Donnerstag , 29. September 2016
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Der Wolf ist nach Niedersachsen zurückgekehrt und fühlt sich auch in der Heide wieder wohl. Weidetierhalter und Einwohner betroffener Landstriche machen sich zunehmend Sorgen. Foto: nh/Eike Mross
Der Wolf ist nach Niedersachsen zurückgekehrt und fühlt sich auch in der Heide wieder wohl. Weidetierhalter und Einwohner betroffener Landstriche machen sich zunehmend Sorgen. Foto: nh/Eike Mross

Schafhalter im Stich gelassen?

ol Bardowick. Geteilter Meinung sind viele Menschen in Niedersachsen beim Thema Wolf. Dass Isegrimms Rückkehr gemischte Gefühle ausgelöst wurde jetzt wieder deutlich bei einer Informationsveranstaltung im Gasthaus „Zum Anker“ in Bardowick, zu der das Ostpreußische Landesmuseum und die Jägerschaft Lüneburg eingeladen hatten.

Wolfsexperten stellten sich den Fragen der rund 150 Zuhörer. Kurator Dr. Christoph Hinkelmann vom Ostpreußischen Landesmuseum begrüßte auf dem Podium Torsten Broder (Jägerschaft), Dr. Britta Habbe (Landesjägerschaft), Peter Pabel (Hochwildring Göhrde), Christian Voigt (Hegering Amelinghausen), Werner Oldenburg (Bauernverband) und Michael Urbansky (Hochwildring Gartow-Lüchow).

Durch die Rückkehr des streng geschützten Wolfes in die Lüneburger Heide ist auch der Landkreis Lüneburg im Bereich Amelinghausen zum Wolfsgebiet geworden. Während Politiker, Naturschutzverbände und Stadtbewohner sich über die Rückkehr des Wolfes freuen, hält sich die Begeisterung der Bewohner um Amelinghausen und bei Weidetierhaltern, besonders bei den Schafhaltern, in Grenzen. Verärgert sind viele Weidetierhalter, weil sie auf eigene Kosten ihr Vieh mit aufwändigen und teuren Zäunen vor dem Wolf schützen müssen. Bei Schäden wird eine Entschädigung durch das Land nur dann gezahlt, wenn der Wolf mit einem DNA-Test als Verursacher nachgewiesen werden kann. Rechtsansprüche auf eine Entschädigung gibt es nicht. Die Folge: Einige Schafhalter haben bereits das Handtuch geworfen.

Viele Besucher fragten, wie viele Wölfe sollen es werden? „Über Anzahl und Wolfsgebiete wird zwar kontrovers diskutiert, konkrete Vorstellungen gibt es zurzeit nicht. Um die Wolfspopulation zu erhalten, sind etwa 1000 Individuen erforderlich, die aber nicht nur in Deutschland leben müssen“, erklärte die Wildbiologin Dr. Britta Habbe.

Obwohl Wölfe nach dem Bundesnaturschutz streng geschützt sind, begleitet und koordiniert der Bund die Ausbreitung der Wölfe nicht. In Niedersachsen ist die Landesjägerschaft mit dem Monitoring unter der Leitung von Dr. Britta Habbe beauftragt.

Die Ausführungen des Leiters des Hegeringes Amelinghausen, Christian Voigt, dokumentierten, dass nicht nur eine Verunsicherung der Menschen spürbar ist, auch die Wildbestände werden merklich reduziert. Bilder und Videoaufzeichnungen von zahlreichen Rissen, auch von starken Hirschen machten das deutlich: „Das Wild ändert sein Verhalten und weicht in andere Gebiete aus. Die Jagdausübung wird schwieriger und zeitaufwändiger. Derzeit haben die Wölfe ein großes Angebot an Beutetieren. Vorzugsweise und mit großer Intensität werden Frischlinge gerissen.“ Ehemals führende Bachen mit sechs bis acht Frischlingen seien oft nur noch ohne Nachwuchs anzutreffen.“

Sowohl Peter Pabel als auch Michael Urbanski sind zwar der Meinung, dass der Wolf wieder eine wichtige Aufgabe in der Natur haben und den Jägern einen Teil ihrer Beute abnehmen wird, Sorgen machen sich die beiden aber um das Muffelwild in der Göhrde. Der Fluchtinstinkt der Tiere ist nicht geeignet, um dem Wolf zu entkommen, die Gefahr groß, dass der Bestand ausgelöscht wird. „Wir bemühen uns um ein Rettungsprogramm für das älteste Muffelwildvorkommen“, so Pabel.“

Ein weiteres Thema war, was zu tun ist, wenn ein Autofahrer einen Wolf anfährt? „Der Autofahrer muss die Polizei anrufen, die dann das Kreisveterinäramt verständigt. Nur der Kreisveterinär darf entscheiden, wie dem Tier geholfen wird“, erklärte Habbe. Die Veranstaltung hat wieder gezeigt, dass noch Informationsbedarf besteht.

Daher informiert der Landkreis mit einem Flyer „Wolfsbegegnung was nun?“ Wolfssichtungen und Risse sind auch weiterhin einem Wolfsberater zu melden.

11 Kommentare

  1. was hat das muffelwild in der göhrde zu suchen? wie wäre es ersatzweise mit kängurus? die boxen die wölfe dann nieder.

  2. In der Tat wurde das Muffelwild von Wilhelm II. als Jagdwild in die Göhrde eingeführt. Warum das einstmals eingeführte Tier jetzt einen höheren Schutz genießen sollte, als der wiederkehrende Wolf ist mir schleierhaft, vielleicht ist ja aber die bejagbarkeit hier ein wichtiger Punkt? Auch dass Frischlinge von den Wölfen gerissen werden, scheint mir nicht allzu problematisch, haben wir doch onehin eine Überpopulation an Schwarzwild, der die Jäger nicht hinterherkommen.

    Ich halte ja eigentlich viel von unser Jägerschaft, aber diese Kommentare zu Muffelwild und Schwarzwild scheinen mir abstrus. Dagegen sollte man sich schon überlegen, wie man den Schafhaltern versichern kann, dass sie für aufkommende Schäden durch wölfe angemessen entschädigt werden.

  3. Hallo,

    grundsätzlich ist das Ergebnis korrekt. Nach fast 2Jahrunderten wo der böse Wolf in Erzählungen und Märchen verteufelt wurde (sogar heute werden Werwölfe gerne in Filme als Gruselmonster dargestellt) wäre es falsch zu glauben, dass diese Meinung sich sofort ändert. Grundsätzlich ist der Wolf ein ÖKO Ingenieur. Sein Auftreten verändert die Umwelt. Menschen haben mit diesen Veränderungen zu kämpfen auch wenn Sie sinnvoll sind. Die Details in diesem Bericht beweisen es. Das Schwarzwild ändert sein Verhalten in ein natürliches und zieht sich aus der Fläche zurück. Dafür nimmt in der Fläche der Weidedruck nach und Gebüsch wächst nach, was wiederrum Vögel anzieht. Mit den Vögeln kommen die kleineren Raubtiere wie Wiesel und Marder wieder vermehrt zurück. Diese wiederrum ziehen größere Raubvögel an und so weiter und so fort… Auch der Jagddruck durch den Fuchs wird reduziert was wiederrum andere Tiere eine Chance gibt… Das Endergebnis ist ein Gleichgewicht der Natur.
    Wir Menschen glauben aber immer wieder, dass wir aufgrund von Wissenschaft und Technik mehr wissen als die Natur und genau hier liegt das Problem. Man meint alles managen zu müssen dabei ist der Natur am besten geholfen, wenn man die Natur sich selbst überlässt.

    Die Herden müssen kleiner werden, was wiederrum neue Arbeitsplätze schafft. Pyrennen oder Abruzzenhunde schaffen zusätzlichen Schutz. Immerhin haben die Schäfer vor Jahrhunderten auch ohne EU Förderungen ihre Herden geschützt.

    • Naja, ganz so sieht es ja nun nicht aus, denn der Großteil unserer Flächen hier im Gebiet wird ja nicht einfach sich selbst überlassen, sondern ist Nutzland. Selbst wenn also das Schwarzwild sich aus der Fläche zurückzieht, dann bedeutet das nicht ein nachwachsen von Gebüsch in der überwiegenden Zahl der Fälle, denn der Bauer wird nicht plötzlich gebüsch wachsen lassen, wo er zuvor Mais angebaut hat.

      Die Idee alles sich selbst zu überlassen ist somit hinfällig, als das der Wolf bei uns ja nicht in eine Naturlandschaft, sondern in eine Kulturlandschaft einwandert. Im Übrigen sind kleinere Herden von Schafen betriebswirtschaftlich nicht haltbar, auch nicht wenn man Pyrenäen- oder Abruzzenhunde zum Schutz einsetzt. Grade in Landschaften wie der Lüneburger Heide sind Schnucken, Schafe und Ziegen aber für den Landschaftschutz unabdingbar (ein anderer grund warum der Mensch hier eingreifen sollte). Letztlich müsste also die Haltung dieses Kleinviehs also ohnehin in irgendeiner Form wirtschaftlich gemacht werden, wenn nicht in rahmen landwirtschaftlicher Nutzung, dann in Form von Landschaftsschutzmaßnahmen.

      Man muss mal zugeben können, dass der Mensch und sein Einfluss unsere niedersächsichen Landschaften über Jahrhunderte geprägt, wenn nicht gar hervorgebracht hat, und damit integraler Bestandteil derselben ist und zu deren Erhalt unabdingbar nötig ist. Zumal wir auch auf die Nutzung der Landschaften angewiesen sind.

      Wenn wir ein ‚Gleichgewicht der Natur‘ anstreben, dann muss der mensch nicht als außenvor, sondern Teil dieses Gleichgewichts gedacht werden.

      • Abwesenheitsnotiz

        Lieber Peter, sehr geehrte Damen & Herren, liebe Kollegen, werte Gesprächspartner: Ich bin urlaubsbedingt in den nächsten drei Wochen leider intensivst auf ausgedehnter Sofatour. Sobald Sie mich wachgerüttelt, ausgelacht und mit frischem Kaffee versorgt haben, werde ich mich umgehend mit einem nichtssagenden, aber durchaus interessiert klingenden Wortbeitrag im LZ-Forum melden. In der Zwischenzeit steht Ihnen bei wichtigen Fragen Google zur Verfügung, in dringenden Fällen rufen Sie bitte die Feuerwehr oder Hans-Dieter Kapteina von der INTERNATIONAL POLICE ASSOCIATION, Deutsche Sektion e.V., Landesgruppe Niedersachsen, Verbindungsstelle Lüneburg, Telefon: +494131 / 44469, E-Mail: admin@ipa-lueneburg.de

        Danke für Ihr Verständnis!

    • In der Natur gibt es kein natürliches Gleichgewicht. Der Wolf wird in der heutigen Kulturlandschaft in Deutschland nachhaltig Schaden anrichten, dazu ist hier mittlerweile zu viel besiedelt, vor 200 Jahren sah das noch ganz anders aus, wesentlich weniger Einwohner und mehr Landesfläche, kaum Straßen und keine Industriegebiete. Dann wurde der Wolf damals auch bejagt, somit hatte er scheu vor dem Menschen, er wird sich schnell an die neue Umgebung gewöhnen und auch in Dörfern oder Städten auf Jagd gehen, siehe Ostdeutschland, wo der Wolf schon tagsüber in Ortschaften erblickt wurde. Was die Schäfer betrifft, so wird der Wolf für viele das Aus bedeuten. Und Herdenschutzhunde sind nicht ganz unproblematisch, sie schützen die Herde auch vor anderen Eindringlingen, nicht nur dem Wolf, auch der Mensch sollte sich fernhalten.

      • In der Natur gibt es kein natürliches Gleichgewicht mehr , sobald der Mensch eingreift – müsste der Satz richtig heißen. Ansonsten erinnert mich der Kommentar stark an die Gebrüder Grimm Märchen.

  4. Die Leute machen aufgrund von ein bis zwei Wölfen sorgen um die Schafe? Täglich sterben Menschen bei Wildunfällen, da die Jäger ihre Arbeit nicht machen bzw. eine Massentierhaltung im Wald betreiben. Selten so einen Schwachsinn gelesen.

    • @ De Dente ……. Oha … da wird jetzt aber ganz schön was vermischt von Ihnen. Und nur 1-2 Wölfe ?! Der Bestand Rund um Amelinghausen ist bedeutend höher !!

      • Darüber lässt sich streiten, ob Wölfe die sich auf der „Durchreise“ befinden, als Bestandstiere zu zählen sind. Je mehr Wölfe desto besser. Jeder Wolf zählt, denn er kann Menschenleben retten, da er den völlig unnatürlichen Bestand reduziert, der von den Jägern über die Jahrhunderte gezüchtet wurde.

  5. Hinrich Hüttmann

    Leute, habt ihr euch eigentlich schon mal deutlich gemacht, dass unter den naturbewussten Feinden von Nachspeisen und Konditoreiprodukten wie Puddings, Babas, Savarins, Auflauf, Krapfen, Kroketten, Nocken, Omeletts, Eierkuchen, Crêpes, Schmarren, Strudel, Charlotten, Reis, Joghurt oder Quark mit Früchten, Crem- und Geleespeisen, Schokoladen, Pralinés, Flammeris und Sahnecremetorten das Baiser als der Wolf des genussfreudigen Gaumens gilt und von den heimischen Köstlichkeiten auf diskriminierende Weise abgegrenzt wird?

    Darüber lache ich wie jeder echte Kenner.

    Baiser, auch Spanischer Wind oder Meringue/Meringe genannt, kann man leicht geißeln als bloße Luftnummer aufgeschlagenen Zuckereiweißes, als wölfische Attacke auf wehrlose Zahnschmelzschafe und als Nährstoff oder Raketentreibsatz für übelriechende Körperwinde. Doch geht es bei dieser Süßigkeit, die aus Saccharose und mindestens 20 Prozent Hühnereiklar durch Trocknen hergestellt wird, um etwas ganz anderes: Ich nenne es Brain-Wellness-Inkubatoreuphorie. Man lehne sich zurück, vergesse alles Diesseitige, schließe die Augen, öffne die Lippen und drücke die Schneidezähne in das fragile Zuckergebilde. Unters Knirschen mischt sich grobes Krachen, wenn die Backenzähne die Grobstruktur in Fraktale zerteilen, und das sanfte Zermahlen dieser erzeugt ein Reiben wie von Schmirgelpapier. All diese schönen Geräusche sausen als Schallwellen durch den Mundraum, schwingen sich durch sämtliche Haupt- und Nebenhöhlen ins Gehirn, um dort von der Hirnrinde als Echo abzuprallen und sich mit neuen Schallwellen aus dem Mund zu einem unvergleichlichen Sounderlebnis zu verbinden. Kurzer Sinn: Das Baiser ist der Meditationstonträger, den man in den Mund schiebt.