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Trocken ist es da, wo sonst hoch das Wasser steht. Eine Boje, die Schiffen zur Orientierung dient, liegt bei Barförde an Land. So wenig Wasser wie selten führt zurzeit die Elbe. Foto: t&w
Trocken ist es da, wo sonst hoch das Wasser steht. Eine Boje, die Schiffen zur Orientierung dient, liegt bei Barförde an Land. So wenig Wasser wie selten führt zurzeit die Elbe. Foto: t&w

Die Ebbe nach der Flut

pet Lüneburg. Was für ein gewaltiger Gegensatz: Vor wenig mehr als einem Jahr kämpften Tausende von Helfern an der Elbe gegen eine Jahrhundertflut. In diesem Jahr plätschert der Strom eher müde vor sich hin, große Sandflächen sind da zu sehen, wo sonst das Wasser fließt. Ein Pegelstand von knapp neuneinhalb Metern wurde Ende Juni 2013 bei Bleckede gemessen, der Höchststand während des Hochwassers von 2013 betrug dort 11,90 Meter. Gestern lautete der Pegelwert an gleicher Stelle 5,69 Meter. Und noch ein Vergleich: Am Messpunkt Neu Darchau strömte im vergangenen Jahr während der Flut eine gewaltige Menge von 4000 Kubikmetern Wasser pro Sekunde die Elbe herunter, gestern Mittag waren es gerade einmal 300 Kubikmeter pro Sekunde.

Eine ,,außergewöhnliche Niedrigwasserphase“ bescheinigt Herma Heyken, Pressesprecherin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, der Elbe. Heyken: ,,Die Wasserstände bewegen sich, ähnlich wie in den vergangenen zwei Monaten, an der unteren Grenze im Vergleich zu dem, was in dieser Jahreszeit üblich ist.“

Normal wäre etwa am Pegel Neu Darchau im Juni ein mittlerer Wasserstand von 232 Zentimetern. Heyken: ,,Die Wasserstandshöhe beträgt am 30. Juni aber nur 150 Zentimeter. Am 26. Juni war es noch weniger, nämlich 126 Zentimeter. Ganz allmählich steigt der Pegel wieder.“ Die NLWKN-Pressesprecherin hat noch weiter gerechnet: Der Wert von 126 Zentimetern liegt in der statistischen Auswertung der Pegeldaten von 2000 bis 2010 fast genau einen halben Meter unter dem für Juni gültigen mittleren Niedrigwasser von 179 Zentimetern. Heyken: ,,In den vergangenen 50 Jahren wurde dieser Wasserstand in einem Juni-Monat nur im Jahr 2000 einmal unterschritten.“

Den Schiffsverkehr auf der Elbe hat das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg im Auge WSA-Mitarbeiterin Silke Schreier sagt: ,,Fahrgastschiffe und auch einige leere Frachtschiffe befahren noch die Elbe.“ Für beladene Frachtschiffe reiche der Wasserstand aber schon nicht mehr aus, sie weichen über den Elbe-Seitenkanal aus. Wenig Niederschläge habe es in jüngster Zeit elbaufwärts gegeben, sagt Schreier über die Grenze des niedrigen Wasserstands.

Vom Montag vergangener Woche bis zum Sonnabend hatte das Niedrigwasser den Fährbetrieb zwischen Pevestorf und Lenzen stillgelegt. ,,Seit Sonnabend, 15.30 Uhr, fahren wir aber wieder“, berichtet Erich Butschereit, Eigner der Fähre. Im Bereich des westlichen Ufers machen seit den vergangenen Hochwassern großflächige Versandungen Probleme, so Butschereit.

An den Fähren zwischen Bleckede und Neu Bleckede (,,Amt Neuhaus“) und zwischen Neu Darchau und Darchau (,,Tanja“) läuft der Betrieb dagegen normal. ,,Kein Problem bei uns“, berichtet Silke Bathel von der Amt Neuhaus, die bei einem Tiefgang von 60 Zentimetern noch einiges Wasser unter dem Rumpf hat. Auch die Tanja, sie hat einen Tiefgang von 70 Zentimetern, fährt regelmäßig, für die nächsten Tage sehen die Betreiber keine Probleme.

Kein Problem ist der niedrige Wasserstand auch für den Raddampfer Kaiser Wilhelm, der am kommenden Wochenende wieder unterwegs ist. ,,Am Sonnabend, 5. Juli, fahren wir nach Bleckede und zurück“, berichtet Holger Böttcher, Geschäftsführer des Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums und Mitglied der Crew.

Der Tiefgang der Kaiser Wilhelm, erklärt Böttcher, beträgt 93 Zentimeter. Als Fahrrinnentiefe sind für die Strecke zwischen Lauenburg und Hitz­acker 140 Zentimeter gemeldet. Am Sonntag ist die Kaiser Wilhelm dann nach Hoopte unterwegs. Näheres über die Fahrten der Kaiser Wilhelm unter www.raddampfer-kaiser-wilhelm.de oder bei Holger Böttcher unter Tel. 04153/51086.

NLWKN-Sprecherin Herma Heyken geht davon aus, dass der Wasserstand der Elbe in den kommenden Tagen etwas ansteigen wird, so besagen es die Vorhersagen des WSA Magdeburg. Entwarnung gibt Heyken, was die Tier- und Pflanzenwelt angeht: ,,Auswirkungen auf Flora und Fauna sind aktuell nicht zu beobachten und bei einer Erholung der Wasserstände auch nicht zu befürchten.“