Mittwoch , 28. September 2016
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Enthüllten zur Streckeneinweihung die Info-Tafel (v.l.): Ulrich Bischoping und Dr. Volker Kefer von der Deutschen Bahn, Staatssekretär Enak Ferlemann und Bahn-Maskottchen Max Maulwurf. Foto: dth
Enthüllten zur Streckeneinweihung die Info-Tafel (v.l.): Ulrich Bischoping und Dr. Volker Kefer von der Deutschen Bahn, Staatssekretär Enak Ferlemann und Bahn-Maskottchen Max Maulwurf. Foto: dth

Nadelöhr mit mehr Kapazität

dth Stelle/Winsen/Lüneburg. Die Deutsche Bahn feierte am Donnerstag, 10. Juli, die Inbetriebnahme des dritten Gleises zwischen Stelle und Lüneburg. Auch wenn der Vollbetrieb bereits seit Mitte Juni läuft und die Restarbeiten wohl noch bis in den Spätherbst hinein dauern werden, war es zumindest der offizielle Schlusspunkt bei dem rund 350 Millionen Euro schweren Projekt. Gastredner Enak Ferlemann nutzte die Gelegenheit und erteilte dem derzeit diskutierten viergleisigen Ausbau bis nach Lüneburg als Alternative zur Y-Trasse eine Absage. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium sagte bei der abschließenden Festveranstaltung in Winsen/Luhe: „So einen Unfug machen wir nicht.“

Mit dem Bau des dritten Gleises seien die Kapazitäten auf der vielbefahrenen Strecke Hamburg-Hannover derart erweitert worden, „dass es uns möglich ist, die stark zunehmenden Güterverkehre auf der Strecke abzufahren und trotzdem die Nahverkehrsverbindungen beizubehalten“, sagte auf LZ-Nachfrage Dr. Volker Kefer, zuständiger Bahnvorstand für den Bereich Infrastruktur. Kefer: „Auf der Strecke fahren 360 Züge pro Tag, davon die Hälfte Güterzüge.“ Lange Zeit galt vor allem der Streckenbereich zwischen Stelle und Lüneburg als Nadelöhr.

Staatssekretär Ferlemann sagte: „Ich freue mich, dass wir einen der großen Engpässe auf einer der am meisten befahrenen Schienenstrecken Norddeutschlands beheben konnten. Von nun an können Personen- und Güterzüge zwischen Hamburg und Hannover ungehindert nebeneinander fahren.“ Doch aus Bahnsicht werden die Kapazitäten mit Blick auf die Verkehrsprognose 2030 nicht ausreichen. Deshalb hat die Bahn die Y-Trasse wieder aus der Schublade geholt und prüft dazu verschiedene Varianten. Zur laufenden Debatte sagte Ferlemann: „Glauben Sie doch ja nicht, wenn wir heute darüber diskutieren, dass wir übermorgen schon bauen.“

Gleichwohl bestätigte Ferlemann einen Eindruck, den DB-Mitarbeiter bei der jüngsten Info-Veranstaltung zur Y-Trasse in Harburg erweckt hatten: Nämlich, dass die sogenannte Ausbau-Variante mit einem vierten Gleis eher pro forma untersucht wird. Denn dafür müsste bei Lüneburg auch ein Teil der Autobahn 39 umgelegt werden, doch so „wahnsinnig“ sei der Bund nicht, sagte Ferlemann: „Bei aller Freundschaft zur Deutschen Bahn, das werden wir nicht tun.“ Und: „Wir werden auch nicht den Bahnhof in Winsen abreißen, um da vielleicht ein viertes Gleis hinzulegen. So einen Unfug machen wir nicht. Das wird nicht kommen. Das ist amtlich.“

Dennoch sah Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt die Eröffnung mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Ich freue mich, dass mit dem Bau des dritten Gleises ein langjähriger Wunsch aus der Region erfüllt wurde.“ Gleichwohl verfolgt er die Debatte um die Y-Trasse mit Sorge, zumal zwei mögliche Neubau-Varianten für den Güterverkehr durch den Landkreis gingen. „Da wird es starken Widerstand in der Region geben.“

Seit Dezember 2009 hat die Deutsche Bahn die neuen Gleise zwischen Stelle und Lüneburg verlegt. Die fuhr die Bahn mit geladenen Gästen in einem Kurzzug der „DB Regio“ ab, um schließlich in Winsen/Luhe feierlich eine große Tafel zum Mammutprojekt zu enthüllen: Auf der 27 Kilometer langen Strecke Stelle-Lüneburg wurde das dritte Gleis verlegt, auf dem Teilabschnitt Stelle-Ashausen sogar ein viertes. Dabei wurden auch 35 Kilometer Gleise für Tempo 200 neu gebaut, eine Eisenbahn- und sieben Straßenbrücken ersetzt und auf 17 Kilometern Schallschutzwände gebaut.

Ein Video vom offiziellen Streckenstart gibt es heute ab 9 Uhr unter www.facebook.com/landeszeitung

One comment

  1. Bernd Wettern /TuS Bothel

    Nadelöhr mit mehr Kapazität
    Auch hier zeigt sich mal wieder, dass die Y-Trasse unbedingt politisch durchgedrückt werden soll.
    Da wird das K.O. Argument in Lüneburg ist keine viergleisige Durchfahrung machbar herangezogen, ohne
    zu erklären, warum ein dreigleisiger Ausbau bis Uelzen nicht fortgeführt wird. Der dreigleisige Ausbau bis
    Lüneburg ist unplausibel und im Hinblick auf den Ostkorridor ab Uelzen geradezu kontraproduktiv, weil dann ein neues Nadelöhr Lüneburg-Uelzen im Wege stehen wird.Ab Uelzenl gibt es dann den Abzweiger nach Stendal.Es ist zu vermuten, dass die DB und auch das politische Umfeld alles daran setzen werden, die Ausbauvarianten in der Bewertung herunterzurechnen. Die Kapazität der Y-Trasse – unabhängig einmal von den höchsten Baukosten – ist von verschiedenen Gutachtern (war ja einmal eine Hochgeschwindigkeitsstrecke) für nicht ausreichend erklärt worden. Befürworter der Y-Trasse: Aufwachen wir reden hier von einer Güterstrecke und die sollte für unser gutes Steuergeld soviel Kapazität wie möglich haben. Befürworter der Y-Trasse, macht ruhig das Fenster auf und schmeißt das Geld gleich Säckeweise raus.