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Wenn ein Auftrag für Opel in die Slowakei verlagert wird, reduziert Johnson Controls voraussichtlich in Lüneburg die Zahl der Leiharbeiter. Das sei in der Branche üblich, um flexibel auf die Anforderungen der Autoindustrie zu reagieren, heißt es aus dem Konzern. Foto: ca
Wenn ein Auftrag für Opel in die Slowakei verlagert wird, reduziert Johnson Controls voraussichtlich in Lüneburg die Zahl der Leiharbeiter. Das sei in der Branche üblich, um flexibel auf die Anforderungen der Autoindustrie zu reagieren, heißt es aus dem Konzern. Foto: ca

Bittere Pille für Belegschaft

ca Lüneburg. Die Botschaft hat eine gute und eine schlechte Seite: Für die Beschäftigten in den beiden Johnson-Controls-Werken an der Ilmenau stehen voraussichtlich kaum Entlassungen an, die Zahl der derzeit 130 Leiharbeiter könnte sich aber im kommenden Jahr deutlich reduzieren. Das hängt damit zusammen, dass der Zulieferer der Automobilindustrie einen Auftrag der Marke Opel von Lüneburg verlagern will. Wie viele Jobs betroffen sind, sei noch unklar, heißt es aus dem Unternehmen. Unter den mehr als tausend Mitarbeitern grassiert, wie berichtet, seit Monaten Unruhe: Eine inzwischen kassierte Fragebogenaktion der Geschäftsleitung sollte zu zehn Prozent Gehaltseinbußen führen, 4,5 Millionen Euro wollte der Konzern so jährlich sparen. Obendrein wurden im Frühjahr Pläne bekannt, nach denen Hunderte Stellen auf der Kippe stehen könnten.

Heute sagt Unternehmenssprecherin Astrid Schafmeister: „Wir haben uns entschieden, den Nachfolgeauftrag der Türverkleidung für den Opel Astra an das Werk Namestovo in der Slowakei zu vergeben. Serienstart für das Nachfolgemodell ist Mitte 2015. Grund für diese Entscheidung ist die zukünftig zu erwartende Rentabilität auf den Lebenszyklus von rund sechs Jahren des Fahrzeugmodells gerechnet. Die Wirtschaftlichkeit des Nachfolgeauftrags stellt sich in Namestovo deutlich besser als in Lüneburg dar.“ Kurz: Im Osten kann günstiger produziert werden.

Das sehen Kollegen in Lüneburg anders. Einer, der einen Einblick hat, namentlich aber nicht genannt werden will, sagt, dass in dem Schwesterwerk nicht in gleicher Qualität wie in der Heide produziert werde. Zudem glaubt der Mann, dass es nicht klappen wird, eine spezielle Spritzgussmaschine aus Lüneburg in die Slowakei zu schaffen. Die werde hier schlichtweg gebraucht.

Auch mache man sich Sorgen, sagt der Beschäftigte, welche Folgen eine neue Entwicklung haben könnte: Johnson Controls (JC) möchte mit der Yanfeng-Gruppe fusionieren, JC hielte 30, die Chinesen 70 Prozent am Gemeinschaftskonzern. Im Fusionstopf würden auch die beiden Standorte an der Lüner Rennbahn und in der Goseburg liegen. Die Arbeitnehmer fragen sich, ob Veränderungen auf sie zukommen.

Astrid Schafmeister sagt: „Ob und inwieweit das geplante Joint Venture mit Yanfeng Auswirkungen auf das Lüneburger Werk haben wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Die geplante Transaktion unterliegt noch der Genehmigung der Kartellämter, wir erwarten den endgültigen Abschluss erst für die erste Hälfte 2015.“

Zum Hintergrund: JC und Yanfeng sind beide in der Zulieferindustrie tätig, produzieren etwa Sitze, Innenverkleidungen und Dachhimmel. JC betreibt seit Jahren auch mehrere Werke in China. Seit 15 Jahren arbeiten die beiden Konzerne bereits zusammen, betreiben in Shanghai ein gemeinsames Entwicklungszentrum. Kommt es zur Fusion, soll dort auch der Sitz des Joint Ventures liegen. Nach Unternehmensangaben würde durch den Zusammenschluss „der weltweit größte Zulieferer für Komponenten und Systeme im Bereich automobile Innenausstattung“ entstehen.

Die Lage der Automobilbranche ist bekanntlich nicht einfach. Der Markt im Süden Europas schwächelt aufgrund der Wirtschaftskrise. Dazu haben mehrere Autokonzerne angekündigt, Investitionen herunterfahren zu wollen, um sich für die Zukunft sicherer aufzustellen. Die JC-Firmensprecherin sagt, das Management kämpfe darum, Folgeaufträge etwa von BMW und VW zu sichern und neue hereinzuholen, auch um die aktuell 1104 Arbeitsplätze inklusive der Leiharbeiter in Lüneburg zu halten. Einfach sei das aber nicht: „Angesichts des aktuellen Marktumfelds und einer Intensivierung des Wettbewerbs steht bei all unseren Projekten und bei allen internen Auftragsvergaben an unsere Standorte stets die Gesamtwirtschaftlichkeit unserer Projekte im Vordergrund.“ Heißt: Ist es hier zu teuer, dann gehen Aufträge an andere Standorte im internationalen JC-Reich.

13 Kommentare

  1. so ist es nun mal, wenn man bei einer firma anfängt, die aktionäre hat und die global unterwegs ist. dort sind arbeitsplätze nie sicher.
    was sagt uns das? sich vorher überlegen, ob man sowas unterstützt und dort arbeitet. klingt einfach, ist es aber nicht.

  2. Rund 97.000 Mitarbeiter Weltweit bei Mercedes/Daimler-Benz, 550.000 Tausend im VW-Konzern und unzählige Millionen Beschäftigte bei anderen Aktiengesellschaften rund um den Globus werden sich Ihren Kommentar „Klaus“ bestimmt zu Herzen nehmen. Sofern sie ihn denn lesen und für informativ halten.

    Ergänzend sei noch angemerkt, dass die Gewinnoptimierung auch in anderen Betrieben, Banken und Sparkassen, die keine Aktiengesellschaften sind, im Vordergrund steht. Das hat auch nicht nur mit der von unserer Regierung so oft als Heilsbringer beschworenen Globalisierung etwas zu tun. Es ist einfach nur die Gier nach noch mehr Profit. Schließlich steigen mit jeder Gewinnoptimierung auch die Bezüge der Führungskräfte. Menschen und Arbeitsplätze spielen da schon lange keine Rolle mehr.

    Eine freie und soziale Marktwirtschaft wie in Zeiten von Konrad Adenauer und Ludwig Erhardt gibt es schon lange nicht mehr. Damals waren vielen Unternehmen noch von Inhabern geführt, die eine ernsthafte Verantwortung für ihre Belegschaft gesehen haben. Das gibt es Heute vielleicht noch in kleinen Handwerksbetrieben. Doch grundsätzlich wird der Mensch wie eine Ware behandelt. Im Vordergrund steht nur Geld, Geld, Geld.

    Eine Weissagung der Cree lautet: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

    Doch erst dann wird die Menschheit es begriffen haben. Noch lacht sie darüber und glaubt, dass es nie dazu kommen wird. Ja – der Glaube kann manchmal sehr stark sein.

    • Liebe Heidi,

      kann es sein, dass wir das gleiche Problem haben? Es ist nicht so, dass ich mit mir unzufrieden bin. Es ist auch nicht so, dass ich mich über so manchen Erfolg nicht auch heute noch freuen kann. Dennoch konnte ich mich als Schulmädchen mehr rühmen: Da hab ich sieben Jahre hintereinander je vier mal pro Jahr Geschichte geschrieben.

    • tja heidi, zeitarbeitnehmer nehmen sich so manches zu herzen. besonders bei den großkonzernen. was die optimierung angeht. sie erinnern mich an pyrrhussiege, oder doch nur an operationen? operation gelungen patient tot.

    • Heidi, reingefallen, indem Sie auf diesen Mist antworten. Das ist einfach nur krank, man sieht es hier an zahllosen Kommentaren der immer gleichen Art. Da bettelt einer um Aufmerksamkeit, die er zu Hause nicht bekommt, und Sie sollten ihm keinen weiteren Satz schenken…

      • na na, na. hohmann , sie erinnern mich an jemanden , es ist schon jahrzehnte her, der glaubte, etwas zu wissen, hatte glocken läuten gehört, wusste aber nicht, wo sie hängen. seltsam, ich dachte, in der neuzeit wären wir alle aufgeklärt? Streitkultur kommt von kultur. und diese kultur beinhaltet mit argumenten zu antworten. polemik und ähnliches dummes zeug sollte man doch denen überlassen, die es nötig haben. ich kann ihnen versichern, es ist nicht nur einer hier unterwegs, der es gewohnt ist, über seinen tellerrand zu schauen. heidi hat mit ihrem kommentar ziemlich genau die wirklichkeit getroffen. im gegensatz zu ihnen.

        • …dann frage ich mich, wo Sie Ihren ersten, an Zynismus kaum zu überbietenden Kommentar einordnen. Soll das Kultur, „beinhaltet mit Argumenten“, sein ?? Vielleicht für einen, der verbeamtet im Finanzamt hockt, mit sich und seiner Zeit nichts anzufangen weiß und dem es Vergnügen bereitet, Leiharbeiter und andere Opfer der Globalisierung zu verhöhnen…

          • lesen und verstehen ist bei vielen zweierlei. woran liegt das wohl? will man nur verstehen, was man selbst denkt? leiharbeiter gehören bei uns zu den verlierern. warum ist das wohl so? wer wurde verhöhnt?

  3. @ Klaus. Sie haben Recht, Ihr wirres Zeug verstehe ich nicht, weil es einer „Logik“ folgt, die nur Sie entschlüsseln können. Auf gut deutsch: Sie faseln unerträglich herum. „die Zahl der derzeit 130 Leiharbeiter könnte sich aber im kommenden Jahr deutlich reduzieren.“ , heißt es in der LZ . Daraufhin verhöhnen Sie die Betroffenen: „sich vorher überlegen, ob man sowas unterstützt und dort arbeitet.“ Das ist menschenverachtend. Warum sind die Leiharbeiter die Verlierer ? Doch nicht, weil sie aus freien Stücken die miesesten Jobs bei windigen Unternehmen annehmen, sondern weil sie keine andere Wahl haben. Wollen Sie das wirklich bestreiten ? Dann sind Sie auf einem bemerkenswerten Niveau angelangt…

  4. tja, sie wollen nicht verstehen und sind auf krawall gebürstet. wir lassen es besser. nur so am rande. mein schwiegersohn und meine tochter mussten jahrelang als leiharbeiter arbeiten. wenn sie also glauben, nur sie verstehen etwas von dieser thematik, dann dürfen sie es ruhig weiter tun.

  5. wir alle können Sie so gut verstehen. Je älter man wird, desto unzufriedener wird man mit recht vielen, vormals guten, alten Dingen. Das gilt auch und gerade für Besucher von Kommentarseiten wie Sie und mich und Klaus und all die andern, und wohl ganz besonders für Besucher von diesen Kommentarseiten. Und ehrlich gesagt denke ich, daß es bei mir dereinst wohl nicht sehr viel anders sein wird; ich stelle mir vor, wie ich in unbestimmter Zukunft einmal die LZ-Leserbriefe screenen und grämlich verbittert erkennen werde, daß früher alles sehr viel besser und humorvoller war; ich sehe es lebhaft vor mir, wie ich die Beiträge des einen oder anderen Autors einfach nur schlecht, ja sogar sauschlecht und vielleicht sogar unkomisch finden werde – apropos: Dieser Fachmanntext hier ist ja auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Wer druckt denn so einen Schwachsinn? Gibt es denn keine redaktionelle Kontrolle, die so einen Müll verhindert? Eigentlich eine bodenlose Frechheit. Danke, ich habe genug: ICH KÜNDIGE!

  6. Die Botschaft hat eine gute und eine schlechte Seite: Für die Beschäftigten in den beiden Johnson-Controls-Werken an der Ilmenau stehen voraussichtlich kaum Entlassungen an, die Zahl der derzeit 130 Leiharbeiter könnte sich aber im kommenden Jahr deutlich reduzieren

    seltsam, gehören leiharbeiter nicht zu den beschäftigten? wenn dieses so ist, warum ist das so? müssen die auch andere kleidung tragen? haben wir nicht ein antidiskriminierungsgesetz? oder bestehen leiharbeitsfirmen auf den unterschied?

  7. Das mit der Globalisierung wird in den nächsten Jahren noch weitere Probleme für Deutschland mit sich bringen. Dazu kommt noch ein höherer Grad an Automatisierung. Deutschland wird seine Menschen in 10-20 Jahren kaum noch (lohnend) beschäftigen können.

    Das Kapital wird nur noch in Richtung Großaktionäre verteilt. Die ehm. Mittelschicht blutet aus….