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Gina Rennhack (l.) interessiert sich für eine Fotografenausbildung bei der Firma Deerberg. Worauf es dabei ankommt erklären ihr Leonie Schmieta (r.) sowie Frederike Heselhaus (2.vl.) und Merle Kreyenbohm. Foto: kre
Gina Rennhack (l.) interessiert sich für eine Fotografenausbildung bei der Firma Deerberg. Worauf es dabei ankommt erklären ihr Leonie Schmieta (r.) sowie Frederike Heselhaus (2.vl.) und Merle Kreyenbohm. Foto: kre

Der Weg ins Berufsleben

kre Bienenbüttel. „Dachdecker und Zimmermann sind sexy Berufe“, sagt Franziska Bürgermeister von der Lüneburger Agentur für Arbeit. Die Berufsberaterin würde das auch gerne über andere sagen. Zum Beispiel über den Gas- und Wasserinstallateur. Doch der hat offensichtlich ein Imageproblem „viele Jugendliche rümpfen die Nase“, weiß Bürgermeister. Welche Ausbildungsberufe gefragt sind, welche Unternehmen noch Azubis suchen und welche Anforderungen die Betriebe an den Nachwuchs stellen, darüber können sich Jugendliche seit gestern auf der Bildungsmesse nordjob in Bienenbüttel informieren. 45 Unternehmen, Berufsfachschulen, Akademien und Beratungsinstitutionen stellen sich vor. Die Messe in der Ilmenauhalle hat auch heute noch geöffnet.

1366 Schüler aus 36 Schulen haben sich für konkrete Beratungsgespräche mit den Ausstellern angemeldet. ,,Das zeigt, dass unser Konzept aufgeht“, freut sich Organisatorin Dörthe Behnke vom Institut für Talententwicklung (IFT).

Neben ,,altbekannten“ Info-Ständen, etwa von Sparkasse, Bundeswehr und Polizei, sind dieses Mal auch wieder neue Unternehmen dabei: so auch die Firma Deerberg oder das Autohaus Wolter. Beide Stände sind dicht umlagert, die Mitarbeiter begehrte Gesprächspartner. Entsprechend gut gelaunt ist Michael Schneidau, Personalchef bei Wolter: ,,Die Messe hat gerade vier Stunden geöffnet und bei uns wurden schon acht Bewerbungen abgegeben“, freut sich der Auto-Spezialist. Ob Kfz-Mechatroniker, Lackierer oder Automobilkaufmann, „das Interesse der Jugendlichen an einem Ausbildungsplatz in unserem Betrieb ist groß“, freut sich Mitarbeiter Maximilian Laudien.

Auch nebenan bei Deerberg freut man sich über die gelungene Messepremiere: Hier informiert sich gerade Gina Rennhack aus Lüneburg bei Leonie Schmieta über die Voraussetzungen, die notwendig sind, um im Versandunternehmen eine Ausbildung zur Fotografin zu machen. ,,Ich fotografiere leidenschaftlich gerne“, sagt die 15-Jährige.

Die meisten Schüler haben sich schon Wochen vorher auf diesen Tag vorbereitet, sich für individuelle Beratungsgespräche angemeldet. ,,Das geschieht per Formular, das in den Schulen verteilt wird,“ berichtet Behnke. Ein organisatorischer Aufwand, der sich aber lohnt: „So konnten wir rund 3500 passgenaue Termine für die Schüler vereinbaren, das sind gut 20 Prozent mehr als im Vorjahr“, berichtet Behnke.

Auch jetzt, wenige Wochen vor Ausbildungsstart, ist es für Spätentschlossene nicht zu spät, einen Ausbildungsplatz zu ergattern. ,,Wir haben im Bereich der Lüneburger Agentur 1201 gemeldete Ausbildungsstellen, 3,2 Prozent mehr als 2013″, berichtet Franziska Bürgermeister. Gleichzeitig sei die Zahl der Bewerber rückläufig um 12,7 Prozent auf aktuell 1607. Damit gibt es rein rechnerisch noch immer einen Fehlbedarf an Lehrstellen, aber nicht alle, die sich jetzt um einen Ausbildungsplatz beworben haben, werden später auch eine Stelle antreten. Manche gehen weiter zur Schule, studieren oder machen ein Freiwilliges Soziales Jahr, listet die Berufsberaterin auf: ,,Angebot und Nachfrage werden sich also noch weiter angleichen“, ist sie überzeugt.

,,Gute Chancen auf eine Lehrstelle haben Bewerber vor allem noch im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Büro, sowie in der Metall- und Elektroindustrie“, bestätigt auch IHK-Ausbildungskoordinatorin Kirsten Deising. Oder eben als Gas- und Wasserinstallateur. Nur dass dieser Beruf eben nicht sonderlich sexy ist.