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Das Ende der Grundschulzeit naht, auch für die Viertklässler (v.l.) Emma, Luk, Inga, Niklas und Victoria von der Hermann-Löns-Schule in Lüneburg heißt es Abschied nehmen von vielen Klassenkameraden. Foto: t&w
Das Ende der Grundschulzeit naht, auch für die Viertklässler (v.l.) Emma, Luk, Inga, Niklas und Victoria von der Hermann-Löns-Schule in Lüneburg heißt es Abschied nehmen von vielen Klassenkameraden. Foto: t&w

Ansturm auf die Gymnasien

ahe Lüneburg. Die Lüneburger Gymnasien stehen einmal mehr vor einem Problem: Es wollen in diesem Sommer so viele Grundschüler zu ihnen, dass schlicht der Platz fehlt, um alle unterzubringen. Am deutlichsten wird das Problem der Beliebtheit am Gymnasium Oedeme: „Von der angestrebten Sechszügigkeit sind wir dramatisch weit entfernt“, sagt Direktor Dieter Stephan. Bei sechs 5.Klassen könnten unter Berücksichtigung von Sitzenbleibern und Umzüglern 29 Schüler pro Klasse, insgesamt also 174 Kinder, aufgenommen werden. Aktuell liegen aber Anmeldungen von 231 Kindern vor genug für acht 5. Klassen.

„Prinzipiell freuen wir uns natürlich über das Vertrauen, das uns von Eltern entgegengebracht wird“, sagt Stephan. Doch die Attraktivität bringt ihn auch in die Bredouille: Wo sollen die 57 zusätzlichen Kinder hin? In den vergangenen Jahren konnten Schüler häufig noch an andere Gymnasien umverteilt werden, die nicht so stark angewählt wurden. In zahlreichen Elterngesprächen mussten die Schulleiter Überzeugungsarbeit leisten nicht immer mit Erfolg. Deshalb entschieden Stadt und Kreis als Schulträger auch schon mal, Container an einzelnen Standorten aufzustellen, um nicht so viele Eltern enttäuschen zu müssen. Doch in diesem Jahr haben auch die anderen Gymnasien im Stadtgebiet nur wenige freie Kapazitäten. Die Herderschule etwa hat ebenfalls eher zu viele als zu wenige Anfragen, 168 Anmeldungen liegen vor, das würde eine Sechszügigkeit bedeuten. Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck sagt: „Unser Ziel ist eine Fünfzügigkeit.“

Um die Kapazitätsprobleme zu lösen, setzen sich die Schulleiter stets zusammen, auch die Schulträger sind dann dabei. Am vorigen Freitag gab es die seit langem geplante Runde ohne Lösung für das aktuelle Problem. Stephan sagt: „Wir haben alle Möglichkeiten ausgelotet, aber sehen im Moment keine wirklich praktikable Lösung. Sollen wir die Plätze etwa willkürlich auslosen und damit womöglich beste Freunde auseinanderreißen? Oder als Oedemer Schule die Kinder aus unserem Stadtteil ablehnen?“ Das sei beides nicht sinnvoll. Was ihn und seine Kollegen wurmt: Obwohl der Termin lange bekannt war, sei von der Stadt kein Vertreter da gewesen, der Entscheidungen hätte treffen können. Wird die Wilhelm-Raabe-Schule fünf- statt vierzügig? Richtet das Johanneum in seiner Außenstelle im Schulzentrum Kaltenmoor eine weitere fünfte Klasse ein? Ungeklärt. Nun treffen sich die Direktoren heute noch einmal, hoffen diesmal auf eine Führungskraft aus der Verwaltung.

Beim zweiten Treffen dabei ist dann auch die Landesschulbehörde ein langgehegter Wunsch der Schulleiter, denn sie ist die Behörde, die Einsprüche von Eltern bearbeitet, die sich gegen eine Abweisung ihres Sprösslings wehren. Und das komme nicht selten vor. Stephan verdeutlicht: „Wir sind in der Sache ständig rechtlich in Bedrängnis. Mir wurde gar schon ein Disziplinarverfahren angedroht. Als Schulleiter fühlen wir uns mit dem Verfahren, wie wir mit den Schülerströmen umgehen, manchmal ein wenig allein gelassen.“ Eine Möglichkeit, Schülerströme zu lenken, wären Schulbezirke. Die aber will im Grunde niemand. Eine denkbare Alternative wäre aus Sicht von Stephan eine weitere Gesamtschule im Stadtgebiet, durch die die Gymnasien entlastet würden.

Denn auch die Integrierte Gesamtschule Lüneburg (IGS) kann erneut nicht alle angemeldeten Schüler aufnehmen. 150 Plätze stehen zur Verfügung, 207 Viertklässler sollten dorthin wechseln. Wie in den Vorjahren wurde gelost, wer einen Platz bekommt. Dabei wurde neben gesetzlich verankerten Regelungen zu Geschwisterkindern berücksichtigt, dass die gesamte Leistungsstärke vertreten ist. Schulleiter Klaus-Peter Hummes sagt: „Wir nehmen 70 leistungsstarke Kinder und 20 eher leistungsschwache Schüler auf, die übrigen sind dem mittleren Bereich zuzuordnen. Oben und unten passte es ganz gut, aber viele Kinder mit Realschulempfehlung haben leider keinen Platz bekommen.“ Bei jenen Kindern, die kein Losglück hatten, zieht im Regelfall der angegebene Zweitwunsch.

Für seine Schule sagt Stephan: „Es läuft wohl auf eine Siebenzügigkeit raus, Kapazitäten wären im Schulzentrum vorhanden, aber dafür bräuchten wir die Unterstützung des Kreises als Schulträger.“ Für den Landkreis verweist Sprecherin Katrin Holzmann auf die zweite Gesprächsrunde: „Dort soll das geklärt werden. Aber achtzügig werden soll Oedeme auf keinen Fall.“ Und weglotsen müsste Stephan selbst bei einer Siebenzügigkeit immer noch eine komplette Klasse. Eine Patentlösung hat auch die Stadt noch nicht. Suzanne Moenck sagt: „Es gibt noch ganz viel Gesprächsbedarf.“

Anmeldungen

Anmeldungen

Anmeldungen: Mehr als 1700 Viertklässler wechseln in diesem Sommer auf eine weiterführende Schule in Stadt und Kreis, jeden Zweiten zieht es zum Gymnasium. Die einzig verbliebene reine Hauptschule in Bleckede verzeichnet 25 Anmeldungen, auf die dortige Realschule, ebenfalls die Letzte ihrer Art, wechseln 39 Kinder. Die anderen vorläufigen Anmeldezahlen (inklusive Schüler, also solche mit speziellem Förderbedarf, belegen rechnerisch je zwei Plätze):

Gymnasien: Oedeme: 231,  Herderschule: 168,  Bernhard-Riemann-Gymnasium: 147,  Johanneum: 125,  Wilhelm-Raabe-Schule: 101,  Bleckede: 66

Oberschulen: Schule am Schiffshebewerk: 114, Hanseschule Oedeme: 87,  Stadtmitte (nach Losverfahren): 77,  Christianischule: 74,  Hugo-Friedrich-Hartmann-Schule: 63,  Dahlenburg: 49,  Schule am Katzenberg: 46, Neuhaus: 14

Gesamtschulen: Lüneburg (nach Losverfahren): 148,  Embsen: 131

6 Kommentare

  1. Wir sind betroffen und wurden abgelehnt. Dies wurde uns in einem lapidarem Schreiben von der Schule Oedeme mitgeteilt. Es wurden keine persönlichen Gespräche angeboten. Danke auch. Meine Tochter hat es am meisten mitgenommen. Sie verliert ihren Freundeskreis und obwohl wir in Oedeme leben gibt es keinen Platz für sie.
    Nach telefonischer Rücksprache hieß es die Gebiete Rosenkamp, Mittelfeld und Häcklingen/Rettmer seien betroffen und müssen umgeleitet werden. Ich kenne einige aus diesem Gebiet, die heute noch nicht bescheid wissen, wohin ihr Kind gehen soll. Ich fühl mich total verarscht und hintergangen. Damals schon mussten wir bei der Grundschule einen Kompromiss eingehen u d nun werden wir wieder gezwungen. Frechheit, wie mit uns als Eltern umgegangen wird… Letztendlich bin froh, dass es so gekommen ist und hoffe, dass auf der anderen Schule writ mehr Respekt und Verständnis vorhanden sind.

  2. Ich bin auch Vater eines betroffenen Schülers und bin nach wie vor wüten und enttäuscht über die mangelhafte Informationspolitik der Verantwortlichen. Trotz Nachfragen bei der Schulleitung dem Landkreis und der Landesschulbehörde konnte mir bislang niemand plausibel erklären wie es zu der offensichtlich willkürlichen Grenzziehung gekommen ist. So gehört Schapersdrift noch zum Einzugsgebiet währen die anderen Straßenseite mit Teufelküche nicht mehr dazu gehört. Einige böse Zungen behaupten bereits das dort nicht die „richtigen Leute“ wohnen würden und bei genauem hinsehen drängt sich dieser Verdacht langsam auch bei mir auf. Ich wünsche mir, dass die Entscheidungsträger den betroffenen Eltern in einem persönlichen Gespräch erläutern wie es zu diesen Absagen und Grenzziehungen gekommen ist. Der Brief ist wirklich eine Frechheit…keine Erklärung …. keine weiteren Hinweise….wir sind Fassungslos! Vom Seelenzustand meines Kindes möchte ich gar nicht weiter berichten, nur weil wir auf der „falschen Straßenseite“ wohnen verliert er alle Schulfreunde….. Danke liebe Verantwortliche!

  3. Hallo,
    wir sind von der Landesschulbehörde darauf hingewiesen worden, dieser Entscheidung zu wiedersprechen. Dies ist klar Entscheidung der Schule gewesen.
    Auch wir haben das Gefühl , das hier mit Willkür gehandelt wurde und glaube mittlerweile, hinters Licht geführt worden zu sein. Warum haben teilweise Eltern aus den anderen Betroffenen Wohngebieten keine Absage bekommen? Werden deren Kinder doch genommen???
    Am schlimmsten finde ich nach wie vor, das man sich nicht im Stande fühlt persönlich mit den Betroffenen zu sprechen, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird. Meine Tochter ist untröstlich. Sie fühlt sich abgewiesen und nicht gewollt. Ich kann sie verstehen.
    Ich frage mich, wie mit anderen wichtigen Entscheidungen an dieser Schule umgegangen wird.

    • So, nun ist es raus.
      Die anderen haben ihre Zusage bekommen. Darunter auch Eltern, die in den eigentlich, so wie mir gesagt wurde, abgelehnten Gebieten leben.
      Mitunter gehen die Geschwisterkinder schon auf ein anderes Gymnasium.
      Jetzt fühlen wir uns noch weniger wert geschätzt und nicht ernst genommen. Ich warte auf eine ehrliche Begründung und Erklärung in persönlicher Form der Schulleitung.
      Ich frage mich, was wir als Eltern und meine Tochter verkehrt gemacht haben. Mit Ehrlichkeit kann ich umgehen aber nicht mit so etwas.
      Das ist ein Skandal, weil hier offensichtlich nicht wirklich objektiv sondern rein subjektiv gehandelt wurde. Das alles wirft kein gutes Licht auf das Gymnasium Oedeme und ich hoffe das mit den zukünftigen Schülern anders umgegangen wird.

  4. Waren der Ansturm auf die Gymnasien und auf die IGS nicht lange zu erwarten? Lassen Stadt und Land die Schulen, Schüler und Eltern allein? Hier tut sich eine klaffende Lücke zwischen den Wahlprogrammen und dem wirklichen Handeln auf. Leidtragende sind vor allem die Kinder. Was sagen eigentlich Grüne und SPD, wenn durch eine derart verfehlte Schulpolitik Kinder quer durch die Stadt zur Schule fahren? Bei dieser wenig vorausschauenden Politik bleiben die Kinder, die Umwelt (und nicht selten auch die Schulen) auf der Strecke.

  5. seltsame debatte. ich kenne eltern, denen waren die schule vor ort nicht gut genug. sie karrten ihre kinder kilometerweit. am ende hat es für ihre kinder nichts gebracht. sie sind eben nicht alle hochbegabt, so wie sehr viele eltern von ihren kindern glauben, sie wären es.