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Sie gingen gerne zur Kopernikus-Schule: Lionel Bruns (l.) und Basit Horn. Als Erinnerung bleibt den Schülern der Gedenkstein. Foto: t&w
Sie gingen gerne zur Kopernikus-Schule: Lionel Bruns (l.) und Basit Horn. Als Erinnerung bleibt den Schülern der Gedenkstein. Foto: t&w

Schule ist für immer aus +++ Mit Video +++

mm Lüneburg. Es war einmal, heißt es nun für die Kopernikus-Schule. Die Realschule schließt ihre Türen für immer. Sie weicht der Integrierten Gesamtschule (IGS) im Schulzentrum Kaltenmoor. Im definitiv letzten 10. Jahrgang lernten 49 Schüler, sie teilten sich auf in zwei Klassen. Sieben Lehrkräfte blieben bis zum Ende. Das letzte Schuljahr war für die Schüler ein besonderes: „Wir sind eine Familie geworden“, berichten die Abgänger Basit Horn und Lionel Bruns.

Sie stehen in dem verlassenen Schulkorridor. Nebeneinander liegen die beiden Klassenräume, die Schüler haben davor Stellwände aufgebaut, die dokumentieren 36 Jahre Schulgeschichte. Es ist die Geschichte von knapp 3000 Schülern. In den letzten fünf Jahren wurden es stetig weniger, denn es gab keine neue Klassen mehr.

Dabei hatte es bis in das Jahr 2009 noch ganz anders ausgesehen. Die Schule war grunderneuert worden, sieben Jahre dauerten die Sanierungsarbeiten. Es wurde auch ein Antrag für die Einrichtung als Ganztagsschule gestellt. Doch die Stadtverwaltung entwickelte andere Pläne für den Standort. Die Räumlichkeiten sollten komplett in IGS-Hand übergehen. Das Aus für die Realschule war damit besiegelt. „Das war eine herbe Nachricht, die mir damals Hiltrud Lotze als Vorsitzende des Schulausschusses überbrachte“, sagt Schulleiterin Maria Stratmann-Boeck. Heute sei es wohl so, dass der Elternwille Richtung integrierter Systeme gehe. „Dabei könnte auch eine Rolle spielen, dass durch die Beschulung auf einer Gesamtschule, das Stigma Hauptschule abgelegt werden kann“, vermutet die Rektorin.

Frei von Stigmata blieben Basit und Lionel jedoch zum Ende nicht von wehmütigen Gedanken. Der 17-jährige Basit sagt: „Schade, dass es die Schule nicht mehr gibt, damit müssen wir uns jetzt abfinden.“ Lionel ergänzt: „Im Endeffekt bleibt es unsere Schule, wir hoffen, dass die IGS nun das Beste daraus macht.“ Das Beste wollen die beiden Schüler nun auch aus ihrem Realschulabschluss machen. Nach den Sommerferien geht es für die beiden an die BBS II Am Schwalbenberg. Basit besucht dort das technische Gymnasium, Lionel die Fachoberschule. Er wird eine duale Ausbildung beginnen, ein Jahr lang dafür dreimal in der Woche in seinem Ausbildungsbetrieb LAP Laser zugegen sein.

Die Jugendlichen fühlen sich für die neue Schule gut vorbereitet. Auch wenn das Angebot an der Realschule zuletzt schon ausgedünnt war. Es gab weniger Wahlpflichtfächer. „Die es gab, mussten wir belegen“, erklärt Basit. Dafür profitierten Schüler von geringem Unterrichtsausfall und vielen Extras. Es gab unter anderem regelmäßige Theaterbesuche, Lehrer und Schüler unternahmen gemeinsam zahlreiche Ausflüge. „Anders als es jetzt an anderen Schulen der Fall ist, haben wir auch noch Klassenfahrten gemacht“, erzählt Klassenlehrerin Heike Wardatzky. In der siebten Klasse fuhr sie mit ihren Schülern nach Scharbeutz, einen Hauptstadttrip gab es ein Jahr später, die Abschlussfahrt führte ins Ferienzentrum Schloss Dankern an der Ems. Das unerschüttliche Engagement der Lehrkräfte lobte Rektorin Maria Stratmann-Boeck: „Ich bin den Kollegen, die alles bis zuletzt mitgetragen haben, immens dankbar.“ Sie selbst wird nun mit 63 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand gehen.

Was letztlich von der Kopernikus-Schule bleibt, ist ein Gedenkstein. Dieser wurde vor dem Schuleingang in den Boden eingelassen. Angefertigt hat die Platte Steinmetzmeister Rainer Mencke, er drückte einst selbst die Schulbank in der Kopernikus-Schule.