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Sonne und blauer Himmel über einem von vielen Blühstreifen im Landkreis Lüneburg. Doch die Zukunft sieht weniger sonnig aus, die Gesamtfläche im Landkreis mit Blühpflanzen wird sich voraussichtlich deutlich reduzieren. Foto: phs
Sonne und blauer Himmel über einem von vielen Blühstreifen im Landkreis Lüneburg. Doch die Zukunft sieht weniger sonnig aus, die Gesamtfläche im Landkreis mit Blühpflanzen wird sich voraussichtlich deutlich reduzieren. Foto: phs

Region verliert Vielfalt im Feld

off Lüneburg. Bunter, blühender und bienenfreundlicher sollte Niedersachens Landwirtschaft werden. Mit diesem Ziel hat Agrarminister Christian Meyer Anfang des Jahres ein neues Förderprogramm für Blühstreifen aufgelegt und damit auch die Landwirte im Kreis Lüneburg begeistert. 75 Prozent mehr Ackerfläche als bisher wollten die Bauern kommendes Jahr für Blühstreifen zur Verfügung stellen. Doch seit Anfang August steht fest: 2015 werden nicht mehr Feldränder blühen, sondern 15 Prozent weniger.

Der Grund: Die Blühstreifenförderung wurde nachträglich gedeckelt. Statt höchstens 15 Prozent der Gesamtfläche darf jeder Betrieb in Zukunft nur noch maximal zehn Hektar mit Blühstreifen bestellen. Eine Kappung, von der laut Landwirtschaftsministerium im Kreis Lüneburg insgesamt 1800 Hektar und damit mehr als die Hälfte der beantragten Fläche betroffen sind. 3500 Hektar Blühstreifen wollten die Landwirte 2015 anlegen, voraussichtlich 1700 Hektar werden es am Ende sein. Rund 300 Hektar weniger als dieses Jahr.

Wie stark die Kappung einzelne Betriebe trifft, zeigt das Beispiel der Landwerker GbR aus Barskamp, einem Zusammenschluss aus drei landwirtschaftlichen Betrieben. „Bisher hatten wir etwa 80 Hektar Blühstreifen“, sagt Landwirt Hubertus Meyer. „In Zukunft dürfen wir nur zehn Hektar anbauen.“ Eine Kürzung um 87,5 Prozent.

Als Grund für die nachträgliche Einführung der Zehn-Hektar-Grenze nennt Landwirtschaftsminister Meyer in einer Pressemitteilung die Tatsache, dass einige Betriebe ihre komplette Ackerfläche als Blühstreifen beantragt hätten. „Dies ist nicht in unserem Sinne“, so Meyer, „Vielfalt und eine gute Verteilung über das Land ist besser für die Umwelt, als die Brachlegung ganzer Betriebe.“

Auslöser für die extreme Antragsstellung dürfte die Anhebung des Fördersatzes für Blühstreifen sein. Mit der Neuauflage des Blühstreifenprogramms hatte Meyer auch den Fördersatz von 560 auf 800 Euro pro Hektar erhöht, wer beim Anbau nachweislich mit einem Imker zusammenarbeitet erhält sogar 900 Euro. Landesweit hat das dazu geführt, dass 25000 Hektar zusätzliche Blühstreifen beantragt wurden, davon laut Ministerium rund 6600 Hektar über der 10-Hektar-Grenze. Im Gegensatz zum Kreis Lüneburg steigt damit trotz Kappung die Blühstreifen-Fläche landesweit von bisher 10000 auf voraussichtlich rund 28400 Hektar im Jahr 2015.

Ob es bei den Zahlen bleibt, ist allerdings offen. „Es ist durchaus möglich, dass ein nicht unerheblicher Teil der Landwirte den Antrag auf Blühstreifen noch bis Dezember zurückzieht, weil jetzt auch die Zwischenfrucht als ökologische Vorrangfläche anrechenbar ist“, schreibt Ministeriumssprecherin Susanne Reimann. Das heißt für den Landkreis Lüneburg: Es könnten 2015 noch weniger Felder blühen. Auch zum Bedauern von Thomas Mitschke.

Grundsätzlich hält der Kreisvorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) die Blühstreifen zwar für verbesserungswürdig. „Doch dass in Zukunft bei uns offenbar deutlich weniger blüht, ist ein herber Verlust nicht nur für die Honigbiene, auch für die Wildbienen und viele andere Tiere.“ Der Kreisimkerverein hingegen sieht den drohenden Einbruch der Blühstreifen in der Region gelassen. „Wir blicken da über den Tellerand hinaus und freuen uns, dass es künftig eine gleichmäßigere Verteilung von Blühstreifen im ganzen Land gibt“, sagt der Obmann für Bienengesundheit, Ludwig Schwab.

Landesweit war der Landkreis Lüneburg bisher eine der Blühstreifenhochburgen in Niedersachsen. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer wuchsen 2014 auf 4,2 Prozent der Ackerfläche im Kreisgebiet Blühpflanzen wie Sonnenblumen, Senf, Ölrettich oder Klee. Künftig wird sich der Anteil voraussichtlich auf rund 3,6 Prozent reduzieren. Doch auch wenn die Landwirschaft im Kreis Lüneburg weder bunter noch blühender wird, das Landwirtschaftsministerium ist überzeugt: Die Region bleibt einer der Blühstreifen-Spitzenreiter.