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Vier der neuen Berater und ihre Helfer: (hinten, v.l.) Jennifer, Monika Montz, Mara Leya, Anna sowie (v., v.l.) Len-nart und Sina. Foto: sin
Vier der neuen Berater und ihre Helfer: (hinten, v.l.) Jennifer, Monika Montz, Mara Leya, Anna sowie (v., v.l.) Len-nart und Sina. Foto: sin

Hilfe zur Selbsthilfe bei der Nummer gegen Kummer

sin Lüneburg. „Wir haben viel für die Telefonberatung gelernt, aber ebenso viel für unser eigenes Leben“, findet Sina. Ein Jahr lang ist sie zusammen mit 20 anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Berater für die Nummer gegen Kummer ausgebildet worden. Jetzt sollen sie eigenverantwortlich mit Rat helfen, wenn Mädchen und Jungen mit Sorgen die Hotline von „Jugendliche beraten Jugendliche“ wählen.

„Wir sind jedes Mal begeistert vom Engagement unserer Teilnehmer“, sagt Monica Montz, Vorsitzende des Kinderschutzbundes, unter dessen Dach das Projekt läuft. Sie überreichte nun die offiziellen Urkunden an die neuen Beratungsexperten, die rund 80 Stunden lang geschult worden waren. Ausbildungsleiterin Mara Leya erklärt: „Wir üben hauptsächlich die sichere Kommunikation in Krisensituationen. Man unterschätzt einfach, wie wichtig Mimik ist, bis man plötzlich nicht mehr auf sie zurückgreifen kann.“ Außerdem haben die Schulungsteilnehmer psychosoziale Projekte besucht sowie Praktiker der Drogenberatungsstelle und von ProFamila eingeladen. Eine etwa viermonatige Phase, in der die Jugendlichen zwar schon beratend am Telefon tätig sind, jedoch im Hintergrund durch Mara Leya unterstützt werden, haben sie schon hinter sich. Diese Hilfe im Hintergrund habe Sicherheit gegeben. „Das war beruhigend, man wusste, dass man diese Verantwortung nicht ganz allein trägt“, sagt Sina. Künftig wird es regelmäßig Supervisionen sowie Dienstbesprechungen geben, um weiter zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Jennifer wurde am Beratungs­telefon schon mit einem Fall konfrontiert, der sie sehr belastet habe. „Es ging um sexuellen Missbrauch. Ich bekam es einfach nicht mehr aus meinem Kopf, da hat mir Maras Unterstützung sehr geholfen“, erzählt die 20-Jährige. Die Sorgen und Nöte der jungen Anrufer erstrecken sich von Liebes- und Beziehungskrisen, über Gewalt, Druck, sexuelle Unsicherheit bis hin zum Mobbing. Die Beweggründe der jungen Leute, sich beim Dienst „Jugendliche beraten Jugendliche“ zu engagieren, sind ebenfalls ganz unterschiedlich. Bei manchen ist es primär der Wunsch, anderen zu helfen. Bei Lennart ist es ein anderes Motiv: „Ich wollte herausfinden, ob später vielleicht mal Psychologe ein möglicher Beruf für mich wäre“, sagt der 18-Jährige. Er schätzt die Abwechslung an der Beratertätigkeit: „Jeder Anruf ist anders.“ Die Herausforderung bestehe oftmals darin, sich in der Beratung zurückzuhalten. Die Berater wollen die Anrufer in erster Linie dazu ermutigen, die Lösung ihres Problems in sich selbst zu finden. „Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe“, ist sich das Beraterteam einig.

Rat am Telefon
Die Nummer gegen Kummer ist eine Einrichtung des Kinderschutzbundes für die Beratung von Kindern und Jugendlichen. Mädchen und Jungen können kostenlos anrufen unter Tel.: (0800) 111 0 333. Wochentags ist die Hotline von 14 bis 20 Uhr erreichbar, dann beraten Erwachsene am anderen Ende der Leitung. Sonnabends von 14 bis 20 Uhr sind unter der Nummer Jugendliche erreichbar. Wählt man vom Festnetz aus, wird man automatisch nach Lüneburg verbunden, mobil können es auch andere Städte in Deutschland sein. Mehr Informationen gibt es unter www.jbj-lüneburg.de im Internet.