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An einigen Stellen blüht bereits die Glockenheide (Erica tetralix). Die in der Region viel weiter verbreitete Besenheide (Calluna vulgaris) zieht in Kürze nach. Foto: t&w
An einigen Stellen blüht bereits die Glockenheide (Erica tetralix). Die in der Region viel weiter verbreitete Besenheide (Calluna vulgaris) zieht in Kürze nach. Foto: t&w

Die Erika blüht schon mal

so/dth Niederhaverbeck. Im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide beginnt in den größten zusammenhängenden Heideflächen Mitteleuropas in Kürze die Heideblüte. Die Glocken- oder Moorheide (Erica tetralix) blüht bereits. Die Besenheide (Calluna vulgaris) wird ihr mit zunehmender Intensität in den kommenden Tagen folgen. Insgesamt erwartet der Verein Naturschutzpark e.V. (VNP) eine gute Heideblüte im gesamten Naturschutzgebiet der zentralen Lüneburger Heide, insbesondere auf den in den letzten Jahren durch Mahd und Schoppern gepflegten Flächen. „Besonders schön blüht die Heide in den renaturierten, ehemalig militärisch genutzten Übungsbereichen zwischen Deimern, Schneverdingen und Niederhaverbeck. Insgesamt gesehen werden die Altheideflächen zuerst blühen, gefolgt von den jüngeren Heiden“, sagt Steffen Albers vom VNP. Aber nicht nur die Heide profitiert von den ergiebigen Niederschlägen des Frühjahrs, auch die Drahtschmiele und das Pfeifengras haben sich aufgrund der Feuchtigkeit gut entwickelt.

Für die Besenheide gilt sonst die Faustregel „Die Heide blüht vom 8.8 bis 9.9.“. Doch die viel besungene Erika, die Glockenheide, ist meist schon ab Juni dran, verleiht der Landschaft hier und da schon erste zartrosa Tupfer. Die Glockenheide verbreitet sich mit Vorliebe auf anmoorigen, nährstoffhaltigen Böden, im Gegensatz zur Besenheide, die weniger anspruchsvoll und eher auf sandigen Standorten dominant ist. Ein Beispiel für die sogenannte Sandheide im Landkreis Lüneburg findet sich in der Oldendorfer Totenstatt. Indikator für eher nährstoffhaltigere Böden sind Wacholderbüsche, ein gutes Beispiel dafür ist die Rehrhofer Heide. Und in der Schwindebecker Heide hat an einigen Stellen, nach dem gezielten Abbrennen einer Heidefläche, im vergangenen Jahr die Erika teilweise wieder Boden gut gemacht. Zu finden ist die Erika sonst, so Jannik Stolz vom VPN, an Plätzen wie dem Pietzmoor oder Wimmer Moor. Da allerdings auch die Pfeifengräser die feuchte Moor-Kühle suchen, konkurrieren sie um die Standorte mit der Glockenheide. Teilweise wird sich die Blüte von Glocken- und Besenheide zeitlich überschneiden. Im August dürfte aber die Erika schon wieder weitgehend verblüht sein, während die Calluna ihr lila Kleid über die Kulturlandschaft ausbreitet. Schätzungsweise nur rund drei Prozent der Heideflächen entfallen auf die Erika.

Rund 5000 Hektar Heideflächen liegen allein in der zentralen Lüneburger Heide zwischen Schneverdingen und Egestorf, Hanstedt und Behringen. Ein Wegenetz von 400 Kilometern Wander- und 300 Kilometern Reitwegen laden dazu ein, in der Hochzeit des Heidetourismus das Ereignis der Heideblüte zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Pferd oder Kutsche zu erleben.

Albers vom VNP sagt: „Ein sehr schöner Wanderweg führt vom Parkplatz Niederhaverbeck über Heidetal zum Wilseder Berg, der mit 169,2 Metern die höchste Erhebung im norddeutschen Tiefland darstellt. Von dort hat man einen weiten Rundblick und kann bei sehr klarem Wetter sogar den Hamburger Michel erkennen.“ Auch das autofreie Wilsede, im Herzen des Naturschutzgebietes, ist einen Ausflug wert. Unter alten Eichen und Buchen ruhen die alten Heidehäuser, umgeben von Steinmauern aus Findlingen. In Wilsede befindet sich auch das Heidemuseum „Dat ole Hus“. Dieses alte Haus wurde 1907 von Hanstedt nach Wilsede versetzt und feierte so vor einigen Jahren seinen 100. Geburtstag. Dort erfährt der Besucher, wie ein Bauernhof zur Zeit der Heidebauernwirtschaft eingerichtet war und wie die Menschen dort lebten. Das Museum ist in der Saison täglich von 10 bis 16 Uhr zu besichtigen.

Weitere Infos zum Naturschutzgebiet und der Arbeit des VNP gibt es unter www.verein-naturschutzpark.de.