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Lediglich der blaue und grüne Bereich kommt für den Netzausbau durch den Kreis in Frage. Grafik: ofp/nh
Lediglich der blaue und grüne Bereich kommt für den Netzausbau durch den Kreis in Frage. Grafik: ofp/nh

Schnelles Internet für alle im Landkreis

dth Lüneburg. Der Landkreis Lüneburg steht vor dem ambitioniertesten Infrastruktur-Projekt der letzten Jahrzehnte: Ziel ist es, den Kreis zu 90 Prozent flächendeckend mit Breitband-Internetzugängen zu versorgen  mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 MBit pro Sekunde im Download bis 2018. Dabei soll die öffentliche Hand vor allem da in die Bresche springen, wo die Telekommunikationsunternehmen meist aus wirtschaftlichen Gründen den Ausbau versagt haben.

Wie berichtet, hat der Kreis eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die den flächendeckenden Ausbau mit Glasfaserkabeln beleuchtet. Maximal wären dafür 7528 Kilometer Kabellängen notwendig. Die Kosten, die zu 70 Prozent auf den Tiefbau entfallen, schwanken je nach Ausbauvariante zwischen 32,71 und 87,4 Millionen Euro. Die Studie sowie ein Kooperationsvertrag mit den Kommunen zum Netzausbau wurde jetzt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt  bei der Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Kreistags im Bleckeder Haus.

Erstmals zu Gesicht bekommen haben die Präsentation auch manche Kreistagsabgeordnete. Wolfgang Marten (SPD) forderte daher weitere Beratungszeit innerhalb der Fraktionen. So blieb der von der Kreisverwaltung erhoffte Beschluss zunächst aus. Der soll nun bei der kommenden Sitzung des Kreisausschusses nachgeholt werden. Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer möchte möglichst schnell grünes Licht haben, damit er die Kooperationsvereinbarung zum Breitbandausbau noch vor den Sommerferien an die Kommunen zur Beratung weitergeben kann. Im Herbst wird dann über die nächsten Schritte entschieden.

In dem Vertrag ist unter anderem geregelt, dass der Landkreis für die Kommunen die Aufgabe des Netzausbaus wahrnimmt  und sich neben dem Aufbau auch um die Finanzierung über 20 Jahre sowie die Verpachtung kümmert. Das Projekt steht und fällt aber mit dem wettbewerblichen Verfahren auf der Suche nach einem Telekommunikationsunternehmen als privaten Partner, der das Netz pachtet, betreibt, unterhält sowie Dienste wie Internet, Telefonie und Fernsehen vertreibt und sich am Aufbau der Infrastruktur beteiligt. Gleichwohl müsste der Kreis einen Löwenanteil der Ausbaukosten schultern. Klaus Ohlig, Vertreter des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums, stellte bei der Sitzung eine Vermittlung zinsgünstiger Kredite durch das Land in Aussicht. Welche Ausbauvarianten indes in Frage kommen und was sie kosten können, stellte Detlef Dohmeyer von der Beratungsfirma „OFP“ vor, die den Kreis Uelzen in gleicher Sache begleitet.

Zur Diskussion stehen, grob gesagt, ein grundlegender (FTTC) oder ein kompletter (FTTB) Netzausbau mit Glasfaser (s. Text unten). Gemein ist den Varianten, dass die Kommunen das Netz nur in unterversorgten, „weißen“ Bereichen aufbauen dürfen. „Schwarze Bereiche sind tabu“, sagte Dohmeyer. Das seien Gebiete, in denen etwa Telekom oder Kabel Deutschland bereits ausgebaut haben oder das in den nächsten 36 Monaten tun wollen. So ist aus den Netzausbauplänen des Kreises der komplette Bereich des Telefonnetzes mit der Ortsvorwahl 04131 ausgenommen: Das betrifft die Stadt Lüneburg und die Gemeinden Adendorf, Reppenstedt, Deutsch Evern, Wendisch Evern und Vögelsen sowie den Flecken Bardowick. Ein privater Partner müsste sich an diese Einschränkung nicht halten.

Sondersituationen gibt es zudem in Amt Neuhaus sowie in der Samtgemeinde Amelinghausen (siehe unten). Der grundlegende Ausbau (FFTC) einschließlich der Gemeinde Amt Neuhaus ist mit 32,71 Millionen Euro veranschlagt bei einer Ausbauzeit von drei Jahren, der Komplett-Ausbau (FTTB) würde 87,4 Millionen Euro kosten bei einer Dauer von neun Jahren. Angestrebt werde laut Krumböhmer zunächst der grundlegende Ausbau, mit der Option, später auf die große Lösung umzuschwenken.