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Der Stausee auf dem Geesthang ist 500 mal 600 Meter groß und hat ein Fassungsvermögen von 3,8 Millionen Kubikmetern. Die Rohre zum Maschinenhaus am Elbufer sind 600 Meter lang. Foto: tja
Der Stausee auf dem Geesthang ist 500 mal 600 Meter groß und hat ein Fassungsvermögen von 3,8 Millionen Kubikmetern. Die Rohre zum Maschinenhaus am Elbufer sind 600 Meter lang. Foto: tja

Renaissance bei Geesthacht bleibt aus

tja Geesthacht. Fällt auch nur ein größeres Bauteil aus, ist das Ende des Pumpspeicherwerkes am Elbufer bei Geesthacht besiegelt. „Es rechnen sich keine Investitionen mehr. Wenn ein größerer Schaden kommt, bleibt die Anlage stehen“, erklärte Werkleiter Lothar Köppke jetzt im Energieausschuss der Stadt Geesthacht. Ausschussvorsitzender Sven Minge (CDU) hatte ihn eingeladen, um das Gremium über mögliche Zukunftsperspektiven des einzigen Norddeutschen Wasserkraftwerks zu informieren. Und die sind düster.

Kraftwerksleiter Lothar Köppke berichtete von der Gefahr einer Stilllegung des Pumpspeicherwerks. Foto: tja
Kraftwerksleiter Lothar Köppke berichtete von der Gefahr einer Stilllegung des Pumpspeicherwerks. Foto: tja

Am 15. Oktober 1958 wurde das Kraftwerk mit einer Leistung von 120 Megawatt in Betrieb genommen. Ursprünglich diente es dazu, den Spitzenlastbedarf in Hamburg zu sichern. Denn: Keine andere Technologie liefert so schnell Strom wie das Pumpspeicherwerk. Wurden früher morgens in der Hansestadt die Maschinen in den großen Fabriken gestartet, stand bei Bedarf innerhalb von gut einer Minute die volle Leistung zur Verfügung. Kein konventionelles Kraftwerk und auch kein Atomkraftwerk konnte das bieten. Heute wäre die Zeit, den 3,8 Millionen Kubikmeter fassenden Speichersee auf dem Geesthang als Puffer für Strom aus Solar- und Windparks zu nutzen. Doch die Bedingungen sind nicht zuletzt wegen der Nutzungsentgelte, der Wassergebühr und anderer Kosten schlichtweg widrig.

„Ich habe Sorgen, dass die fehlende Wirtschaftlichkeit zu einer Stilllegung des Pumpspeicherwerkes führt“, machte Minge deutlich. „Gerade als Speicher, wenn zum Beispiel nachts kräftig Wind weht, aber der Strom gar nicht benötigt wird, wäre das Pumpspeicherwerk perfekt“, so Minge. Doch wenn der Windstrom genutzt wird, um die mächtigen Pumpen anzutreiben, die das Wasser aus der Elbe den Geesthang rauf in den Speichersee befördern, muss der Energiekonzern Vattenfall wie jeder andere Verbraucher auch Nutzungsentgelt gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zahlen. Außerdem muss für jeden Kubikmeter Elbwasser eine Gebühr in Höhe von 0,001 Euro ans Land gezahlt werden.

Je nach Tageszeit muss Vattenfall für den Strom, der für die Pumpen bezogen wird, bis zu 35 Euro zahlen. Erlöst werden können in Spitzenzeiten maximal 40 Euro, so Köppke. Nicht nur Wasserkraftwerke in anderen Bundesländern, die den umstrittenen „Wasserpfennig“ nicht erheben, sondern vor allem Anlagen in der Schweiz und in Österreich können deutlich wirtschaftlicher arbeiten. „Es gab bereits im Jahr 2000 erste Überlegungen, das Werk stillzulegen“, berichtete Köppke. Doch mit weniger Personal und dem auf Verschleiß ausgelegten Betrieb konnte die Zeit bis heute überbrückt werden. Jetzt scheint das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein. Köppke: „Wir müssen ein Plus erwirtschaften, und das wird immer schwerer.“ Er setzt Hoffnungen auf eine Novellierung des EEG und eine, wie er sagt „andere Wertschätzung“ für Pumpspeicherwerke.

Würde Vattenfall investieren, etwa in einen besseren Wirkungsgrad der Turbinen oder eine Vergrößerung des 500 mal 600 Meter großen Speichersees an der Bundesstraße 5, wäre eine Befreiung von den Nutzungsentgelten für zehn Jahre möglich. „Uns fehlt aber eine entsprechende Zukunftsaussicht, um das zu planen, die Investition wäre ja beachtlich“, sagt Köppke.

„Vielleicht macht sich unser Umweltminister Herr Har­beck aus Kiel ja selbst einmal ein Bild von der Situation hier in Geesthacht, bevor er hier eine Entscheidung trifft, die dieses sinnvolle Kraftwerk ins Abseits manövriert“, hofft Minge auf Einsicht in Reihen der Landesregierung.