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Die ganze Stintbrut vor Wedel gibt es nicht mehr, klagen Fischer bei Hamburg. Die sind krepiert. Die Hitzewelle und eine Algenblüte sorgen für ein Fischsterben in der Unterelbe. Doch es gibt vorsichtigen Grund zur Hoffnung. Foto: A./be
Die ganze Stintbrut vor Wedel gibt es nicht mehr, klagen Fischer bei Hamburg. Die sind krepiert. Die Hitzewelle und eine Algenblüte sorgen für ein Fischsterben in der Unterelbe. Doch es gibt vorsichtigen Grund zur Hoffnung. Foto: A./be

Tausende Fische ersticken in der Elbe

emi Lüneburg. Die Hitzewelle und eine Algenblüte haben in der Unterelbe ein Fischsterben ausgelöst. Meerforellen, Aale und Stinte sterben den Erstickungstod. Tiere mit einem Gesamtgewicht von rund 100 Tonnen sollen bei Wedel und vor Blankenese wegen sogenannter „Sauerstoff-Löcher“ mit weniger als 1,5 Milligramm Sauerstoff pro Liter verendet sein. Der Grenzwert liegt bei drei Milligramm. Für den Bereich der mittleren, rund 24 Grad warmen Elbe gibt die Betriebsstelle Lüneburg des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) Entwarnung.

„Die Sauerstoffsituation bei Lüneburg ist unkritisch“, sagt NLWKN-Sprecherin Herma Heyken. „Die Konzentration liegt zwischen 10 und 16 Milligramm pro Liter, ist also ausgesprochen hoch. Die hohen Werte sind Anzeichen der hier üblichen Algenblüte, deren negative Folgen sich erst im Bereich Hamburg zeigen.“

Dort bereitet das massive Algenwachstum in warmen Sommern regelmäßig Probleme, bestätigt Dr. Michael Haller vom Institut für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum in Geesthacht: „Wenn über längere Zeit warmes Wetter herrscht, wärmt sich das Wasser auf und löst in der Mittelelbe die Algenblüte aus.“ Die Algen treiben in Richtung Hamburger Hafen und gelangen nach dem Wehr in Geesthacht in das mehr als zehn Meter tiefe Elbwasser. „In diesen Regionen gelangt kein Licht an den Grund. Die Algen sterben ab und verbrauchen bei ihrer Zersetzung Sauerstoff“  und der fehlt dann den Fischen. Ältere Tiere weichen oftmals aus, aber viele Jungfische gehen kaputt.

Eckhard Panz aus Hohnstorf beobachtet seit rund zehn Tagen vermehrt aus dem Tiedebereich bei Hamburg abwandernde Brassen. Doch die erhöhte Fischzahl ist für den Elbefischer kein Grund zur Freude: „Wenn ein Abschnitt der Elbe geschädigt ist, wirkt sich das früher oder später auf den gesamten Fischbestand aus.“

Haller nennt als eine der wichtigen Ursachen für das intensive Algenwachstum die hohe Nährstoffbelastung durch die Düngemittel der Landwirtschaft und die Klärwerke. Den Sauerstoffmangel verschärfen laut Paul Schmid aber auch die „verheerenden“ Baggerarbeiten an der Fahrrinne sowie die Elbvertiefung. „Seit 1999 sind die sauerstoffarmen Zeiten in der Elbe deutlich mehr geworden“, sagt der Sprecher des BUND Hamburg. Sollte es eine erneute Elbvertiefung geben, bestehe die Gefahr, dass die Elbe eines Tages ökologisch tot sei.

Die Fischer bei Hamburg warten jetzt auf eine Wetteränderung, damit die Fische wieder Luft zum Atmen kriegen. Dann kann auch die Meerforelle weiter elbaufwärts ziehen. Sie will derzeit zur Ei-Ablage nach Tschechien, doch sie schafft es nicht, an dem „Todes-Wasser“ vorbei  und damit auch in die Flüsse im Bereich Lüneburg  zu kommen. Für Schmid besteht indes vorsichtiger Grund zur Hoffnung. Gestern habe es schließlich „ordentlich geschüttet“. Durch scharfen Ostwind habe sich auch die Sauerstoffkonzentration verbessert..