Dienstag , 27. September 2016
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Auf seinen Feldern zwischen Bardowick und Lüneburg hat Christoph Cordes bereits mit der Ernte von Speisekartoffeln begonnen. Die Haupternte im Kreis startet voraussichtlich Anfang/Mitte September. Foto: t&w
Auf seinen Feldern zwischen Bardowick und Lüneburg hat Christoph Cordes bereits mit der Ernte von Speisekartoffeln begonnen. Die Haupternte im Kreis startet voraussichtlich Anfang/Mitte September. Foto: t&w

Die ersten Kartoffelroder rollen

off Lüneburg. Er ist bekannt dafür, einer der Ersten zu sein und ist auch in diesem Jahr so früh dran wie kaum ein anderer Kartoffelbauer im Kreis. Vor Tagen schon hat der Landwirt Christoph Cordes an der Ilmenau die ersten Speisekartoffeln gerodet, rund zwei Wochen vor dem klassischen Startschuss für die Hauptkartoffelernte Anfang September. „Da meine Felder in der Ilmenauniederung liegen, minimieren wir mit der früheren Ernte das Risiko, dass die Flächen zu nass werden“, sagt Cordes. Seine Zwischenbilanz nach den ersten abgeernteten Feldern: „Qualität durchschnittlich, Größe passend, Ertrag in Ordnung.“ Nur die Erzeugerpreise sind recht niedrig, liegen bei gerade mal der Hälfte der Vorjahrespreise.

Der Grund für die niedrigen Preise: Das recht milde Winter- und Frühjahrswetter hat früh für ein großes Angebot gesorgt, „und wie immer, wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage, sinken die Preise“, sagt der Geschäftsführer des Südergellerser Unternehmens Lünekartoffel, Michael Kleinlein. Lag der Preis für eine Dezitonne (100 Kilogramm) Speisekartoffeln letztes Jahr um diese Zeit bei rund 25 Euro, „bekommen die Landwirte momentan nur rund 11 Euro“, sagt Kleinlein.

Entscheidend für die weitere Preisentwicklung ist zudem der Ernteverlauf. „Momentan läuft noch die Ernte der frühen Kartoffelsorten, die hauptsächlich frisch vermarktet werden“, sagt Kleinlein. Erst Anfang/Mitte September startet dann die Haupternte im Landkreis Lüneburg, „das sind dann die Kartoffeln, die größtenteils eingelagert werden“. Bis dahin hofft Kartoffelbauer Hinrich Wieckhorst noch auf ein bisschen Regen. „Und wenn es dann mit dem Roden losgeht, wünschen wir uns trockenes Spätsommerwetter.“ Doch als Landwirt weiß Wieckhorst nur zu gut: Er wird mit dem Wetter umgehen müssen, das kommt.

Optimal für den Kartoffelanbau wäre Trockenheit beim Pflanzen, Niederschlag nach dem Auflaufen der Kartoffeln, danach Wärme, aber keine Hitze, dafür regelmäßiger Regen und Trockenheit beim Roden. Manches hat sich in diesem Jahr erfüllt, anderes nicht. „Vor allem die Feuchtigkeit im Frühjahr und die extreme Hitze der letzten Wochen hat den Kartoffeln zu schaffen gemacht und für Probleme wie Krautfäule und die Blattkrankheit Alter­naria gesorgt“, sagt Wieckhorst. Trotzdem rechnet auch der Oerzener mit einer „recht guten“ Ernte, „auch wenn das Kartoffeljahr für uns Landwirte eine Herausforderung war“.

Nicht anders ging es Jürgen Lütjens aus Köhlingen mit einem Unterschied: Der Ökobauer konnte die Krautfäule nicht wegspritzen. „Wir hatten allerdings insofern Glück, dass das Kraut langsam über gut drei Wochen und nicht innerhalb weniger Tage verfault ist“, sagt Lütjens. Fehlt das Kraut, können die Kartoffeln in der Erde nicht mehr wachsen. „Das ist bei uns zum Glück erst dann passiert, als sich die Kartoffeln bereits einigermaßen entwickelt hatten.“ Definitiv wird es Lütjens zwar erst nach der Ernte wissen, „aber geschätzt werden wir etwa ein Drittel weniger Kartoffeln ernten als im vergangenen Jahr“. Ärgerlich, aber „keine Katastrophe“.

Mit aktuell 32 Euro pro Dezitonne liegt der Preis für Ökokartoffeln ähnlich niedrig wie bei konventioneller Ware. „Egal wie hoch oder niedrig der konventionelle Kartoffelpreis ist“, sagt Lütjens, „in der Regel bekommen wir etwa das Dreifache“. Wie sich die Ökopreise weiter entwickeln, „wird auch davon abhängen, wie die Ernte in Italien und Österreich ist“. Den Ländern, aus denen „recht viel Ökokartoffeln nach Deutschland importiert werden“, so Lütjens.

Für die Kartoffelbauern egal ob öko oder konventionell war es somit ein durchwachsenes Jahr. Preisbewusste Verbraucher hingegen können sich freuen: In den Supermärkten sind die Kartoffeln derzeit deutlich günstiger als im Vorjahr.