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Das Gebäude des ehemaligen Schulamtes soll in ein Hotel umgewandelt werden, in einen Anbau eine Whisky-Destille einziehen. Foto: t&w
Das Gebäude des ehemaligen Schulamtes soll in ein Hotel umgewandelt werden, in einen Anbau eine Whisky-Destille einziehen. Foto: t&w

Anbau für Whisky-Brennerei

as Lüneburg. Die zukünftige Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes an der Egersdorffstraße, in dem einst das Schulamt der Stadt untergebracht war, blieb lange Zeit offen. Fast zehn Jahre versuchte die Stadt, das Gebäude, das 1438 für den Stadtsyndicus errichtet worden war, zu veräußern. Im vergangenen Jahr stimmte der Rat schließlich einstimmig dem Verkauf an den Bleckeder Unternehmer Stephan Scheer zu. Der möchte dort einen kleinen Hotelbetrieb nebst Whisky-Des­tille errichten. Das Vorhaben, das Altes bewahren will, aber auch einen neuen Anbau vorsieht, beschäftigte den Bauausschuss.

Stadtbaurätin Heike Gundermann erklärte eingangs, dass Scheer ein „überzeugendes Konzept“ vorgelegt habe. Nach derzeitigem Planungsstand sollen in den vier Geschossen des Gebäudes zirka 24 Gästezimmer eingerichtet werden. Im Erdgeschoss ist neben dem Empfang ein kleiner Küchenbereich mit zwei Frühstücksräumen vorgesehen. Ursprünglich plante der Bauherr eine kleine Whisky-Destille im Keller des Gebäudes. Doch aufgrund der brandschutztechnischen Bestimmungen und der historischen Decken erwies sich dies als nicht umsetzbar. Deshalb soll nun für die Destille in Höhe des Kellerbereichs des vorhandenen Gebäudes ein flacher Anbau mit begrüntem Flachdach entstehen. Eine Glasfront gibt den Blick frei auf das Innere der Destille.

Für den Anbau müsse man allerdings eine Ausnahme von der Gestaltungssatzung machen, erklärte die Stadtbaurätin. Das überarbeitete Regelwerk war erst Ende des vergangenen Jahres verabschiedet worden und gibt unter anderem vor, was bei der Sanierung und Modernisierung zu berücksichtigen ist, um das historische Stadtbild zu erhalten. „Eigentlich müsste der Anbau für die Destille ein Satteldach haben, was an dieser Stelle jedoch unpassend ist“, sagte Gundermann. Ein Argument, das auch Dr. Klaus Püttmann vom Landesamt für Denkmalpflege teile. Er beurteile die bauliche Lösung als optimal, da sie sich in die denkmalgeschützte Substanz einfüge, berichtete die Stadtbaurätin.

Als durchaus erfreulich bezeichnete Christian Burgdorff, dass es ein tragfähiges Konzept für das denkmalgeschützte Haus gebe. Das Mitglied des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt, das als beratendes Mitglied im Bauausschuss sitzt, äußerte aber auch Kritik: „Der Anbau hat Garagen-Charakter“, wirke wie eine Schachtel, meinte Burgdorff mit Blick auf eine Skizze. „Dass sich Neues von Altem unterscheidet, ist nicht immer gut.“ Gundermann hielt dagegen: „Mir gefällt die Lösung, die sich gegenüber dem Denkmal zurücknimmt.“

Bauherr Stephan Scheer, der in seiner Heimatstadt Bleckede schon mehrere denkmalgeschütze Objekte erfolgreich saniert hat, erklärte: „Wir arbeiten eng mit dem Denkmalschutz zusammen“, und bisher handele es sich nur um eine Skizze. Wesentlicher Bestandteil des Konzeptes sei auch ein öffentlich zugänglicher Weg, welcher Besucher über das Gelände bis zur Stadtmauer führt. Jeder könne durch die Glasfront in die Destille schauen, damit solle das Handwerk der Brennerei belebt werden.

Bei den Ausschussmitgliedern wie Birte Schellmann (FDP) kam der Anbau gut an. „Es ist wohltuend, dass dieser kein Dach hat und sich gegenüber dem historischen Gebäude zurücknimmt.“ Das sah auch Susanne Puschmann (Grüne) so. André Schuler (SPD) sprach von einem „sehr spannenden Objekt“.

Stadtbaurätin Gundermann verwies auch darauf, dass der Geltungsbereich des Sanierungsgebiets Wasserviertel um den Bereich altes Schulamt erweitert worden sei (LZ berichtete). Bisher habe das Land zwar noch nicht die Aufnahme des Grundstückes bestätigt, aber es gebe positive Signale. Die Stadt will demnächst eine Teilbaugenehmigung für das Projekt erteilen.