Mittwoch , 28. September 2016
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Foto: A./t&w
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Der Wolf fühlt sich zu Hause

lz Lüneburg/Unterlüß. Auf dem Gelände der Rheinmetall AG in der Lüneburger Heide bei Unterlüß wurden drei Wolfswelpen fotografiert: „Damit ist in Niedersachsen nun das vierte Wolfsrudel bestätigt“, sagt Dr. Britta Habbe, Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. Im Rahmen des Monitorings wurden seit gut einem Jahr einzelne Nachweise von einem Wolf in der Region erbracht. Zudem gab es dort Sichtungen von zwei Tieren, welche aber im Monitoring nicht als sichere Nachweise gewertet werden können. Unklar war auch bislang, ob sich das Territorium des Munsteraner Rudels bis hierhin erstreckte. Habbe: „Nun zeigt der Reproduktionsnachweis aber, dass sich im Landkreis Uelzen ein Territorium gebildet hat. Ob es sich bei einem der Elterntiere um einen Nachfahren aus dem Munsteraner Rudel handelt, ist noch offen.“

„Neben diesem neuen Rudel gibt es von den drei in Niedersachsen bekannten Rudeln bei Munster, Bergen und Gartow bislang nur beim Bergener Rudel einen gesicherten Nachweis auf Reproduktion in diesem Jahr bei den anderen Rudeln steht der Nachweis für Nachwuchs noch aus“, sagt Habbe weiter. In dem Territorium des in diesem Frühjahr bestätigten Wolfspaares bei Eschede gibt es noch keinen Hinweis auf Nachwuchs.

Einen neuen Einzelnachweis gibt es auch aus der Göhrde: Wie in der vergangenen Woche im Landkreis Cuxhaven sind nun auch dort Filmaufnahmen von einem zweiten Wolf entstanden. Konnte im Mai eine markierte Fähe mittels Wildkamera fotografiert werden, gelangen nun einem Jäger Filmaufnahmen von einem jungen Wolfsrüden. Das teilt die Landesjägerschaft mit. Sowohl im Kreis Cuxhaven als auch in der Göhrde besteht daher die Vermutung, dass sich hier jeweils ein Wolfspaar etablieren könnte. Nachweise von beiden Tieren gemeinsam stehen aber in beiden Regionen noch aus. Im Rahmen des Monitorings wird dies weiter untersucht werden.

„Gerade erkunden die jungen Wölfe auf dem Truppenübungsplatz Munster nahe der Samtgemeinde Amelinghausen ihre Umgebung. In der freien Natur kann es daher gelegentlich zu Begegnungen zwischen Mensch und Wolf kommen“, teilt Katrin Holzmann, Sprecherin des Landkreises Lüneburg mit. „Um Unsicherheiten abzubauen und einen souveränen Umgang mit dem Wolf zu ermöglichen, informiert der Landkreis Lüneburg die Bürger sowie Betriebe vor Ort derzeit gezielt mit einem neuen Flyer und Informationsveranstaltungen.“ Am vergangenen Mittwoch hatte Landrat Manfred Nahrstedt gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Tourismus-Unternehmer und insbesondere Reiterhof-Besitzer aus der Region zu einem Informationsabend ins Ausbildungszentrum Luhmühlen eingeladen. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Auswirkungen des Wolfsvorkommens auf den Tourismus. Melina Heinrich vom Niedersächsischen Umweltministerium und Vertreter aus der Lausitz, wo der Wolf schon länger wieder heimisch ist, berichteten über Erfahrungen mit dem Wolf und beantworteten Fragen der Unternehmer. Mathias Holsten vom Fachdienst Umwelt des Landkreises informierte über Schutzzäune, die der Landkreis derzeit mit Hilfe der Bingo-Umweltstiftung und ausgewählten Tierhaltern testet.

Der Flyer „Wolfsbegegnung Was nun?“ beantwortet Fragen zum Leben mit dem wilden Heimkehrer: Sind Wölfe eine Gefahr für den Menschen? Wie soll ich mich verhalten, wenn ich einem Wolf begegne? Wer sind meine Ansprechpartner? Das Faltblatt, das mit Unterstützung der Bingo Umweltstiftung entstand, gibt Hinweise zum richtigen Verhalten bei der Begegnung mit einem Wolf und soll die Angst vor dem „bösen Wolf“ nehmen, heißt es.

Weitere Informationen zum Wolf in der Region finden sich im Internet unter www.landkreis-lueneburg.de/wolf. In den kommenden Tagen wird der Wolfsinfo-Flyer bei den Kommunen im Landkreis Lüneburg erhältlich sein.

Wer selber Flyer auslegen möchte und eine größere Anzahl benötigt, wendet sich an die Pressestelle des Landkreises Lüneburg, Katrin Holzmann unter Tel.: 261274 oder per E-Mail an presse@landkreis.lueneburg.de.

Wolfsberater
Die Ausbreitung der Wölfe in Niedersachsen wird wissenschaftlich dokumentiert. Das Umweltministerium hat mit dem Wolfsmonitoring die Landesjägerschaft Niedersachsen beauftragt, die diese Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit dem NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und den rund 50 Wolfsberatern wahrnimmt. Wer Spuren, Losungen oder Risse findet, die auf einen Wolf hinweisen, oder einen Wolf sieht, sollte seinen Fund dem örtlichen Wolfsberater oder der Wolfsbeauftragten der Landesjägerschaft, Dr. Britta Habbe, melden (Tel.: 05 11 / 5 30 43 18). Wolfsberater im Landkreis Lüneburg sind unter anderem Mathias Holsten, Tel.: 0 41 31 / 26 12 09, Wolfgang Baumgärtner, Tel.: 0 41 33 / 81 64, Uwe Martens,Tel.: 0 41 34 / 65 01 und Ralf Neumann, Tel.: 0 41 35 / 80 83 39

Isegrims Population in Polen wächst

Isegrims Population in Polen wächst

Der Wolf kehrt nach Deutschland zurück, hat seinen Weg bereits über die Lausitz bis in die Lüneburger Heide gefunden. Und mit Blick auf die Wolfspopulation im westlichen Polen ist schon für Nachschub gesorgt: Im Vergleich zum letzten Jahr ist die Zahl der Wolfsrudel dort und nahe der Grenze zu Deutschland weiter angestiegen. Das belegen die Ergebnisse des vom IFAW (Internationaler Tierschutz-Fonds) und der Naturschutzstiftung EuroNatur finanzierten Wolfsmonitorings, das die polnische Naturschutzorganisation Association for Nature Wolf (AfN Wolf) durchführt. Die Wissenschaftler schätzten aufgrund ihrer Forschungen den Wolfsbestand zum Ende des Monitoring-Jahres 2013/14 westlich der Weichsel auf insgesamt 31 Rudel beziehungsweise Wolfspaare. Im Monitoringzeitraum davor waren es 26 Rudel. „Unklar ist, wie viele der fünf Territorien entlang der deutsch-polnischen Grenze sich sowohl auf deutscher als auch auf polnischer Seite erstrecken“, heißt es in einer Presseerklärung vom IFAW. Der IFAW und Wolfswissenschaftler fordern daher weiter ein grenzübergreifendes und koordiniertes Monitoring, um Doppelzählungen von Rudeln zu vermeiden. Zwei neue sich fortpflanzende Rudel wurden im Koszalin Wald, 80 Kilometer östlich von Stettin, und im Rzepin Wald, 35 Kilometer östlich von Eisenhüttenstadt, nachgewiesen. Weitere Hinweise auf die Anwesenheit von Wölfen südlich der Sudeten in der Tschechischen Republik lassen vermuten, dass Wölfe nach jahrzehntelanger Abwesenheit bald auch diese Region wieder dauerhaft besiedeln, heißt es in der Mitteilung. „Die Ergebnisse dieses Wolf-Monitorings sind erfreulich“, sagt Robert Kless vom IFAW-Deutschland. „Sie zeigen, dass die Schutzmaßnahmen in Polen greifen. Positive Bestandsentwicklungen dort wirken sich auch immer günstig auf die Wölfe in Deutschland aus, da sie mit den westpolnischen Wölfen schließlich eine Population bilden.“ Insgesamt konnten sich 2013 etwa 85 Prozent der Wolfsrudel in Westpolen erfolgreich fortpflanzen. „Dennoch gibt es weiterhin Gefahren für die Wölfe“, so Kless weiter. „Nicht nur Abschüsse gefährden den Bestand, auch der Straßenverkehr kostet immer wieder Wölfe das Leben.“ Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von EuroNatur, ergänzt: „Es ist dringend nötig, Wildtierkorridore zum Beispiel durch den Bau von Grünbrücken zu erhalten oder neu zu schaffen. Diese ebnen den Wölfen den Weg aus den ostpolnischen Lebensräumen in den Westen. Um die Akzeptanz der Wölfe auch in Westpolen zu erhöhen, ist die Aufklärungsarbeit eine wesentliche Aufgabe.“