Aktuell
Home | Lokales | Neustart mit alten Bekannten
Sie wollen die CDU im Kreis zur neuen Blüte führen (v.l.): Jörg Sohst, Felix Petersen,  Regina Baumgarten, Günter Dubber, Ulrike Walter und Dr. Stefan Porwol bilden den neuen Vorstand des Kreisverbandes. Foto: t&w
Sie wollen die CDU im Kreis zur neuen Blüte führen (v.l.): Jörg Sohst, Felix Petersen, Regina Baumgarten, Günter Dubber, Ulrike Walter und Dr. Stefan Porwol bilden den neuen Vorstand des Kreisverbandes. Foto: t&w

Neustart mit alten Bekannten

kre Erbstorf. Es soll ein Neuanfang sein in der Lüneburger Kreis-CDU nach der verpatzten Landrats- und Oberbürgermeisterwahl im Mai: Mit neuem Vorstand, neuen Gesichtern, neuen Konzepten. So jedenfalls stellt sich das Günter Dubber vor, der neue Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Lüneburg. Mit 87,3 Prozent wurde der ehemalige Bürgermeister der Samtgemeinde Bardowick am Mittwochabend beim CDU-Kreisparteitag in Erbstorf zum Nachfolger von Eckhard Pols gewählt.

Der Parteiraison gehorchend, verzichtete der Bundestagsabgeordnete nur widerwillig auf eine erneute Kandidatur. Möglicherweise auch, weil er im neuen Führungspersonal der CDU nicht wirklich eine Erneuerung erkennen kann. Unterstützt wird Dubber künftig von Dr. Stefan Porwol, Lüneburgs ehemaligen Ersten Kreisrat und Kultus-Staatssekretär a.D. Der Adendorfer wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Genauso wie Regina Baumgarten aus der Stadt Lüneburg, Jörg Sohst aus Bleckede und Ulrike Walter aus Deutsch Evern. Neuer Schatzmeister der CDU ist Felix Petersen aus Amelinghausen.

Als Beisitzer wurden Thomas Bieler, Klaus-Jürgen Brammer, Florian Chwatinski, Britta Fechner, Hans-Georg Führinger, Heinrich Hauel, Finn Kahlstorf, Wolfgang Kuhn, Evelin Tiedemann und Yvonne von Hodenberg gewählt.

Doch dieses Personaltableau kann Pols nicht überzeugen: ,,Wo da die Erneuerung sein soll, kann ich nicht erkennen“, grämte er sich wenige Stunden vor dem Parteitag im Gespräch mit der LZ. Vor allem die Wahl von Regina Baumgarten in den Kreisvorstand ist für Pols ein rotes Tuch ,,das falsche Signal“, ist der Christdemokrat überzeugt. Kein Wunder, löste doch Pols nach der Kommunalwahl 2011 Baumgarten als Chefin der CDU-Stadtratsfraktion ab.

Auch als Dubber und Dr. Porwol erklären, dass es besser sei, Amt und Mandat künftig voneinander zu trennen, kann der Bundestagsabgeordnete nur mit Mühe an sich halten, verweist auf andere Kreisverbände: Ob Hennig Otte in Celle oder Jörg Hillmer in Uelzen ,,dort sind die Abgeordneten in Personalunion auch Kreisvorsitzende“. Und selbst die Kanzlerin könne auf starken Rückhalt als Parteivorsitzende bauen. Eine Doppelspitze mit ihm in der Parteiführung, das hätte sich Eckhard Pols noch vorstellen können seine Parteifreunde aber nicht. ,,Ein ,Weiter-so-wie-bisher kann es nicht geben“, sagt Dubber. ,,Wir sind in einer Situation, in der wir dringend was ändern müssen, zeigen, dass die Partei noch lebt.“

Mit dieser Analyse liegt der Bardowicker nicht so weit entfernt von Pols. Auch wenn der für die Ursachen des schlechten Abschneidens der CDU vor allem bei der OB-Wahl andere Schuldige ausgemacht hat Teile des Stadtverbands. ,,Ein Totalausfall mit dem Vorsitzenden Nils Webersinn an der Spitze“, rechnete Pols beim Kreisparteitag mit dem Lüneburger CDU-Parteichef ab, der erst seit wenigen Tagen Pols an der Spitze der Stadtratsfraktion ersetzt.

Webersinn habe sich aus dem Wahlkampf komplett verabschiedet, sei nicht präsent gewesen, polterte der Bundestagsabgeordnete. ,,Was ihr damit angerichtet habt, spottet jeder Beschreibung“, schimpfte Pols und setzte mit beißender Ironie nach: ,,Ich wundere mich, dass Webersinn zum CDU-Fraktionsvorsitzenden in der Stadt gewählt wurde. Aber vielleicht hat er jetzt mehr Zeit, sich in die Parteiarbeit einzubringen.“ Der so Gescholtene hörte sich die Vorwürfe ruhig, ohne eine Gesichtsregung an und schwieg. Auch bei der anschließenden Aussprache meldete er sich nicht zu Wort.

Dafür legte Pols in seinem letzten Rechenschaftsbericht den Finger in eine Wunde, die auch anderen großen Volksparteien bereits arge Schmerzen bereitet die zunehmende Überalterung: ,,Wir brauchen mehr junge Leute in Verantwortung“, mahnte Pols.

Und Sachthemen: ,,Es ist zurzeit sehr frustrierend, Mitglied des Kreistages zu sein“, sagte Dubber in seiner Vorstellungsrede. Er hätte in Anlehnung an den ehemaligen SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering auch sagen können: „Opposition ist Mist…“ 140 Millionen Euro Schuldenhilfe hätten Stadt und Kreis vom Land bekommen. Doch statt Schulden abzubauen, würden neue aufgehäuft. Dubbers Botschaft: Der Kreis braucht wieder eine starke CDU, die bereit sei, Verantwortung zu übernehmen. Schöne Worte, die brav mit Applaus bedacht wurden.

Und selbstverständlich könne man die gemeinsamen Ziele nur mit einem starken CDU-Bundestagsabgeordneten erreichen, der auch in Zukunft Eckhard Pols heißen soll. Doch daran glaubten am Mittwochabend offenbar nicht mehr alle anwesenden CDU-Mitglieder: Auf die Frage, ob Pols auch bei der Bundestagswahl 2017 als Kandidat aufgestellt werde, antwortete eine Christdemokratin im Hinausgehen: ,,Ehrlich gesagt, glaube ich das nicht…“