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Norbert Thiemann (v.l.), Rolf Twesten und Heiko Warnecke machen sich ein Bild vom Fortgang der Bauarbeiten am Deich in Artlenburg. Foto: bau
Norbert Thiemann (v.l.), Rolf Twesten und Heiko Warnecke machen sich ein Bild vom Fortgang der Bauarbeiten am Deich in Artlenburg. Foto: bau

Elbsand für die Deicherhöhung

bau Artlenburg. Bagger und Radlader bewegen in der Verlängerung der Deichstraße in Artlenburg zurzeit jede Menge Erdreich. An der Einmündung der Elbe in den Elbe-Seitenkanal lässt der Artlenburger Deichverband eine neue Deichüberfahrt bauen. Diese führt vom Vorland über den Damm auf den Deichverteidigungsweg. Eine zweite Rampe wird ebenfalls von der Firma Jeschke Bau aus Blomberg beim Hochwassersperrtor am Kanal auf der anderen Seite der Bundesstraße 209 vom dortigen Deich hinunter auf einen Wirtschaftsweg gebaut. Straße und Rampen benötigt der Deichverband, um aus dem Vorland 20.000 Kubikmeter Sand mit Lkw abzutransportieren, der für die Deicherhöhung im rund 15 Kilometer entfernten Schwinde in der Samtgemeinde Elbmarsch benötigt wird.

„Wir wollen die Ortslage Artlenburg nicht über Maß mit Lärm und Staub belasten, deshalb wird der Sand über die neue Straße und die beiden Rampen außerhalb der Ortslage abgefahren“, sagt Norbert Thiemann, Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes. Artlenburgs Bürgermeister Rolf Twesten sagt, ganz ohne Lärmbelästigung werde der Abtransport dennoch nicht vonstatten gehen. Er bittet die Anwohner um Verständnis. Das dürfte den Mitbürgern nicht schwerfallen, meint er. „Das Projekt dient der Deichsicherheit und davon profitieren wir alle, die an der Elbe leben“, so Twesten.

Beantragt sei vom Deichverband, dass die Lastwagen über die Bundesstraße, Brietlingen, Barum, Bütlingen und Tespe zur Elbuferstraße fahren und von dort aus weiter nach Schwinde, berichtet Thiemann. Nach Berechnungen von Heiko Warnecke, Diplom-Ingenieur beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Lüneburg, rollen ab Ende August, Anfang September mehr als 1000 Lkw-Ladungen von Artlenburg nach Schwinde.

„Der im Deichvorland in Artlenburg gelagerte Sand kommt aus der Elbe. Er ist die Hinterlassenschaft der vergangenen starken Hochwasser, die ihn angespült haben“, sagt Warnecke. Die Folge daraus: die Fahrrinne versandete. Mit Schwimmbaggern hat das Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg den Sand aus der Fahrrinne geschaufelt und dem Deichverband für den Deichbau überlassen. Rund 30000 Kubikmeter lagern in Artlenburg.

„Der Sand ist schadstofffrei“, betont Warnecke. Untersuchungen seien zu diesem Ergebnis gekommen. „Mögliche Verunreinigungen hat die Elbe mit flussabwärts genommen. So wurde der Sand auf natürliche Weise gespült“, erklärt er.

Heiko Warnecke ist der Planer der Deicherhöhung in der Samtgemeinde Elbmarsch und der Arbeiten in Artlenburg. „Die Deiche zwischen Rönne und Stover Rennbahn werden um 40 Zentimeter erhöht. Grundlage für die Maßnahme ist ein Rahmenplan von 1993, in dem die Erhöhung im Tidebereich hinter der Staustufe Geesthacht für nötig erachtet wurde.“

Die Arbeiten in diesem Bereich der Elbe haben schon 1995 begonnen. Es sei aber gut möglich, dass es bei der Deichhöhe noch einen Nachschlag gebe, so Warnecke. „Der Bemessungswasserstand für Sturmfluten wird zurzeit neu erarbeitet.“ Er ergibt sich aus einem extremen Hochwasserstand in der Vergangenheit beziehungsweise dem durchschnittlichen Hochwasser in einem bestimmten Zeitraum. Und da sich Sturmfluten an der Nordsee in der Elbe bis weit in das Gebiet des Artlenburger Deichverbandes auswirken, wird auch dieser von einem neuen Bemessungswasser betroffen sein. Ob eine weitere Deichnacherhöhung damit verbunden ist, sei noch unklar, sagt Warnecke.