Aktuell
Home | Lokales | Bahn präsentiert Y-Trassen-Alternativen
Quer durch die Lüneburger Innenstadt schlängelte sich im April 2000 der Zug der knapp 1700 Demonstranten. Sie lehnten den Bau der Y-Trasse ab und forderten stattdessen den Ausbau der vorhandenen Schienennetze inklusive des dritten Gleises. Das dritte Gleis zwischen Stelle und Lüneburg ist jetzt fertig und die Y-Trasse steht erneut auf der Agenda. Foto: be
Quer durch die Lüneburger Innenstadt schlängelte sich im April 2000 der Zug der knapp 1700 Demonstranten. Sie lehnten den Bau der Y-Trasse ab und forderten stattdessen den Ausbau der vorhandenen Schienennetze inklusive des dritten Gleises. Das dritte Gleis zwischen Stelle und Lüneburg ist jetzt fertig und die Y-Trasse steht erneut auf der Agenda. Foto: be

Bahn präsentiert Y-Trassen-Alternativen

dth Lüneburg/Soltau. Im Auftrag des Bundes hat die Deutsche Bahn AG Alternativvarianten zur Aus- und Neubaustrecke Bremen/HamburgHannover untersucht. Dabei wurden fünf Alternativ- und eine Ergänzungsvariante zur sogenannten Y-Trasse betrachtet, einem umstrittenen Eisenbahnkreuz zwischen Langwedel, Lauenbrück und Isernhagen über Walsrode. Die Ergebnisse sollen in der kommenden Woche jetzt allen Interessierten bei einer großen öffentlichen Veranstaltung für die Region in Soltau vorgestellt werden.

Hintergrund: Die Y-Trasse, für die bereits seit 2001 ein Raumordnungsbeschluss vorliegt und noch bis 2016 gilt, lag lange Zeit auf Eis. Angesichts der laut Prognosen des Bundesverkehrsministeriums steigenden Gütermengen im Hamburger Hafen, hat die Bahn die Pläne wieder aus der Schublade geholt. Sollte die Y-Trasse seinerzeit als Hochgeschwindigkeitsstrecke dem Personenverkehr dienen, soll sie nun helfen, den Güterverkehr aus Bremen und Hamburg im sogenannten Hafenhinterland zu bewältigen. Zusätzlich wirft die Bahn verschiedene Varianten in die Waagschale. Sollte das Projekt tatsächlich konkret werden, rechnet Michael Baufeld, Sprecher Großprojekte bei der Deutschen Bahn, angesichts von Planungszeiten, möglichen Klageverfahren und Bauzeiten mit einer Fertigstellung um das Jahr 2030. Eine Abwägung zur Kosten-Nutzen-Analyse, auch im Konzert mit dem möglichen Weiterbau der A39 oder der Ertüchtigung des Elbe-Seitenkanals, soll der Bund vornehmen.

Die Ergebnisse der Variantenstudie zur Y-Trasse wurden von der Deutschen Bahn AG in den vergangenen Wochen den Vertretern des Bundes, der Länder Bremen, Hamburg und Niedersachsen sowie den Amts- und Mandatsträgern in den betroffenen Landkreisen und der Region Hannover vorgestellt bei sogenannten „Road-Shows“. Auch in den Kreisen Lüneburg und Harburg gab es Kritik angesichts der Art der Information. In der Region formieren sich zudem bereits neue Bürgerinitiativen, um gegen die möglichen Alternativvarianten vorzugehen. Bereits die ursprüngliche Y-Planung rief damals in der Heideregion breiten Widerstand hervor, der sich unter anderem in einer Demonstration mit rund 1700 Teilnehmern ausdrückte, die durch die Lüneburger Innenstadt bis zur damaligen Bezirksregierung zogen. Damals gingen mehr als 22000 Einzeleinwendungen und Listen gegen das Bahn-Projekt bei der Bezirksregierung ein. Den noch gültigen Raumordnungsbeschluss 2001 aber konnten sie nicht aufhalten, der die seinerzeit „ökologisch wie ökonomisch günstigste Lösung“, so die Bahn damals, festhielt. Jetzt geht alles auf Anfang.

Drei der neuen Varianten würden den Landkreis Lüneburg betreffen. Zum einen der Ausbau der Bestandsstrecke ab Ashausen, über Lüneburg und Uelzen mit einem weiteren Gleis. Dagegen hatte sich jedoch kürzlich bei der Einweihung des gerade in Betriebgenommenen dritten Gleises zwischen Stelle und Lüneburg Enak Ferlemann ausgesprochen. Der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums bezeichnete es als Wahnsinn, für ein weiteres Gleis einen Teil der Autobahn 39 nördlich von Lüneburg umlegen zu müssen und einen Teil des Winsener Bahnhofsgebäudes abzureißen. Zwei weitere mögliche Varianten, die den Kreis Lüneburg beträfen, sind Neubaustrecken: Ashausen-Unterlüß und Ashausen-Suderburg. Beide Trassen würden den westlichen Landkreis durchschneiden und unter anderem die Samtgemeinden Gellersen, Amelinghausen und Ilmenau berühren (Landeszeitung berichtete).

Die betroffenen Landkreise nehmen indes unterschiedliche Positionen ein. Die Lüneburger Verwaltungsspitze beispielsweise lehnt die Neubaustrecken ab und fordert die Ertüchtigung der bestehenden OHE-Strecke von Stelle über Hützel und Soltau nach Celle. Der Landkreis Uelzen hat sich stattdessen in einer Resolution gegen die Neubaustrecken Ashausen-Unterlüß/-Suderburg gewandt und fordert den Ausbau der Bestandsstrecke Hamburg-Hannover über Lüneburg und Uelzen. Der Landkreis Harburg wäre über eine Anbindung an Buchholz von allen Varianten betroffen. Die Verwaltungschefs der Kommunen und des Kreises sprachen sich in einer gemeinsamen Stellungnahme aber für das klassische Y über Walsrode aus und mahnten eine bessere Beteiligung der betroffenen Kommunen und Kreise am laufenden Prozess an.

Trotz der Kritik: Nach den Amts- und Mandatsträgern will die Bahn nun bei einer gesonderten Informationsveranstaltung die allgemeine Öffentlichkeit über die Ergebnisse der Variantenuntersuchung ins Bild setzen und allen Interessierten aus der Region vorstellen. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 29. Juli, 16.30 Uhr bis 20 Uhr in der Alten Reithalle in Soltau (Winsener Straße 34 g) statt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Vor der „Alten Reithalle“ wird die Deutsche Bahn von 10 bis 20 Uhr ihr „Infomobil Lärmschutz“ aufstellen. Dabei können sich Interessierte über das Thema Lärmschutz bei der Bahn informieren und unter anderem an interaktiven Terminals in die Wirkung verschiedener Schallschutzmaßnahmen hineinhören, das teilt die Deutsche Bahn mit. Demnächst soll es aufbauend auf die jetzige Informationsphase ein vom Land moderiertes Dialogverfahren zum weiteren Prozess geben.

Informationen rund um die Variantenuntersuchung stehen auf der Internetseite www.deutsche-bahn.com/Y-Alternativen zur Verfügung.

  • Das klassische Y und seine Alternativen
Das klassische Y: Nach Zehntausenden Einwendungen wurde 2000/2001 das Raumordnungsverfahren für die Y-Trasse abgeschlossen. Die Neubaustrecke verliefe demnach von Lauenbrück im Norden über Visselhövede bis Isernhagen im Süden mit dem Ausbau der bestehenden Strecke von Visselhövede in Richtung Westen nach Langwedel. Geschätzte Kosten; 2,7 Milliarden Euro. Variante Schienengüterverkehrs-Y: zweigleisige Neubaustrecke von Maschen bis Soltau mit Umfahrung Soltaus und von dort bis Celle sowie Ausbau der Strecke Soltau-Langwedel (2,5 Mrd. Euro). Variante Ausbau Bestand: Ausbau der Strecken Celle-Uelzen von zwei auf drei Gleise, Uelzen-Lüneburg von zwei auf vier und Lüneburg-Ashausen von drei auf vier Gleise (2,5 Mrd. Euro). Variante reduzierter Ausbau Bestand: Ausbau vor allem auf den Abschnitten Uelzen-Lüneburg und Lüneburg-Uelzen (Voraussetzung: Ausbau der Strecke über Uelzen-Stendal, läuft bereits abschnittsweise, um den sogenannten Ost-Korridor zu erreichen; 1,4 Mrd. Euro). Variante Ashausen-Unterlüß: Neubaustrecke vermutlich auch durch die Samtgemeinden Gellersen und Amelinghausen, zudem Anschluss an Uelzen zur Anbindung an „Amerikalinie“ (2 Mrd. Euro). Variante Ashausen-Suderburg: ähnlich der vorherigen Variante, mögliche Anbindung an Amerikalinie. Zusatzoption Ausbau Langwedel-Uelzen: Der Ausbau der Amerikalinie könnte nach dem Baukastenprinzip zusätzlich zu anderen Varianten vorgenommen werden, um weiteren Güterverkehr aus Bremen aufzunehmen (1,4 Mrd. Euro).