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Der bürokratische Aufwand für die Bearbeitung der Reha-Sport-Angebote ist schon immens groß jetzt fürchten Annette Kork und ihre Vorstandskollegen im TuS Hohnstorf, dass er noch größer und damit nicht mehr zu bewältigen sein  wird. Foto: be
Der bürokratische Aufwand für die Bearbeitung der Reha-Sport-Angebote ist schon immens groß jetzt fürchten Annette Kork und ihre Vorstandskollegen im TuS Hohnstorf, dass er noch größer und damit nicht mehr zu bewältigen sein  wird. Foto: be

Verein fühlt sich „überrumpelt“

pet Hohnstorf. Viele Menschen kommen mit Herzproblemen, manche quält eine Wirbelsäulenerkrankung oder eine Arthrose, andere wollen mit ihrem Gelenkersatz besser umgehen können. Insgesamt sind es etwa 200 Frauen und Männer, die an einer der vielen Rehabilitations-Sportgruppen des TuS Hohnstorf teilnehmen. Ob der Reha-Sport vom TuS auf Dauer angeboten werden kann, ist ungewiss die Vereinsverantwortlichen fürchten künftig mehr Bürokratie, die dann innerhalb der ehrenamtlichen Strukturen nicht mehr zu bewältigen ist.

Grund für den Unmut beim TuS Hohnstorf, mit 1250 Mitgliedern einer der größten Landvereine im Kreis Lüneburg, ist ein Schreiben des Niedersächsischen Turner-Bunds (NTB) vom 14. Juni 2014. Darin informiert der NTB die im Reha-Sport tätigen Vereine darüber, dass der Verband der Ersatzkassen (vdek) ,,bis spätestens zum 31. Januar 2015 von allen Vereinen die elektronische Abrechnung … mittels Datenträgerübermittlung“ verlangt. Im Schreiben des Turnerbunds heißt es: ,,Für manche bringt diese automatische Abrechnung Erleichterung, an anderen Stellen belastet es auch wieder mal die ehrenamtlichen Strukturen.“ Im Klartext: Wo bislang ein Stift und ein Formular für die Abrechnung reichten, muss am 2015 ein Computer mit geeigneter Software her.

Vor zehn Jahren wurde die erste Rehabilitationssportgruppe im TuS Hohnstorf gegründet. ,,Eine Herzsportgruppe“, erzählt Annette Kork, Geschäftsführerin des TuS und im Vereinsvorstand für Finanzen und Organisation zuständig. Seit der Gründung wächst der Bereich Reha-Sport ständig, aus dem gesamten Umkreis kommen die Teilnehmer mit ihren ärztlichen Verordnungen nach Hohnstorf, sogar aus Boizenburg, sehr viele aus Lauenburg, weil es dort entsprechende Angebote nicht gibt. Mit Uwe Diercks, Daniel Neckel, Manuela Werner, Hildelies Stephan, Anja Brocks und Doris Schroller kümmern sich sechs speziell ausgebildete Übungsleiter um die Aktiven.

Der TuS Hohnstorf hat prompt auf den Brief des NTB reagiert und direkt an Heiner Bartling, Präsident des Niedersächsischen Turner-Bunds, geschrieben. Schon jetzt sei die Abrechnung der von den Ärzten ausgestellten Verordnungen eine ,,Mammutaufgabe“, schreibt Jens Kaidas, 2. Vorsitzender des TuS. Die Abrechnung ,,kommt einem Halbtagsjob gleich und ist nur zu bewältigen, weil wir eine ,verrückte Geschäftsführerin haben.“ Aus der Umstellung von der Papier- auf die elektronische Abrechnung fürchtet Kaidas eine zusätzliche Belastung der ehrenamtlichen Strukturen des Vereins. Annette Kork: ,,Großvereine mit ihren Hauptamtlichen mögen da weniger Probleme haben.“ Doch wie kleine Vereine die Umstellung bewältigen sollen, ist ihr schleierhaft. Zumal der NTB die Vereine „überrumpelt“ habe, es an Rückendeckung für die Ehrenamtlichen fehlen lasse.

Kaidas Fazit: ,,Für uns ist das nicht akzeptabel. Wir werden, wenn sich die Umstellung negativ und belastend auswirken sollte, den Rehabilitationssport in unserem Verein einstellen.“ Und weiter: ,,Dieses haben uns auch andere ehrenamtlich geführte Vereine signalisiert. Das bedeutet, dass es in der Fläche keinen Gesundheitssport mehr geben wird, sondern nur noch in hauptamtlich geführten Großvereinen. Patienten mit ärztlicher Verordnung müssten dann weite Fahrten auf sich nehmen oder zu den Krankengymnastikpraxen gehen.“

Die Verantwortlichen beim TuS Hohnstorf fürchten den bürokratischen Aufwand. ,,Und die Umstellung kommt nur“, so Annette Kork, ,,damit es Verbände und Krankenkassen leichter haben.“ Die Hohns­torfer vermissen seitens des NTB Rückendeckung gegenüber den Ansprüchen des Verbands der Ersatzkassen. Kork: ,,Die müssten doch für uns als Ehrenamtliche eintreten und uns die Arbeit erleichtern. Das ist nicht passiert. Wir fühlen uns im Stich gelassen.“

Bisher vermisst man beim TuS Hohnstorf vor allem auch eine Reaktion auf das Schreiben vom 23. Juni die hat es auch zwei Monate später noch nicht gegeben.