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Warten auf den Start: Als Werkstattkofferwagen bei der Bahn wurde der Magirus Deutz Mercur von Olaf Zühr (vorn) aus Pinneberg ursprünglich genutzt. Foto: t&w
Warten auf den Start: Als Werkstattkofferwagen bei der Bahn wurde der Magirus Deutz Mercur von Olaf Zühr (vorn) aus Pinneberg ursprünglich genutzt. Foto: t&w

Knatternde Überraschung

pet Erbstorf. Als Werkstatt- oder auch als Funkkoffer-Wagen beim damaligen Bundesgrenzschutz haben sie schon vor mehr als 50 oder 60 Jahren zuverlässig ihren Dienst getan. Oder auch als Sanitätskofferwagen beim DRK und bei der Bundeswehr. Mittlerweile sind die Hanomag- und Magirus Deutz-Lastwagen in die Jahre gekommen, sind zum Hobby für Lkw-Liebhaber geworden.

Zu einer ganz besonderen Ausfahrt haben sich jetzt zwölf der Autobastler getroffen: Von Erbstorf aus ging es nach Lauenburg, wo das Servicecenter der Arbeiterwohlfahrt (Awo) sein zehnjähriges Bestehen feierte. Mit Tempo 60, manchmal 65, ging es gemütlich in die Elbstadt. ,,Ohne Navi. Ich habe nur einen kleinen Globus im Fahrerhaus“, sagte Hans-Helmut Frömming aus Alt Garge, der mit seinem Hanomag AL28, Baujahr 1963, dabei war.

Bei der Awo konnten die überraschten Bewohner und Gäste angesichts der Laster-Oldies und knatternden Motoren für einige Stunden in Nostalgie schwelgen und als Attraktion, in einem der Hanomag, einem ,,Gruppenkraftwagen“ mit neun Sitzen, eine ganz besondere Stadtrundfahrt durch Lauenburg machen. Mit einem stabilen Podest und der Hilfe starker Männer, die ihnen in den Wagen halfen, kamen auch die weniger mobilen Senioren in den Genuss der Ausfahrt. ,,Die alten Menschen waren begeistert“, berichtet Manfred Perlmann aus Erbstorf, der das Treffen organisiert hatte.

Perlmann ist stolz auf seinen Hanomag L28 mit Pritsche aus dem Jahr 1957. Frömming wollte ein ,,richtiges Auto“ haben, als er sich seinen Laster zulegte. ,,Er ist nicht der hübscheste, aber zuverlässig. In vier Jahren soll er fertig sein“, erzählt er.

Aus einem 28-PS-Traktoren-Motor wurde der Motor der Hanomag-Laster weiterentwickelt, berichtet Detlef Stamer aus Breitenfelde, der ,,Hanomag-Papst“, wie er manchmal bezeichnet wird. Bis auf 70 PS sei die Motorleistung gesteigert worden.

Schon 1952 wurde der Magirus Deutz S 3500 gebaut, mit dem Harald Frenz aus Bienenbüttel angereist ist das Besondere an seinem Fahrzeug: Für die Holzhandlung der Familie ist der Oldie nach wie vor in Betrieb. 7000 Mark hatte der Magirus Deutz vor mehr als 60 Jahren gekostet, weit mehr als 1,5 Millionen Kilometer hat er inzwischen auf dem Buckel.

Während Frenz hinten ,,offen“ fährt, sind die meisten seiner Lastwagenfreunde mit dem Kastenwagen unterwegs mit dem Vorteil, dass sie sich auf Reisen um ihre Unterkunft nicht kümmern müssen. Nicht nur Uwe Bente aus Clenze fährt mit seinem Hanomag AL28 in den Urlaub, hat sein Schmuckstück aus dem Baujahr 1970 dafür umgebaut: ,,Mein ehemaliger Bundesgrenzschutz-Funkkoffer ist jetzt ein Wohnmobil.“

Auch in Lauenburg kam den Hanomag- und Magirus-Deutz-Fans das entgegen: Nach ihrem Besuch bei den Senioren, gemeinsamem Essen und Besichtigungen ging es zum Fürstengarten, wo die Laster-Freunde in ihren mobilen Lieblingen übernachteten.