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Die Amerikanerinnen Jill Paxton (l.) und Kay Colvin waren am Wochenende in Luhmühlen als Showrichter im Einsatz. Bei insgesamt 650 Starts begannen ihre Tage morgens um 7 Uhr und endete am späten Abend. Foto: t&w
Die Amerikanerinnen Jill Paxton (l.) und Kay Colvin waren am Wochenende in Luhmühlen als Showrichter im Einsatz. Bei insgesamt 650 Starts begannen ihre Tage morgens um 7 Uhr und endete am späten Abend. Foto: t&w

Perfekter Partner auf vier Beinen

ml Luhmühlen. Die Hitze auf dem Gelände des Ausbildungszentrums Luhmühlen (AZL) scheint Jill Paxton nichts auszumachen. Der Stetson sitzt perfekt auf dem Kopf der blonden Amerikanerin, nicht eine Schweißperle ist auf ihrem dezent geschminkten Gesicht zu sehen. Das freundliche Lächeln wirkt, als habe sie alle Zeit der Welt, nur der Blick zur Uhr und die Frage „Can you walk and talk?“ signalisieren, dass Paxton es eilig hat. Auf dem Weg zu den Reitplätzen hinter den Hallen des AZL erklärt die Showrichterin dann, was die Faszination des Westernreitens ausmacht und was sie als Amerikanerin nach Luhmühlen zu den Internationalen Deutschen Meisterschaften der American Paint Horses verschlagen hat.

Nur wenige Meter weiter im Schatten einer Reithalle steht „Midnight Serenade“. Die Stute ist 16 Jahre alt und mustert mit irritierend türkisfarbenen Augen gelassen ihre Umgebung. „Es gibt nicht viel, was sie aus der Ruhe bringen kann“, sagt Katharina Dahm aus Buchholz und tätschelt den Hals des Pferdes. Seit 10 Jahren sind die 22-Jährige und „Midnight Serenade“ ein Team, und ein erfolgreiches noch dazu. Elf deutsche Meistertitel und eine Bronze-Medaille bei Europameisterschaften hat das Duo errungen. Zudem belegten die beiden zwei Jahre hintereinander Platz fünf in der europäischen Jahreswertung. „Spitze Zungen sagen, Westernreiten ist etwas für faule Reiter“, sagt Katharina Dahm. Sie selbst formuliert es natürlich anders: „Erfolg haben Pferd und Reiter bei Westernturnieren nur, wenn sie als Partner agieren.“ Die gescheckten American Paint Horses werden darauf trainiert, selbstständig zu agieren und auf den kleinsten Hinweis des Reiters zu reagieren. „Eine leichte Gewichtsverlagerung und ein leichter Schenkeldruck reichen aus, um das Pferd zu lenken, in vielen Situation ist noch nicht einmal das nötig“, erzählt die 22-Jährige, die fünf Mal in der Woche auf dem Rücken von „Midnight Serenade“ sitzt.

Ein wesentliches Kriterium für Showrichter wie Jill Paxton ist, ob die Führung des Reiters zu sehen ist. Falls ja, gibt es Punktabzüge. Der Zeitplan von Paxton und ihren drei Kolleginnen ist eng getaktet. Rund 650 Starts müssen sie bewerten, insgesamt 140 Pferde und ihre Reiter sind in Luhmühlen dabei. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland, den Niederlanden und Skandinavien. „Heute Morgen um 7 Uhr haben wir begonnen, vor 22 Uhr werden wir nicht fertig sein“, sagt Jill Paxton auf dem Weg zum sogenannten „Trail“-Parcours. In den USA ist Paxton Leiterin des Instituts für Reiterstudien und Pferdemanagement an der University of Findlay im Bundesstaat Ohio unweit des Eriesees, knapp 120 Kilometer westlich von Cleveland.

Den Einsatz der vier Amerikanerinnen in Luhmühlen erklärt Juliane Heino, Tochter von Turnierleiter Christoph Heino: „In Europa gibt es nur wenige ausgebildete und zugelassene Showrichter.“ Deshalb fordert auch der Paint Horse Club Germany regelmäßig Unterstützung beim Hauptverband in den USA an. Flug und Unterkunft zahlen die Europäer, deshalb nutzen viele US-Showrichter die Chance, Europa zu besuchen. „Am Ende profitieren beide Seiten“, sagt Juliane Heino.

Bein Westernreiten gibt es eine Vielzahl von Disziplinen. Fast alle haben einen Bezug zu den Wurzeln des Westernreitens der Ranch-Arbeit der Cowboys. So müssen Pferd und Reiter im „Trail“-Parcours unter anderem ein Gatter und eine Brücke passieren, beim „Cutting“ eine Kuh von der Herde trennen und getrennt halten sowie bei der Königsdisziplin, dem „Reining“, unter anderem aus dem Galopp einen Sliding-Stopp hinlegen: Dabei rutscht das Pferd mit der Hinterhand auf dem Boden, während es mit den Vorderbeinen bis zum Stillstand weiterläuft. Der Einsatz des Zügels ist tabu. Und das funktioniert natürlich nur mit dem perfekten Partner.