Dienstag , 27. September 2016
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Ein Anblick mit Seltenheitswert im Kreis Lüneburg: Die Eltern der kleinen Flussschwalbe versorgen ihren  Nachwuchs mit Fisch. Foto Mathias Schneider
Ein Anblick mit Seltenheitswert im Kreis Lüneburg: Die Eltern der kleinen Flussschwalbe versorgen ihren Nachwuchs mit Fisch. Foto Mathias Schneider

Kleines Küken, großes Glück

emi Garlstorf. Die Freude bei Nabu-Vogelkundler Heinz Georg Düllberg ist groß: In diesem Sommer fand bei Garlstorf/Elbe die erste erfolgreiche Brut von Flussseeschwalben im Kreis Lüneburg seit vielen Jahren statt. Die Mitglieder der Vogelkundlichen Arbeitsgemeinschaft Lüneburg (VALG) beobachteten im C-Gebiet des Biosphärenreservates Niedersächsische Elbtalaue, Habekost, zunächst ein Elternpaar beim Balzen. Wenige Wochen später schlüpfte der Nachwuchs ein flauschiges, braungeflecktes Küken machte die kleine Insel im Gewässer unsicher. „Das ist etwas ganz Besonderes, so ein Glück hat man sonst nicht“, schwärmt Düllberg. Die letzte gesicherte Brut gab es im Jahr 1967 bei Brackede.

„Flussseeschwalben sind Zugvögel“, sagt Düllberg. „Ich habe hier schon viele fliegen und rasten gesehen. Aber dass sie hier auch brüten, ist ausgesprochen selten.“ Das liege vor allem an der Beschaffenheit der Landschaft: „Die etwa 34 bis 37 Zentimeter großen Vögel legen ihre Eier in Gewässernähe in geschützte, flache Nestmulden im Kiesboden. Die gibt es so an der Elbe nicht.“

Der Platz bei Garlstorf an der Elbe habe dieses Jahr offenbar optimale Bedingungen geboten: „Weil es kein Hochwasser gab, ragt die kleine Insel aus dem Wasser. Kein Fuchs und kein anderes Raubwild gelangen dorthin.“ Das nutzten die Verwandten der Möwen jetzt wohl aus und erregten dabei die Aufmerksamkeit der ehrenamtlichen Vogelzähler.

Ausgewachsene Flussseeschwalben haben eine hellgraue Oberseite, eine weiße oder grau überflogene Unterseite und einen tief gegabelten Schwanz. Auffällig sind die schwarze Haube und ein roter Schnabel mit schwarzer Spitze. Die Beine sind rot.

Im Juli beobachteten VALG-Mitglieder, wie der junge Vogel von seinen Eltern umsorgt wurde. „Flussseeschwalben fressen kleine Fische, Weichtiere und Insekten“, weiß Düllberg. Die Jungtiere müssen rasch zu Kräften kommen. Rund drei bis vier Wochen nach dem Schlupf werden sie flügge und ziehen dann in ihre Winterquartiere in Westafrika, wo sie sich etwa von Oktober bis März aufhalten. Einige wenige überwintern auch in Südafrika.

Im Frühjahr beginnt dann abermals die Reise in die Brutgebiete Europas. In Deutschland liegt der Brutbestand nach VALG-Angaben bei rund 10000 Flussseeschwalben, 270000 bis 570000 sollen es europaweit sei. Die Flussseeschwalbe brütet nicht nur an der Küste, sondern auch an Flüssen im Binnenland. Und jetzt nach langer Zeit eben auch einmal wieder im Landkreis Lüneburg.

Wer sich die Tiere selbst ansehen möchte, sucht allerdings vergeblich. „Die Brut war sehr spät und die Flussseeschwalben haben sich vermutlich schon auf die Reise gemacht“, sagt Heinz Georg Düllberg. Aber vielleicht kommen sie nächstes Jahr zurück und mit Glück brüten sie dann auch wieder. Nicht nur der Nabu-Vogelkundler würde sich darüber sehr freuen.