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100-Prozent-Erneuerbare-Energie-Region darf sich der Landkreis zwar nennen, doch bis dieser Schritt tatsächlich vollzogen ist, wird es noch Jahre dauern. In den kommenden Monaten stehen die Verbesserung der Energieeffizienz in Privathaushalten und das Erstellen von Nahwärmekonzepten auf der Agenda der Lüneburger Klimaschutzleitstelle. Foto: A/t&w
100-Prozent-Erneuerbare-Energie-Region darf sich der Landkreis zwar nennen, doch bis dieser Schritt tatsächlich vollzogen ist, wird es noch Jahre dauern. In den kommenden Monaten stehen die Verbesserung der Energieeffizienz in Privathaushalten und das Erstellen von Nahwärmekonzepten auf der Agenda der Lüneburger Klimaschutzleitstelle. Foto: A/t&w

Schritt für Schritt zur Energiewende

ml Lüneburg. Der Landkreis Lüneburg ist einen weiteren Schritt vorwärts gekommen, doch bis zum erklärten Ziel ist es noch ein weiter Weg. 2010 hatte der Kreistag beschlossen, den Kreis zur „100-Prozent-Erneuerbare-Energie-Region“ (100ee-Region) umzubauen und damit zu einem der Vorreiter der Energiewende zu machen. Nach der Kommunalwahl 2011 richtete die rot-grüne Kreistagsmehrheit einen Erneuerbare-Energien-Ausschuss ein und gab eine Energie-Leitstudie bei der Leuphana Universität in Auftrag. Im vergangenen Jahr bewarb sich der Kreis dann als 100ee-Region für das gleichnamige Projekt des Instituts für dezentrale Energietechnologien (IdE) mit Erfolg. Inzwischen hat das IdE Lüneburg in den Vorreiterkreis aufgenommen nicht als Starter-Region, sondern als vollwertiges Mitglied. Beim 100ee-Kongress im November in Kassel wird die entsprechende Urkunde überreicht.

Für Tobias Winkelmann Grund zur Freude, aber kein Anlass für euphorischen Jubel: „Die Verleihung der Urkunde zeigt, dass wir mit der Leitstudie, kommunalen Klimaschutz-Teilkonzepten und mit Energiespar-Projekten wie Ökoprofit wichtige Grundlagen geschaffen haben. Das heißt aber nicht, dass die Region tatsächlich schon zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgt wird“, sagt der Mitarbeiter der Klimaschutzleitstelle von Hansestadt und Landkreis Lüneburg. Das belegt auch ein Blick auf die Energiebilanz 2012. Demnach stammen knapp 50 Prozent des Stroms, der im Landkreis Lüneburg verbraucht wird, aus erneuerbarer Energie, im Bereich der Heizungen sind es sogar nur 10 Prozent.

Kein Wunder also, dass der Mann aus der Klimaschutzleitstelle den Prozess weiter vorantreiben will. Bereits in der kommenden Woche wird Winkelmann weitere Schritte im Ausschuss für Erneuerbare Energien vorstellen, wollen die Kommunalpolitiker entscheiden, wie es mit zwei Projekten weitergeht. Zum einen sollen die Kommunen beim Erstellen von Nahwärmekonzepten unterstützt werden, zum anderen wollen Winkelmann und seine Mitstreiter die Energieeffizienz in Privathaushalten verbessern.

Dazu sollen öffentliche Bibliotheken mit sogenannten Energiepaketen ausgestattet werden. Geschnürt werden diese aus kostenlosem Info-Material zum Mitnehmen und Ausleihen, aber auch aus Messgeräten, mit denen sich zum Beispiel der Energieverbrauch von Haushaltsgeräten überprüfen lässt. Rund 3000 Euro sollen dafür aus der Sparte Klimaschutz im Strukturentwicklungsfonds bereitgestellt werden. Dass dieser Ansatz funktionieren kann, zeigt sich in der Gemeinde Adendorf, wo es das Angebot bereits gibt. „Dort ist das Messgerät dauerhaft ausgebucht mit einem Vorlauf von sechs Monaten“, berichtet Winkelmann. Und: „Die Leitstudie der Leuphana hat gezeigt, dass der Weg zur 100ee-Region immer über die Energieeffizienz in Privathaushalten führt.“

Doch auch den Kommunen will die Klimaschutzleitstelle unter die Arme greifen. In sechs Kommunen wird bereits an einem Klimaschutz-Teilkonzept gearbeitet, dabei 77 öffentliche Gebäude unter die Lupe genommen. Ziel ist es, Sanierungskonzepte für die öffentlichen Liegenschaften zu entwickeln. Zudem sollen die Kommunen nach den Vorstellungen der Klimaschutzleitstelle in den kommenden Monaten an sogenannten Nahwärmenetzen feilen. Dabei wird die Wärme für viele Abnehmer in einer Heizzentrale erzeugt. Ein Beispiel findet sich schon jetzt in der Samtgemeinde Amelinghausen: Dort werden im Winter Lopauhalle, Tennishalle und Grundschule von einem Blockheizkraftwerk versorgt, das über eine 1,2 Kilometer lange Leitung mit einer Biogasanlage verbunden ist. Im Sommer wird mit dem Gas das Waldbad beheizt. Rund 440000 Euro hat die Samtgemeinde investiert, im April 2011 ging das Nahwärmenetz in Betrieb.

Anreize für die Einrichtung weiterer Nahwärmenetze schaffen will nun die Klimaschutzleitstelle. Mit bis zu 2000 Euro oder 40 Prozent der Gesamtkosten sollen Kommunen unterstützt werden, die entsprechende Konzepte erstellen lassen. Auch darüber soll der Ausschuss für Erneuerbare Energien am Dienstag, 15. Juli, entscheiden. Die Sitzung beginnt um 15 Uhr im Kreishaus.