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Das Team von Robotechnology beobachtet sein Werk, der von ihm programmierte Robonator 3000 tunkt Marshmallows in Schokolade ein: (v.l.) Lars (14), Flurina (15), Carolyn (15) und Thorben (15). Foto: t&w
Das Team von Robotechnology beobachtet sein Werk, der von ihm programmierte Robonator 3000 tunkt Marshmallows in Schokolade ein: (v.l.) Lars (14), Flurina (15), Carolyn (15) und Thorben (15). Foto: t&w

Butterkekse stechen Marshmallows aus

jdr Lüneburg. Unterricht kann eine süße Angelegenheit sein. Diese Erfahrung haben 16 Schüler der Integrierten Gesamtschule Lüneburg gemacht. Sie bauten einen Roboter mit Greifarmen und programmierten ihn so, dass er eine beliebige Süßigkeit heben, sie in flüssige Kuvertüre tunken und zielgenau wieder ablegen kann. Das Projekt „RoboActivity“ der Stiftung Niedersachsen Metall und der Robert Bosch GmbH stand jetzt eine Woche lang bei ihnen auf dem Stundenplan.

In drei Teams aufgeteilt sollten die Mädchen und Jungen ihr unternehmerisches Geschick von der Entwicklung bis zur Präsentation eines Produkts unter Beweis stellen. Unterstützt wurden sie von Lehrer Dr. Jürgen Rauschenberg sowie Reinhold Hartfiel und einigen seiner Lehrlinge aus dem Hause Bosch. Das Projekt soll ein Interesse an technischen Berufen wecken. Doch nicht nur technisches Know-how, auch Kreativität und konzeptionelles Denken waren gefragt.

Susanne Harms von der Stiftung Niedersachsen Metall kann auf vier Jahre Projekterfahrung in Braunschweig und Osnabrück zurückblicken. Sie sagt: „Die Initiative der Schüler wird in vielerlei Hinsicht gefordert. Sie stellen sich technischen Problemen, müssen sich mit dem Marketing aber ebenso wie mit Hygienerichtlinien ausei­nandersetzen. Dabei lernen sie nicht nur methodisch vorzugehen, sondern innerhalb eines Teams zu funktionieren.“

Tom (15) von der Gruppe „Stardust Electronics“ sagt: „Wir haben uns alle Aufgaben geteilt, mir hat das Programmieren am besten gefallen.“ Teamkollege Timo (15) fand schnell sein Spezialgebiet: „Mein besonderes Talent lag in der Süßigkeitenvernichtung“, sagt er und erfährt kollektives Kopfnicken seiner lachenden Mitstreiter. „Schließlich mussten wir erstmal herausfinden, was am besten für unsere Idee geeignet ist.“ Max (16) fügt hinzu: „Timo hat uns fast alle Salzbrezeln aufgegessen. Aber immerhin war er dann zu 100 Prozent sicher, dass es die richtige Wahl ist.“

Eine andere Gruppe präsentiert den „Robonator 3000“. Carolyn (15) erklärt: „Wir haben uns bei der Süßigkeit für Marshmallows entschieden, weil sie praktisch sind. Durch ihre runde Form rollen sie im Spendersystem einfach nach, sobald der Greifarm sich einen genommen hat.“ Neben den pragmatischen Aspekten hatte dieses Team auch schnell verstanden, wie es in der Realität läuft: „Man hat auch schon mal bei der Konkurrenz geschaut die schläft ja nicht“, verrät Flurina (15) und grinst.

Das überzeugendste Gesamtpaket lieferte das Team „Chocolatetronic“ ab. Fiel die Wahl zunächst aus kulinarischen Gründen auf runde Butterkekse, erwies sich auch das obligatorische kleine Loch in der Mitte des Spritzgebäcks als hilfreich. Anatol (15) aus dem Siegerteam erklärt: „Wir haben die Arme des Roboters so angebracht, dass der Keks durch das Loch aufgespießt werden kann. Er hängt dann auf dem Arm und kann auch nicht in die Schokolade fallen.“ Ist die Leckerei erst mit der Kuvertüre versehen, legt der Chocolatetron sie auf einem leicht zu Boden geneigten Grillrost ab, von wo sie dann sanft hinunterrutscht. „Mit dieser Idee hab ich uns von Anfang an recht gute Gewinnchancen ausgerechnet“, meint Anatol zufrieden.

Alltagstauglich seien die Roboter jedoch leider nicht, gibt der 14-jährige Lars zu: „Unser Robonator 3000 braucht allein 1,08 Minuten, um den Marshmallow einzutunken. Ich glaube, da würde man verhungern.“ Den gewünschten Effekt hat das Projekt dennoch gebracht. Daniel (16) zum Beispiel kann sich gut vorstellen, einen Berufsweg in der Technik einzuschlagen. „Ich habe schon in der 4. Klasse Computer auseinander- und wieder zusammengebaut. Ich hatte ganz vergessen, wie viel Spaß es mir immer gemacht hat.“