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Jetzt muss gepackt werden. Maria Stratmann-Boeck verlässt ihr Büro in der Kopernikus-Realschule. Die wird zum Ende des Schuljahres geschlossen. Foto: t&w
Jetzt muss gepackt werden. Maria Stratmann-Boeck verlässt ihr Büro in der Kopernikus-Realschule. Die wird zum Ende des Schuljahres geschlossen. Foto: t&w

Sportlich in den Ruhestand

mm Lüneburg. Winston Churchill wollte es im Alter ruhig angehen. Der britische Staatslenker plante, einen Schaukelstuhl zu kaufen und dann zu schaukeln. „Das könnte ich auch machen“, sagt Maria Stratmann-Boeck. Doch ihre leuchtenden Augen verraten: Ins Alter schaukeln ist nichts für die Rektorin der Kopernikus-Realschule, die jetzt ihren Schulbetrieb eingestellt hat (LZ berichtete). Deshalb wird die Schulleiterin nun mit 63 Jahren in den vorzeitigen Ruhstand gehen, ihre Betriebsamkeit jedoch nicht einstellen.

„Zuerst muss ich einen neuen Tagesrhythmus finden, ich hoffe das gelingt mir“, sagt Maria Stratmann-Boeck. Zu Schulzeiten schrillte morgens um sechs Uhr der Wecker, dann stand Frühgymnastik auf dem Plan, fit und munter ging es in die Schule. „Ich möchte jetzt noch mehr Sport machen“, verrät die Pädagogin. Eine Freundin habe sie schon aufs Golfspielen angesprochen. „Das probiere ich jetzt mal aus.“ Sie wolle überdies häufiger Fahrrad fahren, Schwimmen und ins Fitnessstudio gehen. Aber auch ihre Familie hält die 63-Jährige auf Trab. Sie habe nun mehr Zeit für ihren Ehemann, genug zu tun gebe es auch in ihrem großen Haus und dem Garten.

Genug hatte Maria Stratmann-Boeck einst auch von ihrer Schulkarriere. Nicht etwa als Lehrerin, sondern als Schülerin. „Nach der zwölften Klasse habe ich hingeschmissen“, erzählt sie. Familiäre Probleme nennt sie als Grund. „Natürlich war es ein Fehler, den bedaure ich noch heute.“ Doch der Fehler ermöglichte ihr auch einen anderen Bildungsweg. Denn die Schulabbrecherin entschied sich damals für eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-Technischen Assistentin (PTA). Die absolvierte sie in Isny im Allgäu. „Die zwei Jahre haben mir damals sehr gut getan.“

In die richtige Praxis tauchte sie ein in einer Apotheke in Lübeck ihrer Heimatstadt, auch wenn sie in Grevesmühlen in Mecklenburg-Vorpommern geboren wurde. In Lübeck sollte die ausgebildete Assistentin auch nicht bleiben. „Ich konnte mich für eine Lehrassistenz in der Dr. von Morgenstern Schule in Lüneburg bewerben.“ Sie wurde angenommen, gab fortan Unterricht, arbeitete auch im Labor und Sekretariat. Besonders das Unterrichten gefiel ihr. Stratmann-Boeck hegte den Wunsch, Lehramt zu studieren. Doch: „Das verpasste Abitur hing mir nach.“ Über eine Immaturenprüfung erwarb sie ihre Studienberechtigung an einer Pädagogischen Hochschule, und wechselte nach Lüneburg.

Im Examenssemester stand sie vor der Entscheidung: Lehrerin werden oder PTA-Assistentin bleiben? Die Wahl fiel auf den Schuldienst. Nach dem Referendariat in Uelzen wird die erste Station der jungen Chemie-Lehrerin Rethem an der Aller. Da waren sie und ihr Mann gerade frisch verheiratet, hatten ihr Eigenheim in Wittorf gebaut. Zwischen Rethem und Wittorf liegt ein weiter Weg, das Paar führte eine Wochenend-Ehe. Das ändert sich, als Maria Stratmann-Boeck eine Anstellung an der Orientierungsstufe in Winsen erhält. Sie wird schwanger, in kurzen Abständen kommen ein Sohn und eine Tochter zur Welt.

Die schulische Laufbahn geht weiter an der Orientierungsstufe (OS) Stadtmitte in Lüneburg. Hier wird sie nach zwischenzeitlichem Ausflug an den Kreideberg 1998 Schulleiterin. Mit der Abschaffung der OS im Jahr 2004 geht es zusammen mit ihrer damaligen Konrektorin Heidi Walsch an die Kopernikus-Schule nach Kaltenmoor, zehn Jahre leiten sie hier die Geschicke. Auch Heidi Walsch geht nun in den vorzeitigen Ruhestand.

Was Maria Stratmann-Boeck außer dem ständigen Kontakt zu ihren Schülern und dem Kollegium vermissen wird, ist der Vorsitz für Nicht-Schüler-Prüfungen an der Volkshochschule in Lüneburg und Barendorf. Dort können Schulabbrecher ihren Abschluss nachholen. Als Pensionärin muss sie ihr Amt niederlegen, in Lüneburg wird noch ein Nachfolger gesucht.