Donnerstag , 29. September 2016
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Wer sich bei individuellen Vermögensfragen nicht auf das Gesetz verlassen möchte, kann diese durch den Abschluss eines Ehevertrags sehr viel genauer und nach seinen persönlichen Vorstellungen und Verhältnissen regeln. Foto: A./nh
Wer sich bei individuellen Vermögensfragen nicht auf das Gesetz verlassen möchte, kann diese durch den Abschluss eines Ehevertrags sehr viel genauer und nach seinen persönlichen Vorstellungen und Verhältnissen regeln. Foto: A./nh

Spielregeln nach der Ehe

rast Lüneburg. Nach dem Scheitern einer Ehe stellt sich häufig heraus, dass die Ehegatten ganz unterschiedliche Vorstellungen für die Zeit nach der Ehe haben. Häufig denkt der finanziell schwächer gestellte Partner, dass er durch die Ehe einen Anspruch auf eine lebenslange Versorgung erworben hat. ,,Das stimmt nur eingeschränkt“, sagt die Notarkammer Celle, der auch die Notare in Stadt und Landkreis Lüneburg angeschlossen sind, und empfiehlt: Schon vor der Eheschließung darüber nachdenken, wie der Lebensunterhalt nach einer möglichen Scheidung gesichert werden kann. Dafür haben die Notare einige Tipps parat:

Wer sich bei individuellen Vermögensfragen nicht auf das Gesetz verlassen möchte, kann diese durch Abschluss eines Ehevertrags viel genauer und nach seinen persönlichen Vorstellungen und Verhältnissen regeln. Der Abschluss des Vertrags, der notariell beurkundet werden muss, ist freiwillig und kann vor Beginn der Ehe, aber auch zu einem beliebigen späteren Zeitpunkt geschlossen werden. Bei der Gestaltung gilt wie bei anderen Verträgen die Vertragsfreiheit. Allerdings darf der aus beruflichen oder wirtschaftlichen Gründen unterlegene Partner nicht übermäßig benachteiligt werden. Dem Partner, der die gemeinsamen Kinder betreut, darf beispielsweise ohne finanziellen Ausgleich nicht der Betreuungsunterhalt gestrichen werden.

Heiratet das Paar, bildet es ohne Ehevertrag automatisch eine Zugewinngemeinschaft. Sofern ein Partner selbstständig ist oder er sein Vermögen in ein Unternehmen investiert hat, lohnt es sich, eine Gütertrennung zu vereinbaren. Vorteil: Die Vermögen sind getrennt und bleiben es. Die Eheleute können aber auch festlegen, dass der andere Partner im Falle einer Scheidung trotz Gütertrennung die aus einem Vermögenszuwachs entstandenen Zuwendungen erhält. Um Streit vorzubeugen, ist ein finanzieller Ausgleich auch dann angemessen, wenn einer oder beide Eheleute über Vermögen in Form von Firmen, Beteiligungen, Immobilien oder Wertpapieren verfügt. Zu beachten ist, dass die Vereinbarung der Gütertrennung auch erbrechtliche Folgen hat, da sie den Erbteil des überlebenden Gatten vermindert.

Doch es muss nicht immer der gänzliche Ausschluss des Zugewinns sein. Oft reicht bereits die Modifizierung des gesetzlichen Güterstands der Zugewinngemeinschaft. Die Eheleute können sich zum Beispiel darauf einigen, dass ein betriebliches Vermögen oder der Wert einer selbstständigen Existenz, wie eine Arzt- oder Anwaltspraxis, dem Zugewinn nicht unterliegen soll.

Der Ehevertrag kann auch Unterhaltsfragen regeln. So kann festgelegt werden, unter welchen Bedingungen und bis zu welchem Zeitpunkt der betreuende Elternteil ausschließlich für die Kinderbetreuung zuständig sein soll und ab wann und in welchem Umfang der Elternteil wieder in den Beruf einsteigen kann. Der Abschluss eines Ehevertrags ist auch notwendig, wenn die Eheleute den gesetzlich vorgesehenen Versorgungsausgleich, also den Ausgleich der während der Ehe erworbenen Anwartschaften für das Rentenalter, bei einer Scheidung ausschließen möchten.

Auch in Sachen Erbe haben die Eheleute Gestaltungsmöglichkeiten. Verbunden mit einem Erbvertrag können sie zum Beispiel Regelungen für Erbeinsetzung, Vermächtnisanordnung und Auflagen bestimmen. Lohnenswert ist ein Ehevertrag, wenn einer der Partner oder beide einmal oder mehrmals verheiratet waren und aus früheren Ehen Ansprüche bestehen.