Donnerstag , 29. September 2016
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Gerade mal 1000 Meter vom Artlenburger Ortsrand entfernt soll ein Windpark entstehen. Dagegen will Hans-Hinnrich Kolodzy mobil machen, denn die Negativfolgen des Projektes, glaubt er, werden vor allem die Artlenburger tragen müssen. Foto: t&w
Gerade mal 1000 Meter vom Artlenburger Ortsrand entfernt soll ein Windpark entstehen. Dagegen will Hans-Hinnrich Kolodzy mobil machen, denn die Negativfolgen des Projektes, glaubt er, werden vor allem die Artlenburger tragen müssen. Foto: t&w

„…dann sind wir die Dummen“

off Artlenburg. Die Windkraftpläne des Landkreises Harburg sorgen nun auch in der Gemeinde Artlenburg für Widerstand. „Ich bin die Strecke mit dem Auto extra abgefahren“, sagt Hans-Hinnrich Kolodzy, „und der geplante Windpark wäre von Artlenburg aus gerade mal 1000 Meter weit entfernt.“ Ende März ist der Unternehmer und SPD-Kommunalpolitiker auf den Entwurf der Harburger zur Neuaufstellung des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) aufmerksam geworden. „Und mir ist klargeworden, was das für unsere Gemeinde eigentlich bedeutet.“ Jetzt plant Kolodzy die Gründung einer Bürgerinitiative. „Denn wir müssen uns wehren, bevor es zu spät ist.“

Wie berichtet, überarbeitet der Landkreis Harburg derzeit sein RROP mit dem Ziel, den Bau von Windkraftanlagen zu steuern. Der Entwurf des Plans liegt noch bis Ende September öffentlich aus und beinhaltet unter anderem zwei Teilflächen zwischen Bütlingen und Art­lenburg. Maximal acht Windkraftanlagen könnten dort laut Kreissprecher Johannes Freudewald gebaut werden. Realisieren will das Vorhaben die „Bürgerwind Samtgemeinde Elbmarsch GmbH & Co. KG“, auf der Fläche zwischen fünf und sechs Anlagen mit einer Gesamthöhe von 180 bis 200 Meter errichten. Auch der Samtgemeinderat Elbmarsch und die Mitgliedsgemeinden haben sich für die Förderung von Windenergie ausgesprochen.

Doch auch in der Samtgemeine Elbmarsch gibt es Widerstand gegen die geplante Vorrangfläche vor allem von Betroffenen aus der Gemeinde Tespe. Aus der Nachbargemeinde Artlenburg war bisher wenig zu den Windkraftplänen zu hören, „und das vor allem deshalb, weil die Menschen nicht ausreichend informiert wurden“, glaubt Kolodzy.
Um das zu ändern, verteilt er nun Infozettel an seine Mitbürger, plant zudem eine Informationsveranstaltung. Hans-Hinn-rich Kolodzy ist überzeugt: „Wenn dieser Windpark gebaut wird, sind vor allem wir Artlen-burger die Dummen, die die Folgen tragen müssen.“

Fünf Windkraftanlagen stehen bereits in Artlenburg. „Dass die selten stören, liegt vor allem an der Südlage“, sagt Kolodzy. „Der geplante Bürgerwindpark hingegen soll westlich von Art­lenburg entstehen, sodass wir nachmittags und abends den Schlagschatten haben.“ Dazu kommt, „dass der Wind meistens aus Westen kommt und den Lärm der Anlagen zu uns trägt, außerdem Gesundheitsschäden durch Infraschall drohen“. Kolodzy ist überzeugt: Die Lebensqualität in der Gemeinde wird sinken „und mit ihr werden die Immobilienpreise einbrechen“.

Hinzu kommt: Im Kreis Harburg gelten andere Regeln für den Bau von Windkraftanlagen als im Kreis Lüneburg. Strenger sind die Lüneburger etwa beim Bau von Windkraftanlagen in Gebieten, die wie die Elbmarsch eine wertvolle Region für Vogelwelt und Artenschutz darstellen.

„Wir halten die Elbmarsch und das Biosphärenreservat bei der Planung komplett von Windvorrangflächen frei“, sagt Kreissprecherin Katrin Holzmann. Der Kreis Harburg hat vorab ein avifaunistisches Gutachten der geplanten Vorrangflächen erstellen lassen. „Das ergab für die Fläche nur eine geringe Wertigkeit“, sagt Sprecher Freudewald, betont aber auch: „Es ist noch ein Detailgutachten in Arbeit, dessen Ergebnisse noch nicht vorliegen.“

Im Zuge der öffentlichen Beteiligung werden der Landkreis Lüneburg, die Samtgemeinde Scharnebeck und auch die Gemeinde Artlenburg ihre Bedenken gegen den geplanten Windpark äußern. Ob der Kreis Harburg darauf eingehen wird, wird fachlich geprüft und von der Politik beschlossen. Stimmt sie für eine Änderung des Entwurfs, folgt eine erneute Beteiligung der Öffentlichkeit. Bis 2015, so das Ziel des Landkreises Harburg, soll das RROP genehmigt sein.
Doch auch, wenn der Standort genehmigt ist, „heißt das nicht, dass auch ein Windpark genehmigt ist“, sagt Freudewald. Dafür müssten die Investoren noch einige Gutachten einholen. „Und die Ergebnisse können so ein Vorhaben immer noch kippen.“ Verlassen will sich Hans-Hinnrich Kolodzy darauf jedoch nicht. Er will mobil machen und den geplanten Windpark mit aller Macht verhindern.

Mit dem geplanten Bürgerwindpark an der Kreisgrenze beschäftigt sich auch der Umwelt- und Bauauschuss der Samtgemeinde Elbmarsch am Mittwoch, 16. Juli, ab 19 Uhr in der Grundschule in Tespe.