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Das rund 80 Millionen Euro teure Outlet mit rund 70 Läden wurde direkt an der A7 gebaut. Zwei Jahre nach der Eröffnung möchte die Investorin nun von 10 000 auf 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche erweitern. Foto: t&w
Das rund 80 Millionen Euro teure Outlet mit rund 70 Läden wurde direkt an der A7 gebaut. Zwei Jahre nach der Eröffnung möchte die Investorin nun von 10 000 auf 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche erweitern. Foto: t&w

Einmal verdoppeln, bitte!

as Lüneburg. Massiv waren die Proteste in den umliegenden Städten gegen das Soltauer Factory Outlet Center (FOC), das vor zwei Jahren als Designer Outlet Center an den Start ging. Allen voran lehnten Lüneburg und Celle den riesigen Schnäppchenmarkt ab, weil der Einzelhandel geschwächt werde. Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte den Weg 2007 für das FOC frei gemacht, in dem sie das Landesraumordnungsprogramm (LROP) geändert hatte. Nun reichen der Investorin Sylvie Mutschler die 10000 Quadratmeter Verkaufsfläche nicht mehr, sie möchte verdoppeln. Sie argumentiert auch mit zusätzlichen Arbeitsplätzen. In Lüneburg stoßen die Expansionspläne auf klare Ablehnung. Und auch das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, das für das Landesraumordnungsprogramm zuständig ist, winkt ab.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge glaubt, dass das Outlet Center die Strukturen in umliegenden Städten gefährdet. Foto: t&w
Oberbürgermeister Ulrich Mädge glaubt, dass das Outlet Center die Strukturen in umliegenden Städten gefährdet. Foto: t&w

Oberbürgermeister Ulrich Mädge überrascht das Bestreben der Investorin nicht, denn deren Forderung seien einst 20000 Quadratmeter Verkaufsfläche gewesen. Nach den Protesten der Kommunen habe die damalige Landesregierung schließlich die Verkaufsfläche auf 10000 Quadratmeter eingedampft. „Wir haben die gleiche Auffassung wie damals. Wir brauchen kein Factory Outlet Center, es ist schädlich für den Einzelhandel und gefährdet die Strukturen in den umliegenden Städten. Wir wollen die Lüneburger Innenstadt und ihren Handel stärken.“ Mädge sieht jedoch derzeit auch keine Chancen für die Pläne der Investorin. „Die rot-grüne Landesregierung hat in der Koalitionsvereinbarung festgeschrieben, dass es keine Ausweitung des FOC in Soltau geben darf. Damit ist das Thema eigentlich vom Tisch.“

Heiko Meyer, Chef des Lüneburger Citymanagement, bezeichnet die Pläne als Frechheit. Foto: A./t&w
Heiko Meyer, Chef des Lüneburger Citymanagement, bezeichnet die Pläne als Frechheit. Foto: A./t&w

Auf LZ-Anfrage beim niedersächsischen Landwirtschaftsministerium hieß es am 27. August: „Der angestrebten Erweiterung steht derzeit nicht nur der raumordnerische Vertrag, den das Land, der Landkreis Heidekreis und die Stadt Soltau mit dem Investor geschlossen haben, sowie das Landesraumordnungsprogramm (LROP) entgegen, sondern darüber hi­naus auch der Koalitionsvertrag. Die neue Landesregierung sieht das FOC auch wegen seiner Wirkung auf Einzelhandel, Umwelt, Verkehr, Flächenverbrauch und Versorgung in der Fläche sehr kritisch.“ Eine Änderung des LROP in diesem Punkt sei daher nicht vorgesehen.

Heinz-Georg Frieling vom Einzelhandelsverband in Lüneburg ist gegen jegliche Vergrößerung. Foto: A./be
Heinz-Georg Frieling vom Einzelhandelsverband in Lüneburg ist gegen jegliche Vergrößerung. Foto: A./be

Als „Frechheit“ bezeichnet Heiko Meyer, Chef des Lüneburger Citymanagements, die Strategie der Investorin, erst einmal klein anzufangen und dann vergrößern zu wollen. „Wir sind strikt gegen eine Erweiterung, das FOC schadet den Städten. Selbst in Soltau hat es meiner Kenntnis nach die Erwartungen nicht erfüllt.“ Die Landespolitik sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg müssten ihr Wort halten, dass es keine Erweiterung gebe. Heinz-Georg Frieling, Geschäftsführer des Einzelhandelverbands, Geschäftsstelle Lüneburg, sagt: „Wir haben 20 Jahre lang gegen die Ansiedlung gekämpft und sind gegen jegliche Vergrößerung.“ Er appelliert nachdrücklich an die niedersächsische Landesregierung, das Landesraumordnungsprogramm nicht zu ändern.