffeläckern

emi Barskamp/Tosterglope. Bräunliche, abgefaulte Blätter und in der Folge zu kleine Kartoffeln: In Niedersachsen treibt die Kraut- und Knollenfäule derzeit den Landwirten die Sorgenfalten auf die Stirn. „Einige Flächen waren so sehr befallen, dass sich 100-prozentige Ernteverluste ergaben“, sagt die Leiterin des Pflanzenschutzamtes der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Carolin von Kröcher. Auch im Kreis Lüneburg blicken einige Bauern mit Beunruhigung auf ihre Kartoffelpflanzen. Ein Pilz lässt Stängel und Blätter der Pflanzen faulen und kann so das Wachstum der Knollen verhindern. Ein Grund dafür könnte das Wetter der vergangenen Wochen sein, mutmaßt etwa Jürgen Lütjens aus Tosterglope. „Es war schwül und hat immer ein bisschen geregnet. So können die Pflanzen nicht richtig abtrocknen. Das sind optimale Bedingungen für den Pilz.“

Hubertus Meyer aus Barskamp dagegen glaubt, dass in der feuchten Hitze um Pfingsten die Infektion gesetzt wurde. „Der Erreger war im Pflanzgut latent schon vorhanden, dann hat sich das hochgeschaukelt.“ Die Kartoffelfäule wird entweder durch infiziertes Pflanzgut oder kleine Kartoffeln ausgelöst, die wegen des milden Winters nicht abgefroren sind.

Während Meyer auf seinem konventionellen Betrieb gezielt Fungizide zur Bekämpfung einsetzt, sind seinem nach Bioland-Richtlinien wirtschaftenden Kollegen bei Spritzmitteln die Hände gebunden. Lütjens bringt derzeit aber ein zugelassenes Kupferpräparat „als Notbremse“ aus. Und er hofft, dass die Krankheit sich langsam genug ausbreitet, dass seine Pflanzen genügend Blattmasse entwickeln, „um groß zu wachsen und ab Ende August als vernünftige Speisekartoffeln geerntet zu werden“. Welken die Pflanzen schneller, drohen dem 47-jährigen Kartoffelbauern im schlimmsten Fall Ausfälle von 50 Prozent.

Die Situation wäre dann ähnlich prekär wie im August 2007. Damals hatten Bio-Landwirte im Kreis über Ernte-Ausfälle von bis zu 75 Prozent geklagt. Jürgen Lütjens hat deshalb ein wachsames Auge auf seine Pflanzen. „Noch sind die Blätter zwar nicht total weggegammelt“, sagt er. „Aber das kann sehr schnell gehen. Innerhalb von sieben bis zehn Tagen können sie komplett verfaulen.“

In diesem Jahr sind bereits rund 20 Hektar Kartoffelacker des Bioland-Bauern, und damit etwa die Hälfte seiner Flächen, von der Krautfäule befallen. Einige Sorten seien besonders anfällig, wie etwa die Speisekartoffel „Princess“, andere dagegen relativ stabil. „Aber grundsätzlich gilt: Wenn sich der Pilz zwischen Mai und Juli massiv ausbreitet, haben die Kartoffeln keine Chance. Die Krautfäule zieht bis in die Knolle.“

Bei Hubertus Meyer in Barskamp ist aktuell nur die Sorte „Henriette“ auf einer 15 Hektar großen Fläche betroffen. Das entspricht immerhin 15 Prozent der bewirtschafteten Gesamtfläche seines Gemeinschaftsbetriebs. Wie hoch seine Verluste ausfallen könnten, vermag er nicht zu sagen.

Denn noch hofft der 43-Jährige, den Schaden abwenden zu können, „indem wir die Spritzmittel sorgfältiger auswählen und die Wirkstoffe gut kombinieren“.

Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr landesweit im Schnitt 42,2 Tonnen Kartoffeln pro Hektar auf einer Anbaufläche von 102000 Hektar geerntet.