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Bis vor wenigen Monaten hatte Friedrich Weber aus Garze mit Tablets, Touchpad, Apps und E-Paper nichts zu tun. Doch dann schenkte ihm sein Enkel ein Tablet, damit er sich die Zeitung vergrößern kann. Einfach toll, findet der 89-Jährige. Fotos: t&w
Bis vor wenigen Monaten hatte Friedrich Weber aus Garze mit Tablets, Touchpad, Apps und E-Paper nichts zu tun. Doch dann schenkte ihm sein Enkel ein Tablet, damit er sich die Zeitung vergrößern kann. Einfach toll, findet der 89-Jährige. Fotos: t&w

Ein Tablet-Computer für Opa

off Garze. Jeden Morgen nach dem Frühstück lehnt sich Friedrich Weber im Stuhl zurück, stellt die Kaffeetasse neben sich und greift zu seinem schwarzen Tablet-PC. Ein kurzer Klick, drei kurze Wischbewegungen mit Daumen und Zeigefinger, dann beginnt die morgendliche Zeitungslektüre des Garzers exakt in der Schriftgröße, die er gut lesen kann. Mit fast 90 hat der gelernte Lokführer die Vorteile der neuesten Computertechnik entdeckt. Und kann sich ein Leben ohne sein Tablet heute nicht mehr vorstellen.

Noch ist Friedrich Weber als Tabletnutzer die Ausnahme unter den Senioren. Nach Angaben des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) nutzt ab 65 Jahren gerade mal jeder Zehnte einen ­Tablet-Computer. Doch der Trend scheint klar: Es werden mehr. Die Stiftung Digitale Chancen und die E-Plus-Gruppe haben 2012 sogar ein gemeinsames Projekt ins Leben gerufen, um älteren Menschen den Tablet-PC näher zu bringen. In 18 Städten ist das Projekt „Tablet PCs für Seniorinnen und Senioren“ mittlerweile entweder bereits abgeschlossen oder angelaufen. Vier Wochen lang erhalten Senioren in Altenheimen kostenlos Tablets und Internetzugang, danach bleibt ein Teil der Geräte dauerhaft in der Einrichtung.

4456433Hunderte Senioren hat das Projekt mittlerweile erreicht, eine von ihnen ist die pensionierte Lehrerin Ilse Sturk. Im Magazin „Der Spiegel“ schilderte sie kurz nach dem Projektstart ihre Erfahrungen mit dem Tablet. „Das hat mich richtig high gemacht. Also ich kann die Kinder verstehen, die gerne auf solchen Pads herumspielen. Ich kam mir plötzlich auch wieder vor wie ein Kind.“ Es ging ihr wie dem Garzer Friedrich Weber: Einmal Blut geleckt, wollte sie ihren Tablet-PC nicht mehr hergeben.

Anders als bei Ilse Sturk hat kein Projekt Friedrich Weber aufs Tablet gestoßen. Sondern sein Enkel Thorge. „Weil mein Großvater die LZ auch mit stärksten Lupen irgendwann nicht mehr lesen konnte, haben wir nach Alternativen gesucht“, sagt der 21-Jährige. Eine wäre eine mehrere Tausend Euro teure Lesehilfe gewesen. Die andere ein extragroßes Tablet für wenige Hundert Euro. Thorge Meyer kaufte seinem Opa das Tab. Und der 89-Jährige entdeckte eine ganz neue Welt.

Berührungsängste hatte der Rentner nicht. „Ich wollte das ja“, sagt er, „damit ich wieder meine Zeitung lesen kann.“ Ein bisschen Übung, dann hatte er den Kniff mit dem Wischen, Zoomen und Blättern raus. Nur das Starten der LZ-E-Paper-App und das Einloggen übernimmt entweder seine Tochter oder eins der Enkelkinder. Das Internet, die Wetter-App und die vielen anderen Möglichkeiten seines Tabs lässt Friedrich Weber links liegen. Noch zumindest. Denn wer mit 89 Jahren die Vorteile der elektronischen Zeitung entdeckt, kann mit 90 auch noch die Möglichkeiten des Internets erforschen. Wer weiß. Ohne Tablet will Friedrich Weber zumindest nicht mehr leben. Denn das hieße: „Ich könnte meine Zeitung nicht mehr alleine lesen.“

Nutzung und Verbreitung
Tablet-Computer sind tragbare Rechner, die über einen berührungsempfindlichen Bildschirm mit den Fingern gesteuert werden. Per W-Lan oder das Mobilfunknetz werden sie drahtlos mit dem Internet verbunden. Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbandes Bitkom nutzt gut jeder vierte Deutsche über 14 Jahren (26 Prozent) einen der flachen Rechner mit Touch-Steuerung. Das entspricht mehr als 18 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Vor gut einem Jahr war es erst jeder Achte (13 Prozent). Am beliebtesten sind Tablet-Computer bei den 30- bis 49-Jährigen. Jeder Dritte von ihnen (34 Prozent) nutzt ein solches Gerät. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 30 Prozent. Jeder Vierte (26 Prozent) zwischen 50 bis 64 Jahren verwendet einen Tablet-Computer. Ab 65 Jahren ist es jeder Zehnte (10 Prozent). Der Durchschnittspreis für einen Tablet-Computer lag 2013 laut Bitkom bei rund 345 Euro. Nach einer Bitkom-Umfrage 2013 spielt mehr als jeder zweite Tablet-Nutzer (56 Prozent) auf seinem Gerät, 53 Prozent kaufen damit online ein. 48 Prozent betrachten Fotos, 46 Prozent besuchen Soziale Netzwerke. Am häufigsten werden Tablet-Computer jedoch zum Schreiben und Lesen von E-Mails genutzt (64 Prozent der Tablet-Nutzer) sowie zum Surfen im Web (60 Prozent).