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Die Stimmung ist schnell raus aus der Party, wenn der DJ den Sound runterdrehen muss. Foto: be
Die Stimmung ist schnell raus aus der Party, wenn der DJ den Sound runterdrehen muss. Foto: be

Wirte dämpfen die Partylaune

ca Lüneburg. Ein tolles Essen, dann Kalorien wegtanzen bis zum Morgengrauen  so stellen sich viele ihre Hochzeitsfeier vor, gerade jetzt, wo Ja-Sager Hochsaison haben. Blöd, wenn dann vom Wirt gegen Mitternacht die Ansage kommt: „Der Discjockey muss die Lautstärke der Anlage runterdrehen.“ Doch Partylaune und Zimmerlautstärke passen schlecht zusammen. Mehrere Stimmungsmacher aus der Region fühlen sich zwischen Baum und Borke, übereinstimmend berichten sie: Die Kneipiers würden ihnen den Schwarzen Peter zuspielen. Denn zum zweiten Zwist komme es erst nach dem Fest. Hotel- und Restaurantbetreiber sagten Kunden, dass sie mit bestimmten DJs nicht mehr zusammenarbeiten würden, weil sie mit denen angeblich Ärger hatten. In einem aktuellen Fall war ein DJs so erbost, dass er gegen den Wirt aus dem Landkreis juristisch vorgehen wollte. Nun habe man sich geeinigt, samt Schadensersatz-Klausel.

André Kohrs legt seit 1987 Platten auf, 70 bis 80 Veranstaltungen absolviert er im Jahr. „Wirte sind oftmals nicht ehrlich zu den Gästen“, bilanziert DJ Snoopy André. „Die sagen den Kunden alles Mögliche zu, doch wenn die Veranstaltung läuft, ist plötzlich alles anders.“ Doch wenn dann der Kneipier vor ihm steht, zuckt der 45-Jährige erst einmal mit den Schultern: „Mein Auftraggeber ist ja nicht der Wirt. Er muss das mit dem Gast klären.“ Letztlich sind die Möglichkeiten begrenzt: „Der Wirt hat ja die Hand am Sicherungskasten.“

Nicht anders erlebt es Marco Mitteldorf: „Wenn ich immer leiser werde, ist das Publikum genervt. Vom Haus heißt es dann: Das liegt alles am DJ.“ Doch was solle er machen, wenn er die „Bässe rausnehmen“ soll, aber ein gesamter Abi-Ball sich auf dem Parkett vergnügen will? Er sieht das Problem darin, dass Gastwirte ein doppeltes Geschäft machen wollen: Einerseits vermieten sie in ihren Häusern Zimmer, gerade am Wochenende, auf dem Saal soll zusätzlich gefeiert werden, weil das Geld bringt. Doch schlaftrunkene Hotelgäste und eine Partygemeinde finden schwerlich einen Kompromiss.

Der 42-Jährige, der auch als Animateur bei Kinderfeiern arbeitet, reißt bundesweit im Jahr 220 Veranstaltungen ab. Sein Eindruck: „Verschärft hat sich das in den vergangenen sechs, sieben Jahren.“ Gerade nachdem manche Herbergen auf die Wellnessschiene setzten. Entspannung und wummernde Boxen vertragen sich nicht gut.

Klaus-Peter Methner steht seit 40 Jahren an Mischpulten. Er sagt: „Bei zwei Betrieben in der Region spiele ich nicht mehr.“ Mehrfach habe es dort Ärger mit den Betreibern gegeben, das sei so weit gegangen, dass „sie mir das Mikro abgedreht haben“. Der 65-Jährige erzählt: „Ich versuche im Vorfeld, mit Gastgeber und Wirt zu klären, ob es Vorgaben gibt. Doch die sagen nicht, dass es eine Begrenzung gibt.“ Und wenn es dann gegen 24 Uhr heiße, es müsse leiser werden, weil Anwohner sich beschweren, dann müsse der DJ das ausbaden: „Erklär mal hundert Leuten auf der Tanzfläche, dass nun Schluss ist.“ DJ KPM, der nebenberuflich mit rund 50 Auftritten pro Jahr als Stimmungsmacher unterwegs ist, sagt aber auch: „In 80 Prozent der Läden haben wir kein Problem.“

Die Musiker-Männer empfehlen ihren Kunden, die Lautstärkefrage mit Wirten eindeutig im Vorfeld zu klären, zu fragen, ob es Probleme mit Hotelgästen oder Nachbarn geben könne. Vor allem sollte eine Feier rechtzeitig gebucht werden, nicht erst zwei Monate vor der Hochzeit oder dem Geburtstag. Dann könne man reagieren und sich eine andere Lokalität suchen. Bei Feiern im Freien, also etwa in Gartenkolonien, sollte klar sein, dass oftmals gegen 22 Uhr das Ende für Musikbeschallung naht. Und bewusst sein sollte einem auch, wer drinnen feiert, kann dann aus Lärmgründen die Fenster nicht öffnen  ohne Klimaanlage und bei gut 30 Grad Raumtemperatur kann einem der Feierspaß vergehen.

One comment

  1. Als Discjockey, als Gastwirt, aber auch als Ausrichter einer Feier sollte man sich im Klaren sein, dass Hotelgäste und sogar Nachbarn gewisse Schutzrechte genießen, die sich im Wesentlichen nach der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm) richten. Die dort festgelegten Richtwerte sollte man schon einhalten. Wenn das der Fall ist, werden Hotelgäste und Nachbarn aber auch akzeptieren müssen, dass sie die eine oder andere Nacht nicht völlig ungestört zubringen können. Wer vorbeugen will, besorgt sich Ohrstöpsel – aber nicht die aus dem Drogeriemarkt, sondern individuell angefertigte vom Hörgeräteakustiker. Die kosten zwar, sitzen aber auch perfekt.