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Auszubildende Katharina Werwein mit Peter. Der Kater ist Diabetiker und schon seit einem halben Jahr im Tierheim. Es traut sich einfach niemand, ihm die Insulinspritzen zu geben. Dabei lässt er das ganz brav über sich ergehen. Foto: jca
Auszubildende Katharina Werwein mit Peter. Der Kater ist Diabetiker und schon seit einem halben Jahr im Tierheim. Es traut sich einfach niemand, ihm die Insulinspritzen zu geben. Dabei lässt er das ganz brav über sich ergehen. Foto: jca

Samtpfoten führen Beliebtheitsskala an

jco Lüneburg. Für die Samtpfoten im Lüneburger Tierheim gibt es heute eine schöne Überraschung, die durch den Magen geht. Nicht ohne Grund, denn heute ist der Weltkatzentag. „Darum gibt es für unsere Katzen extra kleine Leckereien“, verrät Selina Martens, Geschäftsführerin der Einrichtung an der Bockelmannstraße.

Sie gelten als pflegeleicht, reinlich und verschmust: Rund 11,5 Millionen Katzen leben in deutschen Haushalten, damit sind die Stubentiger nach Angaben des Industrieverbandes Heimtierbedarf und des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands noch beliebter als Hunde und auf Platz 1 der Haustier-Hitliste. Der Weltkatzentag, der seit nunmehr zwölf Jahren stets am 8. August begangen wird, soll den Schutz und die artgerechte Haltung der Tiere ins Bewusstsein rufen. Wer dafür bei seinem eigenen Haustier nicht mehr aufkommen kann, wendet sich in Lüneburg an das Tierheim. Zur Zeit sind dort 72 Katzen untergebracht. „Um die 700 bis 800 Katzen kommen und gehen bei uns pro Jahr“, erklärt Selina Martens.

Unter den Tierheim-Bewohnern seien hauptsächlich Fundtiere, die angefüttert wurden und geblieben sind. „Manche werden uns auch einfach in einem Karton vor die Tür gestellt. Aber immerhin können wir uns dann direkt um die Kleinen kümmern“, erzählt Katharina Werwein, die als Auszubildende im Tierheim arbeitet. „Das ist immer noch besser, als wenn Menschen ihr Tier selbst entsorgen. Das haben wir hier alles schon mitbekommen.“

Probleme wie diese kennt man auch bei der Katzenhilfe in Bleckede. „Vor wenigen Tagen wurden uns zwei Neugeborene gebracht, die in einem Maisfeld beseitigt wurden. Wir päppeln sie jetzt wieder auf“, erzählt Brigitte Ruhnke. Sie ist die Vorsitzende des Vereins, der sich dafür einsetzt, das sich vor allem wilde Katzen nicht unkontrolliert vermehren. „Alle Tiere, die bei uns landen, werden entfloht, entwurmt und kastriert.“ 368 Katzen haben dieses Rundum-sorglos-Paket im vergangenen Jahr beim Verein bekommen. Mit großer Sorge blickt Brigitte Ruhnke auf die Situation auf einigen Bauernhöfen. „In jedem zweiten Fall werden die Geburtenkontrollen dort selbst geregelt und die Welpen ertränkt oder vor die Schaufel gesetzt.“ Dabei gebe es eine viel weniger grausame Lösung, um ungewollten Nachwuchs schon im Vorfeld zu verhindern: die Kastration. In Amelinghausen, Dahlenburg, Bleckede und in der Ostheide ist bereits eine Kastrationspflicht verordnet worden. „Nach ein paar Jahren werden wir dadurch mit Sicherheit einen Rückgang bei den Geburten feststellen können“, ist Ruhnke überzeugt.

Die Katzenhilfe Bleckede vermittelt nur Jungtiere. Ausgewachsene Katzen werden versorgt, anschließend aber wieder ausgesetzt. „Verwilderte Tiere lassen sich nicht mehr einfach von Menschen streicheln und umsorgen.“ Im Tierheim dagegen werden die zahmen Samtpfoten so lange behalten, bis sich ein neues Zuhause für sie findet. Einige müssen lange darauf warten, manche verlassen das Heim nie mehr. „Das macht einen schon traurig, wenn die Tiere nicht vermittelt werden können. Katzenbabys bleiben im Gegensatz dazu meist nur einen Tag hier“, erzählt Werwein. Der Niedlichkeitsfaktor hilft ungemein bei der Suche nach einem Quartier. Die 29-jährige Auszubildende hat vorübergehend vier junge Tiere mit zu sich nach Hause genommen, um ihnen die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. „So bekomme ich sie besser zahm. Wenn ich die Tiere bald wieder herbringe, werden sie immerhin nicht zu Langzeithockern.“ Auch solche Tiere heute vermitteln zu können, das wäre für das Tierheim-Team der ideale Weltkatzentag.

One comment

  1. Hallo ich möchte hier mal das Tierheim loben. Frau Martens und ihr Team arbeiten einfach Klasse. Trotz der vielen Schicksale die Sie seit Jahren erleben.