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Feuerwehrleute füllen beim Hochwasser 2006 Sandsäcke auf dem alten Kohleplatz in Alt Garge. Bei der Deichverteidigung hat das Gelände immer eine zentrale Rolle gespielt, jetzt will Vattenfall den Platz verkaufen. Foto: A./t&w
Feuerwehrleute füllen beim Hochwasser 2006 Sandsäcke auf dem alten Kohleplatz in Alt Garge. Bei der Deichverteidigung hat das Gelände immer eine zentrale Rolle gespielt, jetzt will Vattenfall den Platz verkaufen. Foto: A./t&w

Gewerbe statt Deichschutz?

off Alt Garge. Er liegt direkt an der Elbe, misst fast 40000 Quadratmeter und ist bei Extremhochwassern Gold wert: der alte Kohleplatz in Alt Garge. Seit der Stilllegung des Kohlekraftwerkes 1974 wird das Gelände nicht mehr genutzt es sei denn, die Deiche müssen verteidigt werden. „Da der Platz direkt am Wasser liegt, aufgrund seiner Höhe aber nie überflutet wird, ist er wahnsinnig praktisch“, sagt Bleckedes Stadtbrandmeister Henning Banse. Nun will der Eigentümer Vattenfall das Gelände in Alt Garge verkaufen. Doch auch wenn es der Artlenburger Deichverband dem Landkreis Lüneburg ans Herz gelegt hat: Ins Geschäft kommen Energieriese und Kreis offenbar nicht.

Vorgesehen ist der Verkauf des alten Kohleplatzes schon seit längerem. Bisher ohne Erfolg. „Jetzt haben wir die Kaimauer saniert und werden das Gelände der Vermarktung zuführen“, sagt Vattenfallsprecherin Karen Kristine Hillmer. Der Landkreis Lüneburg ist über die Verkaufsabsichten des Unternehmens informiert. „Wir haben aber kein Interesse“, sagt Kreissprecherin Katrin Holzmann. Sollte das Gelände verkauft werden und für die Deichverteidigung nicht mehr zur Verfügung stehen, „werden wir uns einen anderen Platz suchen“, so Holzmann. Das hört sich einfach an. Dabei ist Stadtbrandmeister Banse überzeugt: „Ein Platz mit den Voraussetzungen ist eine Rarität.“

Bei allen Jahrhunderthochwassern der vergangenen Jahre spielte der Platz eine zentrale Rolle. Sandsäcke wurden befüllt und gelagert, Schuten legten dort an und brachten Sandsäcke zur Deichsicherung auf die andere Seite der Elbe, Big Bags wurden gelagert und Lkw beladen. „Der Platz war für unsere Zwecke super geeignet“, sagt Banse. Das sieht auch Deichhauptmann, Hartmut Burmester so. „Als Deichverband haben wir dem Landkreis Lüneburg empfohlen, den Platz zu kaufen“, sagt er. „Als Verband liegt das nicht in unserem Aufgabenbereich.“

Vermarkten will Vattenfall den Kohleplatz als Gewerbegebiet, „oder auch zur touristischen Nutzung“, sagt Firmensprecherin Hillmer. Ebenfalls verkauft werden soll das Nachbargelände des früheren Porenbetonwerkes die Fläche, auf der im Ende 2012 eine Arsenbelastung festgestellt wurde. Den verseuchten Boden hat Vattenfall entsorgt, Skepsis gibt es in der Region trotzdem, ob sich das Gelände verkaufen lässt.

Sollte der Kohleplatz tatsächlich verkauft werden, wäre das für die Deichverteidigung ein Verlust. Davon sind Stadtbrandmeister Banse und Deichhauptmann Burmester überzeugt. „Doch man muss auch den Landkreis verstehen, der sicherlich seine Gründe hat, den Platz nicht zu kaufen“, sagt Banse. „Der Platz ist wahnsinnig praktisch, aber wir werden im Ernstfall andere Möglichkeiten finden.“