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Hühner auf dem Hof von Herbert Röhlke in Sülbeck. Fotos: t&w
Hühner auf dem Hof von Herbert Röhlke in Sülbeck. Fotos: t&w

Hühnerhalter ärgert Impf-Irrsinn

off Sülbeck. Herbert Röhlke ist 71 Jahre alt und hat ein Herz für Hühner. In einem Gehege unter Obstbäumen hält er neun Hennen und einen Hahn, dort gibt es Sonnen- und Schattenplätze, Sand und Wasser, viel Platz für wenig Hühner. Ein Idyll. Eigentlich. Denn seit Herbert Röhlke Post vom Landkreis Lüneburg bekommen hat, stehen dunkle Wolken über dem Hühnerparadies. Das Federvieh droht unbezahlbar zu werden. „Nur wegen dieser blödsinnigen Impfung“, schimpft Röhlke.

Nach einem Ausbruch der atypischen Geflügelpest Newcastle Disease (ND) Ende Juni in Schweden hatte der Landkreis angekündigt, die Impfpflicht gegen die Krankheit kreisweit zu kontrollieren. Röhlke hat seine Hühner bisher nicht impfen lassen. „Und ich werde es auch künftig nicht tun“, sagt er. Gründe dafür hat der 71-Jährige gleich mehrere: Er hält die Impfung für unnötig. Für ungesund. Und mit Kosten von 70 Euro alle sechs bis zwölf Wochen für wahnwitzig teuer.

Herbert Röhlke füttert seine zehn Hühner, eigentlich Entspannung pur für den 71-jährigen Sülbecker. Doch seit er ein Schreiben des Landkreises bekommen hat, steigt in ihm regelmäßig die Wut auf.
Herbert Röhlke füttert seine zehn Hühner, eigentlich Entspannung pur für den 71-jährigen Sülbecker. Doch seit er ein Schreiben des Landkreises bekommen hat, steigt in ihm regelmäßig die Wut auf.

„Fast 300 Euro im Jahr für zehn Hühner?“ Herbert Röhl­ke schüttelt den Kopf. „Wie viel Eier sollen die denn legen, damit ich das bezahlen kann?“ Im gesamten Dorf gebe es keine weiteren Hühner, „meine Tiere verlassen niemals den Hof, wo und wie sollen die sich denn da anstecken?“, fragt er. Nachvollziehen kann seinen Ärger auch Kreissprecherin Katrin Holzmann. „Doch wir sind vom Landwirtschaftsministerium in Hannover zu den Kontrollen verpflichtet worden“, sagt sie, „außerdem schreibt die Geflügelpestverordnung von 2005 bundesweit eine Impfung vor.“

Auch das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) weist auf seiner Internetseite auf die Pflicht zu Impfung hin. Ausdrücklich „auch für Hobbyhaltungen von ein bis zwei Tieren“. Sollte die Krankheit ausbrechen, „richtet sie nicht nur bei den erkrankten Tieren selbst großen Schaden an. Sie führt auch zu schweren wirtschaftlichen Schäden für Tierhalter und ganze Regionen“, schreibt das Laves. Betroffene Tierbestände müssten sofort getötet, großräumige Sperren errichtet werden. „Aufgrund von Handelsbeschränkungen kommt es zu schwerwiegenden Problemen im Absatz von Tieren und ihren Produkten auf dem Markt.“

Ein Horrorszenario, vor allem für Niedersachsen mit mehr als 96 Millionen Tieren Deutschlands Geflügelland Nummer eins. „Trotzdem kann man uns Hobbyhaltern doch nicht 300 Euro Impfkosten im Jahr zumuten, nur um die großen Massenhaltungen zu schützen“, sagt Herbert Röhlke. Gemeinsam mit anderen Hobbyhaltern plant er eine Sammelklage gegen die Impfpflicht. „Ich muss einfach etwas tun“, sagt er, „ich kann wegen diesem Irrsinn nachts schon nicht mehr schlafen.“

Verständnis für die Wut der Hobbygeflügelhalter hat auch Stephan Schlawinsky, Kreisstellenvorsitzender der Tierärztekammer in Lüneburg. „Fast 300 Euro Impfkosten jährlich für zehn Hühner steht sicherlich in keinem Verhältnis.“ Ein Grund für die hohen Kosten: Die kleinste, erhältliche Impfdosis ist ausgelegt für 1000 Tiere. „Und wenn die Flasche einmal geöffnet ist, muss der Impfstoff innerhalb von zwei Stunden verbraucht werden“, sagt Schlawinsky. Statt für 10 Hühner zahlt Röhlke also die Dosis für 1000 Hühner. „Hinzu kommen die Anfahrtskosten“, sagt Schlawinsky, „da können schnell 70 Euro zusammenkommen.“

Verabreicht wird der Impfstoff über das Trinkwasser. „Das könnten die Tierhalter theoretisch zwar auch allein machen“, sagt Schlawinsky, „doch die Impfstoffverordnung schreibt vor, dass ein Tierarzt das erledigt.“ Um den Schutz aufrecht zu erhalten, muss die Impfung alle sechs bis zwölf Wochen wiederholt werden. „Für Leute mit ein paar Hühnern im Garten Irrsinn“, sagt auch Schlawinsky. „Denen bleibt eigentlich nichts anders übrig, als die Hühner abzuschaffen.“